# taz.de -- Gegen den antifeministischen Backlash: Frauenpolitik statt Mucki-Bude!
       
       > Das Gerede der Grünen von „moderner Männlichkeit“ ist eine Luftnummer,
       > die von der politischen Aufgabe nur ablenkt, schreibt Udo Knapp in seinem
       > taz-FUTURZWEI-Kommentar.
       
 (IMG) Bild: Kann doch nicht so schwer sein: eine auch von Männern mitgetragene Grüne Frauenpolitik
       
       [1][taz FUTURZWEI] | „Starke Männer übernehmen Verantwortung“: 15 Grüne
       haben ein „Manifest für moderne Männlichkeit“ unterzeichnet, darunter die
       Bundestagsabgeordneten Julian Joswig, Robin Wagener, Franziska Brantner und
       Ricarda Lang. Der gesellschaftlich so erfolgreiche Feminismus, heißt es
       dort, habe in den letzten Jahrzehnten mit seiner berechtigten Kritik an der
       gewalttätigen, in allen Bereichen nach Dominanz strebenden Männlichkeit die
       Männer in ihrem Selbstwertgefühl schwer verunsichert. Er sei mit dafür
       verantwortlich, dass Misogynie und Machismo für junge Männer als
       Selbstschutz vor ihrem Statusverlust an Attraktivität gewonnen haben.
       
       Die AfD instrumentalisiere den gesellschaftlichen Machtverlust der Männer
       für ihre Politik, sie errichte dem Frauenhass neue Bühnen. Die Manosphere,
       ein überwiegend antifeministisches Netzwerk in sozialen Medien, findet als
       virtueller Herrschaftsraum verlorengehender Männermacht breiten Zulauf. Der
       AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah macht sich zu ihrem Fürsprecher.
       „Der Feminismus heute ist der Krebs unserer Gesellschaft“, postete er 2023
       auf X. „Echte Männer sind rechts und als echte Männer wollen wir echte
       Frauen haben. Feministinnen sind hässliche, grässliche Gestalten“, pflegt
       er in seinen Aschermittwochsreden zu sagen.
       
       ## Machtverlust für Männer, Zivilisationsgewinn für alle
       
       Das Grüne Manifest will gegen diesen Frauenhass eine „Moderne Männlichkeit“
       prägen, hat aber nur das in Grün getauchte und ansonsten altbekannte
       patriarchalische, von Muskelpaketen bestimmte Männerbild anzubieten. Autor
       Julian Joswig geht ins Fitnessstudio. Er sei als Jugendlicher pummelig und
       unglücklich gewesen, sein Muskelaufbau habe ihn selbstbewusst gemacht.
       Autor Anton Hofreiter geht regelmäßig an den Boxsack. Er warnt davor,
       männliche Kraft in einem „Beschämungsdiskurs“ als toxisch zu diffamieren.
       Felix Banaszak, männlicher Grüner Bundesvorsitzender, setzt im Playboy
       (sic!) dieser eher sozialpädagogisch daherkommenden Haltung der 15
       Abgeordneten die drastische Aufforderung an verunsicherte Männer entgegen:
       „Du kannst im Fitness Studio pumpen gehen. Von mir aus mit lackierten
       Fingernägeln. Du kannst Lastenfahrrad fahren oder BMW X3. Alles fein, der
       zentrale Punkt aber ist: Sei kein Arschloch“.
       
       Was könnte er damit meinen, „kein Arschloch“ zu sein? Vermutlich erst
       einmal, zu akzeptieren, dass die Realität und die Machtverteilung im
       Geschlechterverhältnis sich geändert hat. Ob sie nun wollen oder nicht:
       Männer müssen sich davon verabschieden, Frauen zu Hause, bei der Arbeit
       oder beim Sex anzusagen, wo`s langgeht. Das ist ein Machtverlust für die
       Männer, aber ein Zivilisationsgewinn für alle, hinter den es ein Zurück nur
       geben wird, wenn die Frauen sich das gefallen lassen.
       
       ## Umbruch im Geschlechterverhältnis
       
       Die Realitäten machen Hoffnung: Immer öfter verstellen Frauen im Alltag
       Männern den bisher selbstverständlichen Zugang zu den Schaltstellen des
       öffentlichen Lebens. Männer müssen und dürfen heute nicht nur Windeln
       wechseln, kochen, den Haushalt besorgen und zugunsten von Frauen auf für
       selbstverständlich gehaltene Karrieren verzichten. Sie müssen und dürfen
       auch noch hinnehmen, dass Frauen Schaltstellen im öffentlichen und privaten
       Leben für sich reklamieren, die sie selbstbewusst ausfüllen. Weil sie nicht
       mehr wegen festgezurrter Rollenbilder daran gehindert werden, erzielen
       Mädchen und Frauen heute schon von klein auf die besseren Schulergebnisse,
       entfalten später gezielt ihre intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten,
       dominieren die Spitzenergebnisse bei den Schulabschlüssen, sorgen für
       weibliche Mehrheiten der Studierenden ganzer Studienfächer, schließen ihre
       Universitätsexamen schneller und besser ab als Männer. Sie gewinnen auch in
       den traditionell von Männern bestimmten Mint- und Ingenieurfächern an
       Gewicht.
       
       Frauen rücken in Führungspositionen in allen privaten und
       gesellschaftlichen Institutionen auf. Dieser Umbruch im
       Geschlechterverhältnis, der Kampf der Frauen um ihre vollständige
       Gleichstellung in allen gesellschaftlichen und privaten Fragen, ist
       allerdings von ihnen noch längst nicht gewonnen. Im Gegenteil: Die
       emanzipatorischen Fortschritte sind der Grund für den Backlash, der ja von
       (bestimmten) Männern befeuert wird.
       
       ## Von Männern mitgetragene Grüne Frauenpolitik
       
       Doch statt wie im Joswig-Manifest sich in der Logik patriarchalischer Denke
       mit Muskelaufbau in der Mucki-Bude den angeblich benachteiligten Jungs
       anzubiedern, käme es darauf an, die Macht des Patriarchats politisch
       dauerhaft weiter zurück zu bauen. Eine machtvolle, selbstorganisierte
       Frauenbewegung, wie zu den besten Zeiten von Alice Schwarzers Emma, gibt es
       nicht mehr. Umso wichtiger wäre eine auch von Männern mitgetragene Grüne
       Frauenpolitik, die die Stellung der Frauen in der Gesellschaft in jeder
       Hinsicht gesetzlich weiter ausbauen würde. Vorschläge dafür gibt es genug:
       
       1. Die Weiterentwicklung der bayrischen Idee der Mütterrente. Jede Mutter
       sollte für jedes Kind, das sie zur Welt bringt, die verbindliche staatliche
       Zusage einer Mütterrente in Höhe von 500 Euro erhalten, unabhängig davon,
       wie viel sie im Laufe ihres Arbeitslebens in die Rentenversicherung
       einzahlen wird.
       
       2. Den Ausbau der Kinderbetreuung in Krippe, Kindergarten und Schulhort,
       mit Kitapflicht ab drei Jahren, kostenlos für die Eltern. Jedes Kind sollte
       die von ihm gebrauchte Förderung bekommen, die Mütter könnten dem
       Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
       
       3. Alle Leitungsstellen im öffentlichen Dienst und (mit Gesetzen
       ermöglicht) darüber hinaus, sollten nach dem 50 zu 50-Prinzip vergeben
       werden. Bis die 50 Prozent erreicht sind, erhielte immer die sich
       bewerbende Frau den Vorzug.
       
       4. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – ohne jede Einschränkung.
       
       Die Vorstellung ist wirklichkeitsfremd, dass Männer ihre abschmelzende
       Macht im Geschlechterverhältnis freiwillig aufgeben, dass sie mit einigem
       Zureden und Überzeugungsarbeit auf Misogynie und Machogehabe verzichten.
       Dagegen helfen nur in Gesetze gegossene rechtliche Ansprüche und Verfahren
       im Interesse der Frauen. Das Grüne Gerede von moderner Männlichkeit ist
       eine Luftnummer, die von dieser politischen Aufgabe nur ablenkt.
       
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       20 Jul 2026
       
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