# taz.de -- UN-Chef Guterres besucht Syrien: UN-Generalsekretär in Assads Folterknast
       
       > Der UN-Chef würdigt den politischen Übergang in Syrien und fordert das
       > Ende aller Sanktionen. Kritiker erinnern an die Nähe der UN zum
       > Assad-Regime.
       
 (IMG) Bild: UN-Generalsekretär António Guterres besucht das berüchtigte Militärgefängnis Sednaya in der Nähe von Damaskus
       
       Putz bröckelt von den Wänden, dreckige Decken liegen auf den Böden, die
       schweren Eisentüren stehen offen. Sednaya war einst das brutalste
       Foltergefängnis unter dem Assad-Regime. Zehntausende Menschen wurden dort
       getötet. Am Wochenende lief UN Generalsekretär António Guterres durch den
       einstigen Ort des Grauens.
       
       Er sei entsetzt gewesen, sagte Guterres. Er habe aber auch Mut und
       Fortschritte im politischen Übergang gesehen, „was mir tiefe Hoffnung gibt,
       dass alle Syrer Sicherheit und Stabilität genießen können“.
       
       Es ist der erste Besuch eines UN-Chefs in Syrien seit 17 Jahren. Guterres
       traf sich mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, Außenminister Asaad
       al-Schaibani sowie mit Frauen, Jugendlichen und humanitären Helfer*innen.
       
       Syriens politischer Übergang müsse greifbare Verbesserungen für den Alltag
       der Menschen bringen, [1][sagte Guterres]. Syrien solle wieder in die
       regionale und globale Wirtschaft integriert werden. Dazu müssten alle noch
       bestehenden Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden.
       
       ## Früher beugten sich UN-Hilfswerke dem Assad-Regime
       
       Die UN seien ein „standhafter Partner“ für das syrische Volk, versprach
       Guterres. „Leider deckt die humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen derzeit
       nur etwa 20 Prozent des Bedarfs der syrischen Bevölkerung“, fügte er hinzu.
       Guterres leitete zwischen 2005 und 2015 das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
       In den letzten Jahren seiner Amtszeit waren Syrer*innen die größte
       Vertriebenengruppe weltweit.
       
       Die Rolle der UN in Syrien unter Assad ist umstritten. Während des Krieges
       hielt die UN Verbindungen zu Assad aufrecht und [2][akzeptierte seine
       Bedingungen] für die Lieferung von humanitärer Hilfe durch UN-Hilfswerke.
       Russlands und Chinas [3][Veto im Sicherheitsrat] verhinderten andere,
       unabhängige Wege. Laut einer [4][unabhängigen Studie] gingen UN-Hilfsgüter
       dadurch [5][an Firmen], deren Besitzer eng mit dem Regime verbunden waren.
       
       Der Aktivist Hassan Akkad kritisiert die UN deshalb. „Ohne Gerechtigkeit
       gibt es keinen Frieden“, sagt er [6][in] [7][einem Video] an Guterres
       gerichtet. „Die UN hat unsere Mörder faktisch finanziert. Wir brauchen eine
       Entschuldigung und ein Versprechen, dass die UN die Zusammenarbeit mit
       Kriegsprofiteuren sofort einstellt.“
       
       Die UN-Nothilfekoordinierungsstelle Ocha und die UN-Beobachtermission
       Undof, die auf den Golanhöhen seit 1974 syrische und israelische Truppen
       voneinander trennt, nutzten weiterhin das Yafour Hotel, so Akkad. Das Hotel
       gehört Mohammed Hamscho, ein syrischer Geschäftsmann, sanktioniert vom
       US-Finanzministerium wegen seiner wirtschaftlichen Unterstützung des
       Assad-Regimes.
       
       ## Kritik an Israels „Verletzungen der Souveränität Syriens“
       
       Guterres besuchte am Montag das Undof-Hauptquartier. Die UN-Truppe soll
       eine eigentlich entmilitarisierte Zone auf dem Golan überwachen. Israels
       Militär rückt dort aber immer wieder mit Panzern und Soldaten ein. Am
       Montag sollen israelische Soldaten in den Bezirken Daraa und Quneitra
       erneut mit Militärfahrzeugen eingedrungen sein, zivile Wohnhäuser
       durchsucht und einen Bewohner gekidnappt haben, [8][meldet] die staatliche
       syrische Nachrichtenagentur Sana.
       
       Guterres kritisierte die israelischen Einmärsche. „Wir bekräftigen, dass
       Verletzungen der Souveränität Syriens inakzeptabel sind“, sagte er. „Israel
       muss das Abkommen über den Rückzug von 1974 einhalten.“ Er werde den UN
       einen umfassenden Bericht vorlegen.
       
       27 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://webtv.un.org/en/asset/k1i/k1i1dsuigt
 (DIR) [2] /Humanitaere-Hilfe-fuer-Syrien/!5951899
 (DIR) [3] /Syrien-Hilfe-scheitert-im-Sicherheitsrat/!5943569
 (DIR) [4] https://karamshaar.com/our-work/blog/new-top-100-syrian-suppliers-to-un-agencies-2019-2020/
 (DIR) [5] /Humanitaere-Hilfsgelder-in-Syrien/!5889149
 (DIR) [6] https://www.instagram.com/hassanakkad/reel/DbQK0Y-ITTN/?hl=en
 (DIR) [7] https://www.instagram.com/hassanakkad/reel/DbQK0Y-ITTN/?hl=en
 (DIR) [8] https://sana.sy/en/syria/2332391/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) UN-Sicherheitsrat
       
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