# taz.de -- Workshop der taz panterstiftung: Partnerschaften in einer neuen Weltordnung
       
       > Elf Journalist:innen aus Indien diskutieren mit Expert:innen über
       > die Zukunft der EU-indischen Beziehungen. Warum unabhängiger Journalismus
       > in geopolitisch bewegten Zeiten unverzichtbar ist.
       
 (IMG) Bild: Neben den Input-Sessions Im Workshopraum unternahmen die Journalist:innen auch Exkursionen.
       
       [1][taz panterstiftung] | Es ist das erste Mal, dass wir Zugang zu
       Vertreter:innen internationaler Institutionen hatten“, sagte eine
       Teilnehmerin in der Feedbackrunde des dreitägigen Workshops der taz
       panterstiftung Ende Juni. „Einblicke in die Welt der Geopolitik über
       europäische Diplomaten blieben mir bisher verwehrt“, stellt sie fest.
       
       Beim Auftakttreffen des Workshops „In Dialogue: India and Germany in a
       Complex Geopolitical Landscape“ kamen elf Journalist:innen aus ganz
       Indien in Delhi zusammen – unter anderem aus Punjab, Uttar Pradesh, Jammu
       und Kashmir sowie Karnataka. Drei Tage lang diskutierten sie mit
       Expert:innen aus Politik und Wirtschaft über eine zentrale Frage: Warum
       gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland gerade jetzt an
       Bedeutung – und wie lassen sich politische und historische Differenzen
       überwinden?
       
       Der Zeitpunkt hätte kaum passender sein können. Erst im Januar 2026
       unterzeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und
       Premierminister Narendra Modi das Freihandelsabkommen zwischen Indien und
       der EU – nach zwanzig Jahren zäher Verhandlungen. Warum ausgerechnet jetzt?
       Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Workshoptags.
       
       Constantino Xavier, Senior Fellow am Centre for Social and Economic
       Progress in Delhi, brachte die geopolitische Verschiebung auf den Punkt:
       „Ohne Donald Trump wäre dieses Abkommen nicht zustande gekommen, und wir
       säßen hier vermutlich nicht an einem Tisch.“ Die internationale Ordnung
       habe sich so grundlegend verändert, dass sich für Deutschland und die EU
       die Frage stelle: Ist Indien nicht der verlässlichere Partner als die USA?
       
       Neben den Herausforderungen in den transatlantischen Beziehungen sucht die
       EU zugleich nach Wegen, ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu
       verringern. „Make in India“ könnte dazu beitragen, Lieferketten
       widerstandsfähiger zu machen. Indien sei für die EU vielleicht kein schnell
       wachsender Markt, aber möglicherweise ein stabiler, erklärte Sonia Prashar
       vom Verband der europäischen Unternehmen in Indien (FEBI).
       
       Auf diplomatischer Ebene eröffnen sich neue Chancen, aber die Spielräume
       für unabhängigen Journalismus geraten in Indien zunehmend unter Druck. Auf
       der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Indien auf
       Platz 157 von 180. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt sich in den
       Regionen, in denen die Journalist:innen arbeiten. Eine Teilnehmerin
       stammt aus Kashmir – jener Region, die vom Konflikt mit Pakistan geprägt
       und für ausländische Medien bis heute kaum zugänglich ist. Der Presseklub
       der Region wurde geschlossen, die Zahl der Internet- und
       Kommunikationssperren hat sich dort in den vergangenen fünf Jahren
       verdreifacht. Eine weitere Journalistin schreibt regelmäßig für das
       unabhängige Magazin The Caravan über strukturelle Ungleichheit. Sie kommt
       aus Mizoram im Nordosten Indiens – einer Region, in der Spannungen mit
       Bangladesch und Myanmar den Alltag prägen.
       
       Im Präsenzworkshop wird deutlich, wie wichtig konstruktive Beziehungen zu
       den Nachbarstaaten für Indien und Europa sind. Bangladesch etwa ist mit
       rund 177 Millionen Einwohner das achtbevölkerungsreichste Land der Welt;
       der Altersmedian lag 2020 bei 25,9 Jahren.
       
       Weder die EU noch Indien sind stark genug, um die internationale Ordnung
       allein mitzugestalten. Um global mehr Gewicht zu gewinnen, braucht es
       Kooperationen mit weiteren Ländern Asiens und des Globalen Südens. Der
       Tenor des Workshops war: Europa muss seine Partner als Mitgestalter
       begreifen – nicht als Empfänger von Hilfe. Gefragt sind langfristige,
       gleichberechtigte Partnerschaften statt klassischer
       Entwicklungszusammenarbeit. So lassen sich historische Differenzen
       produktiv überwinden.
       
       Viele Journalist:innen in Indien haben nur begrenzten Zugang zu
       internationaler Berichterstattung. Große Medienhäuser berichten oft
       regierungsnah und verfügen kaum über Korrespondent:innen in Europa.
       Hier setzt die Arbeit der taz panterstiftung an: Wir schaffen Räume für
       Austausch und gemeinsame Analysen der Chancen und Herausforderungen
       internationaler Beziehungen. Ab Juli laufen der Workshop und der Austausch
       online.
       
       Moritz Martin ist Teil des Stiftungsteams und leitet den Workshop „In
       Dialogue: Germany and India in a Complex Geopolitical Landscape“
       
       16 Jul 2026
       
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