# taz.de -- Le Monde diplomatique zum neuen Atlas: Der Weg zum Titel
> Der neue „Atlas der Globalisierung“ ist fertig – und hier erzählen wir,
> wie er zur Welt kam. Als taz-Unterstützer*innen können Sie den Atlas noch
> bis Ende Juli günstiger erwerben.
(IMG) Bild: Welt als Beute? Ausschnitte aus dem Cover
[1][Aus der taz] | Sie kennen das ja, irgendwann, wenn etwas wächst und
gedeiht, muss man sich, bevor das Kind zur Welt kommt, überlegen, wie es
heißen soll.
Als wir vor gut anderthalb Jahren mit der Arbeit an einem neuen Atlas der
Globalisierung begannen, war das noch kein Thema. Da legten wir erst mal
nur fest, dass es diesmal mehr Grafikseiten geben soll.
Dann begannen wir Texte zu sammeln, die zu den Großthemen unserer Zeit
etwas zu sagen haben, also zu Klima, Krieg, Migration, zu Wirtschaft oder
zur Krise der Demokratie. Krise war übrigens tabu für einen Titel, denn
Krise ist eigentlich immer. Mit dem Titel eilte es da aber auch noch nicht.
## Kritik aushalten
Auf der Hälfte der Strecke wurde es dann ernst. Die Marketingabteilung
wollte mit der Werbung loslegen und brauchte Futter. Für einen ersten
Aufschlag machte ich mir eine Liste und schmiss auch mal die KI an. Die
spuckte dann solche Sachen aus wie: Welt am Abgrund, Welt im Chaos, Welt in
Unordnung, Welt unter Spannung, Eine neue Welt.
Das war nicht wirklich falsch, aber auch nicht gerade prickelnd. Die
Ablehnung im Kolleg:innenkreis war einhellig: Das klang entweder zu
alarmistisch oder viel zu allgemein.
In der nächsten Runde lag „Entsicherte Welt“ auf dem Tisch. Das traf zwar
ganz gut die Lage angesichts einer Vielzahl von Kriegen, fand allerdings
keine Mehrheit, da die binäre Logik des gesichert/entsichert den Blick doch
stark aufs Waffentechnische lenkt und der Komplexität der Lage nicht ganz
gerecht zu werden drohte.
Als ich eines Morgens mit „Verrückte Welt“ in die Redaktion kam, war ich
frohen Mutes, denn bei Tests an mehreren Personen hatte er gut
funktioniert. Die Begeisterung meiner Kolleg:innen allerdings hielt sich
gelinde gesagt in Grenzen.
Auch die Sammlung weiterer positiver Stimmen konnte sie nicht überzeugen.
Er war ihnen schlicht zu harmlos. Enttäuscht war ich schon, aber beleidigt
sein war keine Option.
## Das entscheidende Küchengespräch
Wie ich überhaupt sagen muss, dass man sich eine bessere Diskussionskultur
als in der Redaktion von Le Monde diplomatique Berlin kaum wünschen kann.
In den Sitzungen zu den Überschriften der einzelnen Texte wurden sowohl
Vorschläge als auch Einwände gemacht, ohne dass jemand, wenn sie abgelehnt
wurden, gleich einen Angriff auf seine berufliche Kompetenz sehen musste.
Auch sah sich niemand gezwungen, die „Leichenkarte“ zu ziehen, wie ein Veto
(Nur über meine Leiche) hier genannt wird.
Dieses an der Sache orientierte Arbeitsklima machte es am Ende auch ganz
einfach – als nämlich nach einem „Küchengespräch“ am Ende unseres Flures
ein neuer Vorschlag auftauchte: „Welt als Beute“. Das klang gut.
So gut, dass es am folgenden Tag eigentlich schon entschieden war. Dieser
Titel hat etwas Sinnliches und trifft zugleich auf so viele Weisen unseren
Umgang mit der Welt: [2][Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine] wie Trumps
[3][Ansprüche auf Grönland], die exzessive Plünderung unserer Ressourcen
wie die touristische Eroberung der Erde.
Wie ein Magnet verbindet er die antifeministische Offensive mit der
obszönen Anhäufung von Reichtum. Und weil das alles in den Texten und
Grafiken vorkommt, passt dieser Titel auf, wie wir finden, wunderbare
Weise.
🐾 Der neue Atlas der Globalisierung „Welt als Beute“ erscheint am 1.
September 2026. Noch bis zum 31. Juli 2026 können taz-Unterstützer:innen
den Atlas zum Vorzugspreis von 20 Euro (statt 26 Euro) vorbestellen:
[4][monde-diplomatique.de/atlas]
23 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /info
(DIR) [2] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
(DIR) [3] /Groenland-in-Zeiten-von-Trump/!6147029
(DIR) [4] http://monde-diplomatique.de/atlas
## AUTOREN
(DIR) Stefan Mahlke
## ARTIKEL ZUM THEMA