# taz.de -- Arbeit eines Archivs: Geschichten aus dem Zeitungskeller
       
       > Neues aus dem taz-Archiv: Über Zufallsfunde, alte Schlagzeilen und was
       > sich sonst noch im Gedächtnis zu behalten lohnt.
       
 (IMG) Bild: Jahrzehnte taz-Zeitungen in grünen Folianten lagern, wo andere ihre Fahrräder morgens abstellen
       
       [1][Aus der taz] | Modriger Kellergeruch. Über dem klapprigen Schreibtisch
       flackert eine alte Leuchtstoffröhre, die erfolglos versucht, all dem
       vergilbten Zeitungspapier neues Leben einzuhauchen. Keine Geräusche,
       Stille, den lieben langen Tag verirrt sich kein Mensch hierher.
       
       Wer sich die Arbeit im taz-Archiv in etwa so vorgestellt hat, den müssen
       wir leider enttäuschen.
       
       Klar, einen Keller mit archivierten Papierzeitungen gibt es schon noch. Die
       belegen auch den einen oder anderen Regalmeter. Aber der Raum selbst riecht
       vollkommen neutral. Wirklich!
       
       Zu den Bergen gestapelter wochentaz-Ausgaben gesellen sich Dutzende
       Folianten. Diese großen, grünen Einbände, in denen ganze Zeitungsjahrgänge
       der Tagesausgabe unserer Zeitung im Original versammelt sind.
       
       ## Zwischen Park und Großraumbüro-Charme
       
       Mein Arbeitsplatz aber befindet sich fünf Stockwerke über diesem Keller. In
       einem tageslichtdurchfluteten Großraumbüro mit Blick auf eine Wand voller
       Leitz-Aktenordner. Darin: Personendossiers, alphabetisch sortiert von A wie
       Marina Abramović bis Z wie Mark Zuckerberg.
       
       Werfe ich einen Blick zur Seite, schaue ich zunächst in den Besselpark.
       Nach weiteren 90 Grad kommen der Berliner Fernsehturm und das
       Axel-Springer-Hochhaus zum Vorschein. Seit Mai leite ich das Archiv der
       taz.
       
       Zugegeben, ganz so aufregend wie im „Tatort“ geht es im taz-Archiv nicht
       zu. Anders als bei Hamza Kulina und Maryam Azadi, die im Archiv des
       Polizeipräsidiums von Frankfurt am Main alte Polizeifälle auf ungeklärte
       Morde und verborgene Verbindungen untersuchen, geht es hier nicht etwa um
       Leben und Tod, sondern um Informationen. Längst vergessen geglaubte
       Nachrichten, vermeintlich nicht mehr auffindbares Wissen – all das lässt
       sich in den Untiefen des hauseigenen Archivs aufspüren.
       
       Zum allergrößten Teil bequem am Computer. Weil sich einst die
       verdienstvolle Mühe gemacht wurde, den gedruckten Zeitungsbestand zu
       digitalisieren.
       
       ## Was Archivarbeit heute bedeutet
       
       So lassen sich die Ausgaben von 1978 bis 1999 bequem durchsuchen. So
       komfortabel zumindest, wie sich eine Stichwortsuche in gescannten PDF-Files
       eben durchführen lässt. Für alle nach dem Millennium veröffentlichten
       Inhalte gibt’s die Suchfunktion [2][auf der Homepage] beziehungsweise des
       [3][ePapers].
       
       Doch wer wendet sich heute überhaupt noch mit Anfragen ans Archiv? Häufig
       sind es Leser:innen, die nach einem bestimmten Artikel fragen, den sie in
       den vergangenen fünf Jahrzehnten irgendwann mal in der taz gelesen haben.
       
       Einen Text, an den sie zwar eine grobe Erinnerung haben, aber nicht mit
       Sicherheit sagen können, zu welcher Jahreszeit, geschweige denn unter
       welchem Titel er erschienen ist.
       
       Neulich hat uns eine Anfrage aus dem Ruhrpott erreicht, in der es um die
       Besetzung der Villa Berkel in Altenessen im Mai 1981 ging, die taz
       berichtete darüber. Aus dieser Besetzung war kurzerhand das Kinderhaus
       Essen hervorgegangen, das im kommenden Jahr sein 50. Bestehen feiert.
       
       Der Leser bereitet zu diesem Anlass ein Buch über die Geschichte dieses
       Kinderhauses vor – die nun auch eine Abbildung der damaligen
       taz-Berichterstattung beinhalten wird.
       
       Immer wieder wenden sich auch Studierende oder andere Forschende ans
       Archiv. Bei der Bearbeitung ihrer Anfragen stoße ich nicht selten auf
       interessante Zufallsfunde. Etwa auf die Titelseite vom 23. November 2005,
       Schlagzeile: „Deutschland auf Weltniveau“.
       
       Dass neben dem Schriftzug „die tageszeitung“ eine Montage des Fernsehturms
       prangt – die ikonische silberne Kugel ersetzt durch einen Fußball – führt
       allerdings auf eine falsche Fährte. Aufmacher an diesem Mittwoch vor 21
       Jahren war nichts Geringeres als der Amtsantritt der Bundeskanzlerin einen
       Tag zuvor. Die Unterzeile lautete: „Mit der Wahl von Angela Merkel sind
       zehn Frauen weltweit als Regierungschefinnen an der Macht.“
       
       Wenn Sie interessiert, wie die taz-Titelseite an ihrem Geburts- oder
       Namenstag ausgesehen haben mag oder Sie sonstige Anfragen zur
       Berichterstattung der vergangenen 48 Jahre haben: Wenden Sie sich jederzeit
       vertrauensvoll per Mail an [4][archiv@taz.de].
       
       Meine Kollegin Eva und ich melden uns zurück! Weitere Geschichten aus dem
       Archiv werde ich künftig in (un)regelmäßigen Abständen in der Rubrik „taz
       lage“ in der täglichen taz präsentieren.
       
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       20 Jul 2026
       
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