# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn in Gemeinschaft gestaunt wird
       
       Sie hätte so schön sein können, diese Sonnenfinsternis. Gemeinschaftliches
       Staunen, allerorten. Zumindest träumten die Medien des Landes davon, die
       gesellschaftliche Zerrissenheit kurz zu vergessen, während sich der Mond
       sachte vor die Sonne schiebt. Das Naturspektakel lädt zumindest dazu ein.
       
       Mit vorsichtigen Schritten stapft gerade eine junge Mutter auf dem
       Teufelsberg durch die wenigen Flecke, die nicht besetzt sind. Platz macht
       ihr niemand, im Stimmengewusel ist ihr „Tschuldigung?“ nicht zu hören.
       Längst ist der Berg im Grunewald zum Ameisenhügel mutiert. „Man bräuchte
       eigentlich ‚nen Countdown, damit die Leute still sind und wir den Moment
       genießen können“, sagt ein junger Mann, der Sonne den Rücken zeigend.
       
       20.08 Uhr, die Sonnenfinsternis erreicht ihr Maximum. Hunderte Hände
       applaudieren den Planeten für das, was sie immer tun. Schon schiebt sich
       der Mann die „Sofi“-Brille wieder von den Augen. „So, schnell zum Auto,
       sonst kommen wir nie vom Parkplatz.“ Spätestens um 20.11 Uhr ist klar: Die
       Besucher*innen des Teufelsbergs lehnen die Einladung zum Innehalten
       wieder einmal ab. Laura Mies
       
       15 Aug 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Laura Mies
       
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