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1 Merz schafft eine ganze Woche ohne Fehler
Es gibt noch Zeichen und Wunder, Deutschland atmet auf: Zum ersten Mal seit
vielen Monaten, ach was, seit Jahren, hat der amtierende Bundeskanzler in
dieser Woche keinen einzigen Fehler gemacht. Friedrich Merz hat bis
Redaktionsschluss niemanden beleidigt, nichts versprochen, was er nicht
halten konnte, und niemanden entlassen, ohne einen Nachfolger parat zu
haben. Noch sensationeller: Er war den Rechten nicht zu links und den
Linken nicht zu rechts! Auch im Ausland hat er niemanden verprellt, niemand
musste sich für ihn genieren oder in fatalistischer Schwermut versinken,
weil seine Trampeltaten bisher vor allem der AfD nützen. Ach, könnte Merz
doch ewig Urlaub machen! Oder wenigstens bis zu den Landtagswahlen.
2 Der Wasserstand sinkt auf kaum noch messbares Niveau
Die Einzigen, die den Kanzler schmerzlich vermissen, wenn er mal nicht da
ist, sind die taz-TitelmacherInnen. Weil es in diesen staubtrockenen Zeiten
wirklich schwierig ist, eine ganze Woche ohne einen Merz-Scherz über den
unbeliebten Kanzler auszukommen, konstatierte die taz am Mittwoch zur Lage
der Seen und Flüsse: „Wasserpegel sinkt auf Merz-Niveau“. Viel trockener
geht’s kaum noch. Wenn doch, werden die deutschen Gewässer bald zu
Sommerlöchern.
3 Der Rhein ist keine Frau
Wer gedacht hatte, die CDU würde sich ohne Merz kurz von ihrem
anstrengenden Personalkarussell erholen, sah sich getäuscht. Kaum war der
Kanzler weg, wurde gemeldet: „Rhein im Gespräch“. Gemeint war jedoch nicht
der Fluss und sein historischer Tiefststand, sondern der hessische
Ministerpräsident Boris Rhein als neuer Kandidat. Nein, noch nicht für die
Merz-Nachfolge, aber für die Bundespräsidentenwahl im Januar. Bis auch in
der CDU auffiel, dass man sich doch längst vorgenommen hatte, diesmal
endlich erstmals eine Frau zu wählen. Einen Mann vorzuschlagen, bringt also
wohl Rhein gar nichts.
4 Der Trend ist kein Genosse
Noch erschreckender als die aktuellen Wasserstandsmeldungen sind die
Wahlumfragen: Im [1][ARD-Deutschlandtrend] legt weiter nur die AfD zu. Da
kann man schon verzagen – oder wie SPD-Chef Lars Klingbeil einen
AfD-Verbotsantrag „ernsthaft prüfen“. Ob das kurz vor den Landtagswahlen
eher selbstbewusst oder verzweifelt wirkt, liegt im Auge der
Wahlberechtigten und wird sich zeigen.
5 In der Trauer liegt ein Trost
Wer einmal ein Konzert des [2][irischen Sängers Glen Hansard] erlebt hat,
wird ihn nicht vergessen. So zart, so kraftvoll. In Irland wurde er geliebt
wie kaum ein anderer. Die Trauer, die der Unfalltod des 56-jährigen
Folkmusikers jetzt auslöste, war herzergreifend. Sie zeigte, wie der
bescheidene und sozial engagierte Barde Menschen zusammenbrachte. Tagelang
trafen sich viele auf Straßen und Plätzen, sie weinten, sie tanzten, sie
sangen „Falling Slowly“ und seine anderen Lieder. Sie bleiben. (lkw)
8 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lukas Wallraff
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