# taz.de -- Die vielen Wege der Immuntherapie
       
       Unter Immuntherapie fallen alle Medikamente mit dem Ansatz, das Immunsystem
       im Kampf gegen Krebs zu nutzen. Doch sowohl ihre Wirkmechanismen als auch
       der Stand der Forschung sind extrem unterschiedlich. Eine Übersicht.
       
       ## Die Bremsenlöser
       
       Als die fungieren die Immuncheckpoint-Inhibitoren. Sie lösen die Bremsen
       des [1][Immunsystems], indem sie dessen Prüfstellen beeinflussen. An ihnen
       wird entschieden, ob die Immunantwort aktiviert oder gebremst wird.
       Krebszellen schalten die Antwort aus. Den Vorgang verhindern die
       Inhibitoren, durch sie kann das abgeschaltete Immunsystem seine Abwehr
       wieder auf die Krebszellen richten.
       
       Ihr Einsatzgebiet: Immuncheckpoint-Inhibitoren werden bei einer Vielzahl
       von Krebserkrankungen, darunter Hautkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Lungenkrebs
       und Brustkrebs eingesetzt; sowohl in Form einer einzelnen Therapie als auch
       in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapien und nach oder vor einer
       Operation.
       
       Nutzen und Schwierigkeiten: Die Therapie ist mittlerweile ein Standard in
       der Krebstherapie und beinhaltet die am längsten verfügbaren Wirkstoffe:
       Der erste Checkpoint-Inhibitor Ipilimumab wurde 2011 zugelassen. Immer
       häufiger werden die Bremser auch mit anderen Immuntherapien kombiniert.
       Zugleich sind die Checkpoint-Inhibitoren oft reich an Nebenwirkungen und
       die Langzeitfolgen noch nicht gut erforscht. Außerdem sprechen nicht alle
       PatientInnen auf die Behandlung an und die Krebszellen können Resistenzen
       auf die Therapie entwickeln.
       
       ## Die Scharfmacher
       
       So könnte man auch die [2][CAR-T-Zell-Therapie] nennen. T-Zellen sind eine
       Gruppe der Immunzellen, die vor allem als Angreifer agieren. In dieser
       Immuntherapie werden sie aus dem Körper sortiert und mit einem auf den
       Tumor abgestimmten Rezeptor versehen. Zurück im Körper sollen sie so die
       Tumoren finden und auf sie losgehen.
       
       Ihr Einsatzgebiet: Genutzt wird die Therapie vor allem bei Blut- und
       Knochenmarkkrebs. Meist kommt sie zum Einsatz, wenn andere Behandlungen
       nicht wirken, es gibt auch Anwendungen im Bereich von
       Autoimmunerkrankungen.
       
       Nutzen und Schwierigkeiten: Bisher ist die CAR-T-Zell-Therapie noch nicht
       in vielen Bereichen der Krebstherapie angekommen. Bei der Behandlung von
       Blutkrebs zeigt sie aber drastische Erfolge. Eine Therapie ist aufwendig,
       es braucht hochspezialisierte Zentren und jeweils einige Wochen Zeit für
       die Entwicklung der individuellen CAR-T-Zellen. Mit Kosten bis zu einer
       halben Million Euro pro PatientIn und Behandlung sind zu rechnen.
       
       ## Die Gedächtnisbilder
       
       Damit das Immunsystem den Krebs bekämpfen kann, muss es ihn erkennen. Wie
       kann man ihm also Informationen geben? Ein Weg ist die Impfung. Durch die
       sogenannte [3][mRNA-Impfung] können genetische Informationen in den Körper
       geschleust werden, etwa über einen Virus oder eben auch über Krebszellen.
       Um eine solche Behandlung durchzuführen, müssen Impfstoffe individuell auf
       den oder die PatientIn und die Krebsform im Körper maßgeschneidert werden.
       Die Impfung soll dafür sorgen, dass das Immunsystem etwas erkennt, was es
       vorher übersehen hat – den Krebs; und vor allem: nicht wieder vergisst.
       Indem das Immunsystem ein Gedächtnis bildet, soll es Rückfälle selbst
       verhindern.
       
       Ihr Einsatzgebiet: Bisher werden mehrere mRNA-Impfungen noch in Studien
       erprobt, es gibt noch keine Zulassung für eine Behandlung.
       
       Nutzen und Schwierigkeiten: Zunächst müssen sich die Wirkstoffe beweisen.
       Der mRNA-Impfstoff Intismeran gegen Hautkrebs hat in einer Studie das
       Risiko gesenkt, dass der Krebs zurückkehrt, wenn der vorher operativ
       entfernt wurde. Bei aussagekräftigen Ergebnissen in der nächsten
       Studienphase könnte es für diesen Krebs in den nächsten ein bis zwei Jahren
       die erste Zulassung geben.
       
       1 Aug 2026
       
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