# taz.de -- Origineller Ansatz in Frankreich: „Hast du deinen Drogentest bereits gemacht?“
       
       > Französische Regierungsmitglieder sowie Behördenvertreter sollen sich
       > künftig testen lassen müssen. Zuvor gab es Medienberichte über
       > Staatsdiener im Rausch.
       
 (IMG) Bild: Greift gegen Drogen durch – und in die Privatsphäre ein: Frankreichs Sebastien Lecornu
       
       Vor der langen Sommerpause ist es bereits das Konversationsthema Nummer
       eins – bis hin in die höchsten französischen Regierungskreise: „Hast du
       deinen Drogentest bereits gemacht?“
       
       In den scherzenden Tonfall mischt sich hier und da etwas Unbehagen oder gar
       Verärgerung über die spontane Idee des Premierministers Sébastien Lecornu.
       Der hatte überraschend angekündigt, dass die Regierungsmitglieder, ihre
       BeraterInnen und AssistentInnen sowie eine ganze Reihe von Spitzenbeamten
       sowie BotschafterInnen, Polizeipräfekten und regionalen
       Erziehungsdirektoren sich künftig Speicheltests unterziehen müssen. Sie
       sollen Drogenkonsum entdecken. Die Tests sollen obligatorisch sein und ohne
       Vorankündigung erfolgen.
       
       Da die Betroffenen unter anderem Zugang zu „wichtigen“ Informationen
       hätten, sei diese Überprüfung sicherheitsrelevant. Außerdem erfolge diese
       Maßnahme im Rahmen des verschärften staatlichen [1][Kampfs gegen die
       Drogenkriminalität.] Die weiße Weste der dabei involvierten höchsten
       Staatsvertreter sei eine Frage der Glaubwürdigkeit.
       
       ## Kritik an Lecornu und viele offene Fragen
       
       Lecornu reagiere damit keineswegs auf jüngste „Ereignisse“, erklärt dessen
       Pressestelle. Das wirkt wie ein präventives Dementi. Denn in den Medien
       wurden jüngst mehrere Vorfälle des Drogengebrauchs in hohen staatlichen
       Kreisen bekannt: Le Monde berichtete, dass Lecornu Mitte Februar seinen
       landwirtschaftspolitischen Berater entlassen musste, weil dieser bei einem
       festlichen Anlass angeblich nach Drogenkonsum zusammengebrochen war. Wenige
       Tage danach musste ein Finanzdirektor der Hauptstadtregion wegen einer
       Drogenaffäre zurücktreten.
       
       Wie viele sind bisher einfach nicht aufgefallen? Dass Lecornu jetzt so
       umfassend und bis in die höchsten Reihen der Staatsführung Kontrollen
       durchführen will, legt den Schluss nahe: Die öffentlich gewordenen Fälle
       sind wohl keine isolierten Ausnahmen. Natürlich wurde in Frankreich seit
       Jahren schon über hochrangige Spitzenpolitiker getuschelt, die sich
       angeblich mit Kokain oder Amphetamin [2][und neuen synthetischen Drogen]
       aufputschten. Die gar bei privaten Festen damit auffielen. Darüber zu
       berichten war jedoch für die Medien bislang ein Tabu. Mit den Tests dürfte
       sich das ändern.
       
       Dennoch gibt es bereits Kritik an Lecornus Idee: Sind die Tests überhaupt
       legal, wenn sie nicht freiwillig sind? Und wie und von wem sollen sie
       organisiert werden? Und wie aussagekräftig sind die Kontrollen, wenn die
       Speicheltests lediglich bei kurz zuvor erfolgtem Konsum anschlagen? Ist der
       ganze Wirbel also vielleicht nur eine „Alibiübung“ einer Regierung, die im
       Kampf gegen die Drogenkriminalität wenig spektakuläre Resultate vorweisen
       kann?
       
       Allerdings könnte die Aussicht, sich solchen Tests unterziehen zu müssen,
       für die Zukunft eine gewisse abschreckende Wirkung erzielen. Und einige
       französische Staatsdiener zu einer gesünderen und „beispielhaften“
       Lebenshaltung bewegen – [3][ganz nach Lecornus Wunsch.]
       
       21 Jun 2026
       
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