# taz.de -- das medienhaus an der friedrichstraße: Was tun? Die Debatte über Danger Dan und Antifa-Praxis
       
       Vor wenigen Tagen hat der Musiker Danger Dan eine Ballade zur Lage der
       Nation veröffentlicht. Der Titel: [1][„Keine Angst“]. Sie erzählt von den
       vielen Möglichkeiten, sich als antifaschistisch gesinnter Mensch gegen
       Faschisten, Rechtsextreme und deren beider Erstarken in Deutschland zur
       Wehr zusetzen. Der Hinweis auf Militanz als eines der Mittel der Wahl fällt
       in dem Song dabei nicht allzu subtil aus. „Ich freue mich sehr, diesen
       Debattenbeitrag zur Lage der Nation nun auf die Welt loslassen zu können“,
       schrieb Danger Dan zur Veröffentlichung. Und die Nation diskutiert.
       
       Ein Fernsehsender allerdings hatte für die kritische Diskussion zu „Keine
       Angst“ wohl nicht den nötigen Mut. Die ZDF-Senderleitung verfügte, Danger
       Dan und der Pianist Igor Levit dürften den Song in der Satiresendung „Die
       Anstalt“ nicht interpretieren. Womit das ZDF Danger Dan und Igor Levit ganz
       nebenbei den Hit mindestens des Sommers beschert hat. Und der Gesellschaft
       die dringend notwendige Auseinandersetzung mit der Frage, was
       Antifaschismus praktisch heißen darf – und vor allem kann.
       
       Diese Debatte wird auch in der taz intensiv geführt. In den ersten drei
       Tagen erschienen alleine vier Kommentare dazu, von [2][Gaby Coldewey],
       [3][Leon Holly], [4][Daniel Bax] und [5][Andreas Fanizadeh]. Fortsetzung
       folgt. Denn die Frage „Was tun?“ beschäftigt Kolleg*innen. Es gibt ein
       großes Bedürfnis, sich selbst dazu zu positionieren. Das gilt genauso für
       unsere Community auf taz.de und in den [6][Social-Media-Kanälen], die
       intensiv mit uns diskutiert. Und Sie, und Ihr?
       
       Im Zentrum der Debatte steht das Besingen umstrittener bis strafbewährter
       Auslegungen von Antifaschismus. „Ist Danger Dan“ – der ja vor 5 Jahren
       schon mit ‚Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt‘ einen
       antifaschistischen Nerv getroffen hatte – „jetzt (nicht) zu weit
       gegangen?“, fragen (sich) viele in der und um die taz. Den Gruß an
       inhaftierte militante Antifaschist*innen am Ende des Songs könne man
       als Gewaltaufruf lesen und er schade dem Anliegen, urteilen andere
       direkter. Aber ist dem so? Wenn Danger Dan nur ein fröhliches Liedchen über
       klandestines Sprühen gegen Faschisten hätte trällern wollen, (auch das
       taucht im Songtext auf), hätte er es auch einfach sein lassen können. Erst
       die Zuspitzung im Liedtext auf das Outen von Nazis und den Gruß an die
       Inhaftierten „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ (Lina E., Johann G., Maja T. und
       Thomas J.) gibt dem Lied den – einem Danger Dan würdigen – nötigen
       Provokationsgehalt.
       
       In dieser ganzen Debatte fehlt jedoch etwas ganz Wesentliches: Es ist ein
       Blick auf die Verzweiflung, die aus diesem Lied spricht. Was treibt Danger
       Dan dazu, solch eine Ballade zu schreiben, und was Igor Levit, sie am
       Klavier zu begleiten? Wo stehen wir als Gesellschaft, wenn diese beiden
       Musiker Militanz ins Spektrum der bürgerlichen Debatte tragen?
       
       So trifft „Keine Angst“ ein Gefühl der Ohnmacht bei vielen
       Antifaschist*innen, ob sie Militanz ablehnen oder nicht. Gerade bei
       Jüngeren. Sie fühlen sich oft hilflos ob des Erfolges von Faschisten und
       Rechtsextremen in deutschen Parlamenten. Sie ängstigt die totschlagbereite
       Entschlossenheit von Jungfaschisten auf der Straße, wie zuletzt in
       [7][Göttingen] oder [8][Berlin]. Oder sie erleben seit Jahren in Orten wie
       Cottbus, Demmin oder Wurzen rassistische, anti-semitische, queerfeindliche
       oder gegen politische Gegner*innen gerichtete Gewalt. Das ist die
       eigentliche innewohnende Tragik des Liedes.
       
       „Die Welt dreht sich gerade schneller denn je und ich habe das Gefühl, es
       ist nicht die richtige Zeit, sich entspannt zurückzulehnen – ganz im
       Gegenteil“, schreibt Danger Dan zur Frage, warum er jetzt dieses neue Album
       aufgenommen hat.
       
       Wir in der taz haben ja immerhin das Privileg, uns journalistisch
       einmischen zu können. Aber was ist mit Euch, mit Ihnen? Haben Sie, habt Ihr
       das Lied schon gehört, den dazugehörigen Liedtext schon gelesen? Steckt
       darin eine Kraft, sich über das eigene antifaschistische Tun Gedanken zu
       machen? Was tun? Wir würden uns freuen, wenn auch Sie und Ihr diese Debatte
       mit uns führen würdet. Mailen Sie uns: briefe@taz.de
       
       Barbara Junge, 
       
       Chefredakteurin
       
       25 Jul 2026
       
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