# taz.de -- Stadtgespräch Simone Schlindwein aus Kampala: Spontan hat Ugandas Regierung einen „Cleaning Day“ ausgerufen. Nicht überlegt hatte sie, wie der gesammelte Müll abtransportiert werden soll
       
       Gedanklich waren die Menschen in Uganda schon im Wochenende, als ihre
       Regierung am vergangenen Freitag spontan einen „Cleaning Day“ ausrief:
       Gleich am Samstagmorgen, von 7 bis 10 Uhr, sollten alle 52 Millionen Bürger
       und Bürgerinnen ihre Grundstücke sowie Gehwege, Straßen und Abwassergräben
       vor ihren Häusern sauber machen – Kehrwoche sozusagen.
       
       Eigentlich eine gute Idee, da waren sich die meisten einig. Denn Ugandas
       [1][Straßen und Landschaften gelten als sehr verdreckt], vor allem die
       Hauptstadt Kampala. Die privaten Müllabfuhren sind teuer, nur wenige
       Haushalte können sich das leisten. Die Stadtverwaltung hatte im letzten
       Jahr zwar öffentliche Mülltonnen aufgestellt, doch die werden nur selten
       geleert. Rund herum türmen sich oft Abfallberge.
       
       Die Idee mit der Kehrwoche hat sich Ugandas Regierung vom Nachbarland
       Ruanda abgeguckt. „Umuganda“ nennen die Ruander*innen ihren monatlichen
       Reinigungstag, übersetzt aus der lokalen Sprache Kinyarwanda bedeutet dies
       so viel wie „für einen gemeinsamen Zweck zusammenkommen“. Präsident Paul
       Kagame hat dort bereits 2009 verfügt, dass jeden letzten Samstag des Monats
       die Straßen zu reinigen seien. Er selbst ging mit bestem Beispiel voran und
       schippte zu Beginn höchstpersönlich Müll aus einem Straßengraben.
       Mittlerweile gilt das kleine Land im Herzen des Kontinents als das
       sauberste Afrikas. Müll in die Landschaft zu werfen, wird dort hart
       bestraft. Auf ihre sauberen Landschaften sind die Ruander*innen enorm
       stolz.
       
       Auch im großen Nachbarland, der DR Kongo, haben die von Ruanda
       unterstützten [2][Tutsi-Rebellen der M23] (Bewegung des 23. März) in den
       eroberten Gebieten im Osten an den Grenzen zu Ruanda und Uganda eine
       Kehrwoche eingeführt. „Salongo“ nennen sie es. Zu Beginn zwangen die
       M23-Rebellen die Kongolesen mit vorgehaltener Waffe auf die Straßen. Um
       eine funktionierende Müllabfuhr einzurichten, muss jeder Haushalt im
       M23-Gebiet nun eine kleine Gebühr bezahlen. Seitdem blitzen die
       Straßengräben inmitten des Kriegsgebiets.
       
       Jetzt sollen die Ugander*innen also ebenso Hand anlegen. An jenem
       Freitag zirkulierten überall in den sozialen Medien die Aufrufe zum
       Cleaning Day. Die Polizei veröffentlichte eine mehrseitige Erklärung:
       Sämtlicher Verkehr auf den Straßen landesweit wurde für den
       Samstagvormittag verboten. Die Menschen sollten zu Hause bleiben und sauber
       machen. Anderenfalls drohten Strafen.
       
       Dies sorgte für Verwirrung. „Wie sollen wir den Markt sauber machen, wenn
       man von zu Hause nicht dort hinfahren darf?“, wunderten sich die
       Marktfrauen im geschäftigen Stadtviertel Kabalagala. „Sollen wir etwa unter
       unseren Marktständen übernachten?“, fragte eine von ihnen ironisch.
       
       Doch tatsächlich herrschte in der sonst so lauten Hauptstadt am
       Samstagvormittag Grabesruhe. Nur die Kehrbesen waren zu hören. An
       Straßenkreuzungen hatte die Polizei Straßensperren errichtet, Nagelbretter
       ausgerollt. Es gab Geldstrafen. Die Menschen hatten keine Wahl.
       
       Als dann die Straßen, Gehwege [3][und Abwasserkanäle] halbwegs sauber
       waren, guckten die Ugander*innen verdutzt: Wohin nun mit all dem
       eingesammelten Müll? Viele zündeten die Müllberge einfach an. Gegen Mittag
       hing eine Rauchwolke über den Dächern Kampalas. Es stank nach geschmolzenem
       Plastik.
       
       In vielen Städten Ugandas kam letztlich irgendwann die städtische
       Müllabfuhr. In Kampala aber waren die Müllberge so zahlreich und so hoch,
       dass die Abholung Tage dauerte. Von der Innenstadt bis zur städtischen
       Müllhalde sind es fast 30 Kilometer. Auf der Strecke stauten sich die
       Müllautos. In einigen Stadtvierteln wie in Makindye liegt der Müll bis
       heute am Straßenrand. Jede Nacht machen sich ganze Rudel von Straßenhunden
       darüber her, zerbeißen die Müllsäcke und verteilen den Unrat überall. Jetzt
       sieht es dort vielerorts schlimmer aus als zuvor.
       
       1 Aug 2026
       
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