# taz.de -- True-Crime-Doku „Idaho Murders“: Die Kameras verfolgten sie bis zum Tod
       
       > Eine Doku auf Netflix behandelt einen mysteriösen Mordfall mit vier
       > Opfern. Dabei konnten die Filmemacher*innen auf absurd viel Material
       > zurückgreifen.
       
 (IMG) Bild: Trauernde Eltern in der neuen Netflix-Serie „The Idaho Murders: ein College-Albtraum“
       
       Gruselige Horrorfilme oder blutige Thriller sind normalerweise nichts für
       mich. Aber was ist mit True Crime? Gibt es weniger gruselige Unterhaltung?
       Auf Netflix sprang mir direkt „The Idaho Murders – Ein College-Albtraum“
       entgegen. Erst vor Kurzem veröffentlicht, landete die True-Crime-Doku
       direkt in den Top 10.
       
       Für moralische Unterstützung schnappte ich mir meine Mitbewohnerin.
       Gemeinsam machten wir es uns mit selbstgemachtem Nudelsalat auf der Couch
       gemütlich. Ich starte die Doku: dunkle Wohnung, [1][bedrohliche Geräusche],
       eingeschüchterte Nachrichten, die per Messenger ausgetauscht werden. „Ich
       habe echt Angst“, schreibt Collegestudentin Dylan und: „Mein Handy hat fast
       keinen Akku mehr, fuck.“ Ihre Mitbewohnerin Bethany antwortet: „Komm in
       mein Zimmer. Renn.“
       
       Dylan und Bethany sind die Einzigen, die diese Nacht überleben werden: Am
       13. November 2022 wurden Ethan Chapin (20), Kaylee Goncalves (21), Xana
       Kernodle (20) und Madison Mogen (21) in ihrem Haus in der Kleinstadt
       Moscow, im Bundesstaat Idaho, erstochen. Ethan war eigentlich nur über
       Nacht bei seiner Freundin Xana.
       
       „Warte mal kurz, mir ist jetzt schon schlecht“, sagte meine Mitbewohnerin
       und drückte auf Pause. Sie kann das nicht gucken und nebenbei essen. Ich
       stimme zu. Erst mal eine Folge Ted Lasso und Pastasalat, danach dann
       [2][wieder True Crime].
       
       Dreißig Minuten später drückten wir wieder auf Play: Alle vier Opfer waren
       Student*innen der Idaho-Universität, Kaylee und Madison schon
       befreundet, seitdem sie Kinder waren. Der Vorfall erschütterte die gesamte
       Stadt. Selbst die Polizeibeamt*innen waren sichtlich mitgenommen,
       einige auch traumatisiert vom blutigen Tatort. Auf ein Opfer wurde 50-mal
       eingestochen. Ich hingegen habe mich in den letzten Minuten kaum gerührt,
       meine Augen klebten am Bildschirm.
       
       ## Der Foodtruck streamte live
       
       Das Bizarre an der Doku ist, dass es so viel Material gibt. Ständig werden
       Videos und Bilder von den Verstorbenen eingeblendet: Wie sie zusammen
       herumalbern, auf Partys sind, sich in den Armen liegen. Alles auf sozialen
       Netzwerken festgehalten. Aber auch die Bodycams der Polizist*innen
       werden gezeigt, genauso wie die Vernehmungen auf der Polizeistation. Sogar
       der Foodtruck, an dem sich Madison und Kaylee nur wenige Stunden bevor sie
       ermordet wurden, noch einen Snack holten, streamte live auf Twitch.
       
       Die [3][Dokuserie] zieht sich über drei Folgen, zeigt die Angehörigen der
       Opfer, Freund*innen und Mitstudierende. Der Fokus ist dabei immer auf den
       Opfern. Doch das Dilemma wird immer deutlicher: Es ist schwer, eindeutige
       und genügend Beweise zu sichern. Der Täter Bryan Kohberger war Doktorand
       der Kriminologie an der Washington State University und hinterließ kaum
       Spuren.
       
       Der Plottwist: Um einer wahrscheinlichen Todesstrafe zu entgehen, ging der
       Täter einen Deal ein, plädierte auf schuldig und wurde zu vier
       aufeinanderfolgenden lebenslangen Freiheitsstrafen ohne Bewährung
       verurteilt. Das bedeutet aber auch, dass es kein Gerichtsverfahren und
       keine Antwort auf die Frage gibt: Warum?
       
       Bis heute ist das Motiv ungeklärt. Wenige Tage bevor die Netflix-Doku
       veröffentlicht wurde, dann die nächste Wendung: Kohberger zieht sein
       Mordgeständnis zurück und fordert ein neues Verfahren. Ich klappe meinen
       Laptop zu, mache alle Lichter in unserer Wohnung an und verschließe die
       Haustüre doppelt. Genug True Crime für heute.
       
       „The Idaho Murders – Ein College-Albtraum“, 3 Folgen auf Netflix
       
       10 Aug 2026
       
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