# taz.de -- Öko-Kontroverse über Fliegen: Flugscham out? Gott sei Dank!
       
       > Das Fliegen wird mit fossilen Energien ermöglicht und ist enorm
       > klimaschädlich. Aber ist es zielführend, andere dafür zu verurteilen? Was
       > hilft wirklich, fragt Peter Unfried: Moral oder Technologie?
       
 (IMG) Bild: Flugscham ist aufgrund der schädlichen Emissionen nachvollziehbar. Aber löst Moralismus das Problem?
       
       [1][taz FUTURZWEI] | Grundsätzlich schadet selbstverständlich jeder Flug
       mit fossilem Antrieb dem Erhalt der planetarischen Grundlagen. Die Ausrede
       ist nicht valide, einer allein mache ja keinen Unterschied und das
       [2][Flugzeug] fliege ja auch ohne einen. Man kann auch nicht einen Mord
       begehen und sagen, ach, bei den vielen Morden weltweit sei dieser eine ja
       wohl vernachlässigbar. Oder die Steuer verweigern. Jeder Beitrag ist
       wichtig für das Ganze.
       
       Nichtsdestotrotz war dieses ewige „Waaas, du fliegst?“ oder „Wie kommt ihr
       denn da hin – mit dem Schihiff?“ ein völlig unproduktiver und sogar
       schädlicher Moralausstoß, mit dem sich vielleicht die Anklagenden schön
       über andere erhoben, der aber sonst nur die Angeklagten anpissen und
       verärgern konnte, nicht aber das Flugaufkommen senken.
       
       Die Idee, Leute durch Flugscham zum Nichtfliegen zu bewegen ist fast so
       naiv, wie „die [3][AfD] politisch stellen“ zu wollen.
       
       Allerdings gibt es eine Gegenbewegung, die nun auch nicht produktiv ist.
       Während sich die Weiterfliegenden vor Kurzem noch wortreich entschuldigen
       zu müssen glaubten, dass sie ja leider nur Kurzurlaub hätten oder der Zug
       zu teuer sei, wird neuerdings betont, dass man es einfach verdient habe,
       zwischen Skiurlaub und Interkontinentalurlaub noch schnell mal drei Tage
       Sonne in Teneriffa „zu tanken“, weil der Winter so kalt war oder der Job so
       hart oder man seine Blähungen auskurieren muss.
       
       Das steigert die Emissionen nicht, denn geflogen wurde ja so oder so,
       sondern die fossil betriebene Kultur nur mit Geschwätz verbrämt. Aber wenn
       die Bewahrung der planetarischen Grundlagen wieder aus dem Portfolio des
       korrekten Sprechens herausfällt, dann ist das sicher auch kein Zeichen,
       dass klimapolitische Mehrheiten unmittelbar bevorstehen.
       
       Ich denke, es gibt da nur eine Lösung und die hat der Physiker Anders
       Levermann vorgeschlagen: Jeder kann in der Weltgeschichte herumfliegen,
       aber kein Flug darf Emissionen produzieren. Ja ja, ich weiß, das bedeutet
       eine technologische Lösung. Die wird nicht einfach, aber sie ist hundertmal
       leichter hinzubekommen als eine moralische Lösung. Das ist aber kein
       Plädoyer dafür, nichts zu tun und auf erneuerbares Fliegen zu warten.
       
       Grundsätzlich gilt: Keiner kann globale Nullemissionen allein schaffen,
       aber jeder muss dafür etwas beitragen.
       
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       28 Jul 2026
       
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