# taz.de -- Wider die reaktionären Ideologien: Die Antwort auf islamistischen Terror ist: Einwanderung!
> Noch mehr Überwachung und Repression werde fundamentalistischen Terror
> nicht stoppen, schreibt Udo Knapp für taz FUTURZWEI. Menschen brauchen
> eine Perspektive und Raum für persönliche Entfaltung.
(IMG) Bild: Liebe, Geborgenheit und eine lebenswerte Perspektive sind das beste Mittel gegen Hass aller Art
[1][taz FUTURZWEI] | Den Islamismus und seinen Terror mit mehr Repression,
mehr Abschottung, Renationalisierung bekämpfen zu wollen, das bleibt
wirkungslos. Es braucht eine grundsätzliche Antwort. Nämlich gut
organisierte Einwanderung, mehr gesellschaftlichen Raum für eine
selbstbestimmte, vielfältig geförderte Integration von Migranten und
Einwanderern, mehr Chancengleichheit für alle, woher sie auch kommen, wo
immer sie leben oder gelebt haben.
Eine so wachsende, sich immer mehr vertiefende Gesellschaft der vielen
Verschiedenen – jenseits aller nationalen Einschließungen – kann den Terror
austrocknen, nicht nur den der religiösen Fundamentalisten, sondern auch
aller anderen weltlichen Ideologismen.
Je stärker das Miteinander aller Menschen, als aufgeklärtes,
verfassungsgesichertes Normal zum Alltag wird, desto schneller werden der
Islamismus und andere reaktionäre Ideologien ihre Bindekraft verlieren.
Wer jetzt denkt, naja: Nein, eine solche Erwartung ist keine idealistische
Luftnummer. Sie schreibt fort, was in den letzten 250 Jahren in den USA
geschehen ist. Auch wenn es hier jede Form von Rassismus gibt –
„Bio-Amerikaner“, bis auf die wenigen überlebenden Nachfahren der
Indigenen, gibt es nicht. Die heute 349 Millionen US-Bürger sind
Zugereiste, Verfolgte, Verjagte, Hoffende aus der ganzen Welt, die einen
sicheren Hafen für ihre Zukunft gesucht und in den USA gefunden haben oder
ihn dort immer noch suchen. Die zu Beginn mehrheitlich Weißen aus Europa
sind heute nur noch eine von vielen Minderheiten. Diese US-Weltgesellschaft
im Kleinen ist das Modell für alle anderen Staaten auf dem Weg hin zu der
einen Weltgesellschaft aller Menschen auf der Erde. Wenn auf diesem Weg
alle Beteiligten der Demokratie, der Freiheit und den Menschenrechten
verpflichtet bleiben, dann hat fundamentalistische Terror keine Zukunft
mehr.
## Raum für die Entfaltung der Lebensziele
Gut organisierte Einwanderung als Antwort auf den Terror ist auch aus
demographischen Gründen ökonomisch längst unverzichtbar. Die westlichen
Industriegesellschaften haben allesamt mit ihrer rapide kleiner werdenden
Bevölkerung und damit dem Schrumpfen ihrer workforce zu kämpfen. Die
Weltbevölkerung wird in wenigen Jahrzehnten nicht mehr wachsen. Schon heute
gibt es deshalb einen harten Wettbewerb um die besser Ausgebildeten aus
aller Welt. Brain Gain und Migration in die alten und neu entstehenden
geistigen und industriellen Länder werden deshalb schon bald die
entscheidenden ökonomischen Erfolgsfaktoren sein. Voraussetzung ist daher,
die Einwanderung aktiv zu organisieren. Das heißt, Migranten Raum für die
Entfaltung ihrer Lebensziele geben, wodurch sie Wirtschaft und Gesellschaft
bereichern und die Bevölkerungszahlen stabilisieren. Diese Einwanderer mit
einer lebenswerten Perspektive für sich und ihre Kinder werden sich von
Islamisten und Fundamentalisten fernhalten.
Die vor wenigen Jahren in die Bundesrepublik gekommenen etwa eine Million
Syrer sind dafür ein gutes Beispiel. Sie haben sich überwiegend mit großem
Einsatz und mit Erfolg in die Gesellschaft eingefügt. Diesen Menschen eine
Bleibeperspektive einzuräumen, ihnen alle Optionen für ihre Entfaltung zu
öffnen, sind die besten Instrumente, um die Islamisten zu isolieren, die in
ihrem Windschatten aktiv sind, ja sogar gemeinsam mit Ihnen aktiv Terror zu
verhindern.
Zugleich aber muss es auf den islamistischen Terror eine harte Antwort
geben. Nach Innen bietet unsere Rechtsordnung dafür vielfältige,
ausgewogene Instrumente. Die bindende, dem Terror widerstehende Kraft
unserer Rechtsordnung erweist sich aber auch darin, dass sie auch ihren
mordenden Feinden gegenüber Recht und Gesetz gelten lässt. Wer das in Frage
stellt, wer der Justiz zu viel an Nachsicht gegenüber den Tätern
unterstellt, der stellt selbst die Legitimität von Recht und Gesetz in
Frage.
## Autoritäres Macho-Gerede geht am Grundgesetz vorbei
Es gibt aber auch ein Macho-Gerede, das am Grundgesetz vorbeiredet, es
reicht von der Ausweitung der elektronischen Fußfessel, von einer
leichteren und längeren Präventivhaft, der Aufhebung des Jugendstrafrechts
für alle Gefährder, einem immer umfassenderen Überwachsungsapparat des
gesellschaftlichen Lebens bis zu Abschiebezentren.
All das wird die millionenstarke Bewegung fanatischer Muslime nicht
aufhalten. Ihr Kampf richtet sich gegen die westliche, aufgeklärte und
liberale Lebenskultur, gegen Frauenrechte, gegen Freiheit und Demokratie.
Ihr Terror wird solange nicht aufhören, solange deren Rückraum in den
islamistischen Staaten nicht ausgetrocknet wird. Die USA und Israel stehen
in ihrem Krieg gegen die Mullahs im Iran an der vordersten Front in diesem
Kampf. Wenn sie ihn gewinnen, wird dem Islamismus und seinem Terror in den
westlichen Gesellschaften zumindest ein stückweit der Boden entzogen.
Das ist das eine, das andere ist eine mutige Migrationspolitik. Mehr
Einwanderung statt populistischer Drohgebärden mit Remigration und ein
Bewusstsein für die Kraft der westlichen Zivilisation sind die besten
Instrumente zum Eindämmen des islamistischen Terrors weltweit.
Dummerweise aber überbieten sich alle Parteien derzeit darin, Einwanderung
möglichst zu erschweren und den Rechtsstaat verbal mit niemals einlösbaren
Sicherheitsversprechen zu delegitimieren. Sogar die Grünen.
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3 Aug 2026
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