# taz.de -- 
       
       ## Frau Wagenknecht will ins TV 
       
       Sahra Wagenknecht ist wieder in den Schlagzeilen. Wie schafft man das als
       Gründerin einer kleinen Partei, die angesichts bescheidener Umfragewerte
       auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist? Wagenknecht und ihre Truppe
       setzen auf den „Flirt mit dem Tabu“, wie es einige Medien nennen. Klingt
       spielerisch, kann aber bitterer Ernst werden. Das BSW dient sich der AfD
       als „Königsmacherin“ an. Steigbügelhalter wäre der treffendere Begriff: In
       Sachsen-Anhalt könnte es die erste rechtsextreme Regierung seit 1945 geben.
       
       Die AfD liegt dort bei knapp über 40 Prozent, die CDU bei knapp über 20,
       die Linke bei 13, alle anderen im Bereich der Fünfprozenthürde, auch das
       BSW. Bisher inszenierte sich das BSW als Antibrandmauerpartei und stellte
       klar: Sein Ziel ist die CDU-Abwahl. Und wie hält es das BSW mit der AfD?
       Bei der Antwort blieb man nebulös. Jetzt, drei Wochen vor der Wahl,
       verkündet die BSW-Spitze: [1][Sollte das BSW den Sprung ins Magdeburger
       Parlament schaffen, wird es dem AfD-Spitzenkandidaten den Weg in die
       Staatskanzlei ebnen.] Bei der Ministerpräsidentenwahl würde sie sich im
       dritten Wahlgang – wo der AfD eine einfache Mehrheit reicht, um an die
       Macht zu kommen – enthalten.
       
       Der Schritt wurde in den letzten Wochen fein orchestriert. Als erfahrene
       Talkshowpolitikerin beherrscht Wagenknecht die Klaviatur der
       Aufmerksamkeitsökonomie. Es gab einen Brief der BSW-Chefs an die
       AfD-Spitze mit der Bitte an Alice Weidel, gemeinsame Wahlkampfauftritte mit
       Wagenknecht zu bestreiten, angeteasert als Duelle, schließlich würden beide
       von den Öffentlich-Rechtlichen ausgegrenzt. Anbiedern als
       Antibrandmauersignal, das generiert Aufmerksamkeit für das BSW und ist
       eine Machtofferte für die AfD. Für das BSW ist es außerdem ein Manöver, um
       taktische Wähler aus dem AfD-Milieu abzugreifen. In letzter Zeit lancierte
       das BSW immer harscher seine Forderung nach einer „Bürgerregierung“ mit
       überparteilichem Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten
       regiert, auch mit der AfD. Für die demokratischen Parteien ist das ein
       vergiftetes Angebot.
       
       Davon versteht nicht nur Wagenknecht was, sondern auch Björn Höcke, der ihr
       anbot, sie zur Ministerpräsidentin in Thüringen zu machen. Eine Offerte mit
       doppelter Sprengkraft, dort gehört das BSW zur Regierungskoalition unter
       einem CDU-Ministerpräsidenten. Und Thüringens BSW-Landesverband ist der
       einzige, den Wagenknechts autoritär-kadermäßig geführter BSW-Apparat nicht
       im Griff hat. [2][Wagenknecht erteilte Höcke eine Absage] und forderte ihn
       stattdessen zu einem TV-Duell auf. Nach der Devise, wenn schon nicht mit
       Weidel, dann halt mit Höcke. Martina Mescher
       
       15 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!6203744&SuchRahmen=Print
 (DIR) [2] /!6204068&SuchRahmen=Print
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Mescher
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA