# taz.de -- ’Ndrangheta-Boss festgenommen: Allein ohne die Mafia
> Vielfacher Mord, Drogenhandel und organisiertes Verbrechen: Domenico
> Paviglianiti, genannt Don Mico, ist in Spanien festgenommen worden.
(IMG) Bild: Domenico Paviglianiti wurde am 26. Juni 2026 in der spanischen Stadt Soria festgenommen
Am Sonntag gelang den Fahndern der italienischen Guardia di Finanza, der
Finanzpolizei, ein großer Schlag. Im spanischen Städtchen Soria, gute 200
Kilometer nördlich von Madrid gelegen, nahmen sie Domenico Paviglianiti
fest, einen wichtigen Boss der kalabrischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta,
der vor vier Jahren abgetaucht war.
Für den Boss war es ein Déjà-vu. Immer wieder war er in den letzten 30
Jahren in den Knast eingefahren. Und jedes Mal, wenn er in den vergangenen
Jahrzehnten festgenommen wurde, blickte Domenico Paviglianiti mit dem
gleichen Gesichtsausdruck in die Kamera: melancholisch, ja traurig. Grund
dazu hatte er allemal, denn immer gab es die Haftbefehle, weil Don Mico –
so sein Spitzname bei der ’Ndrangheta – wegen noch zu verbüßender
jahrelanger Reststrafen zur Fahndung ausgeschrieben war. Diesmal soll er
für weitere 11 Jahre ins Gefängnis.
Begonnen hatte der heute 65-Jährige seine kriminelle Karriere schon früh.
In den 80er und 90er Jahren stand er, Anführer eines Clans aus dem
2.000-Einwohner-Nest San Lorenzo, an vorderster Front in dem Mafiakrieg,
der damals die Provinz Reggio Calabria erschütterte und der insgesamt rund
700 Tote forderte. Unter anderem erschoss Paviglianiti im Jahr 1989 einen
der Chefs der rivalisierenden ’Ndrangheta-Familien, als der gerade aus dem
Gefängnis entlassen worden war.
Paviglianiti hatte sich auf die Seite der am Ende siegreichen Clans
geschlagen; für ihn stand damit das Tor zum großen Geschäft vor allem im
Drogenhandel offen, mit regen Geschäftsbeziehungen nach Norditalien ebenso
wie nach Südamerika.
Dumm nur, dass ihm schon bald die Justiz auf den Fersen war. Schon 1996
muss Paviglianiti sich nach Spanien absetzen – es sollte auch später das
Land seiner Wahl bleiben, wenn er der italienischen Justiz entkommen
wollte. Dort jedoch wurde er kurz nach seiner Ankunft festgenommen und im
Jahr 1999 nach Italien ausgeliefert.
## Ein verräterischer Familienausflug
Schon damals hatte er ein stattliches Register an Verurteilungen angehäuft,
wegen Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung, wegen mehrfachen Mordes
ebenso wie wegen internationalen Drogenhandels. 30 Jahre insgesamt zu
verbüßende Haft errechneten damals die italienischen Gerichte, doch im Jahr
2019 kommt er wieder frei.
Später hieß es, die Justiz habe sich bei der Berechnung der
Gesamtfreiheitsstrafe verkalkuliert, zugunsten von Don Mico. Da aber hatte
sich der Boss schon wieder nach Spanien abgesetzt, ehe das Gericht in
Bologna feststellte, dass er noch 11 Jahre und 8 Monate Haft zu verbüßen
habe. Im Jahr 2021 wird der Boss erneut in Spanien aufgegriffen, kann sich
ein Jahr später aber erneut absetzen.
Seitdem war er vom Radar der Fahnder verschwunden. Doch die Spezialeinheit
Scico der italienischen Finanzpolizei blieb ihm auf den Fersen, und wie so
vielen Bossen vor ihm wurde Paviglianiti am Ende zum Verhängnis, dass er
auf die Pflege seiner Beziehungen auch im Untergrund nicht verzichten
mochte. Es heißt jetzt, den Fahndern sei eine rege Reisetätigkeit von
Familienmitgliedern Richtung Spanien aufgefallen.
Nicht spezifiziert wird, ob es sich dabei um seine ganz private oder seine
'Ndrangheta-Familie handelt, wobei sich gerade bei der kalabrischen Mafia
beide sehr stark überlagern. Am Sonntag dann gelang im spanischen Soria der
Zugriff, vor den Türen eines Restaurants, in dem Don Mico gespeist hatte.
29 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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