# taz.de -- EU lockert Regeln: Schonfrist für krebserregende Kosmetika
       
       > Cremes oder Lippenstifte mit gefährlichen Chemikalien dürfen künftig
       > länger auf dem Markt bleiben, entschied die EU. Es hätte noch schlimmer
       > kommen können.
       
 (IMG) Bild: Lippenstifte können Schadtstoffe enthalten
       
       afp | Die EU lockert ihre Regeln für Schadstoffe in Lippenstift,
       Sonnencreme und Co. Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27
       EU-Länder einigten sich in der Nacht zum Mittwoch darauf, dass
       [1][Kosmetika mit gefährlichen Chemikalien] länger auf dem Markt bleiben
       dürfen. Die EU gibt den Herstellern damit mehr Zeit, sich an neue Verbote
       anzupassen.
       
       Bei den Änderungen geht es um Stoffe, die in größeren Mengen krebserregend,
       erbgutverändernd oder fortpflanzungsschädigend wirken können. Die EU führt
       eine [2][Liste dieser Chemikalien]. Wenn der Liste ein Stoff hinzugefügt
       wird, darf dieser in der Folge nicht mehr in Kosmetika verwendet werden.
       
       Hersteller können eine Ausnahme beantragen, wenn keine Alternativen
       verfügbar sind und sie nachweisen können, dass die verwendete Menge in
       ihren Produkten nicht schädlich wirkt. Zwischen einer Listung der
       Chemikalie und der Entscheidung über den Ausnahmeantrag dürfen aktuell
       höchstens eineinhalb Jahre vergehen, bei einer Ablehnung muss das Produkt
       danach vom Markt.
       
       Diese Frist wird nun verlängert. Wenn ein Produkt im Test für Kosmetika für
       schädlich befunden wurde, darf der Hersteller es für drei zusätzliche
       Monate neu auf den Markt bringen und neun Monate lang bereits hergestellte
       Waren weiterverkaufen. Gilt ein Produkt als sicher und bleibt nur aufgrund
       erhältlicher Alternativen verboten, verlängern sich die Fristen um zwei
       beziehungsweise drei Jahre.
       
       ## „Das Schlimmste verhindert“
       
       Die Änderungen könnten zu „vermeidbaren Gesundheitsrisiken“ führen,
       kritisierte der Vorsitzende der europäischen Verbraucherorganisation Beuc,
       Agustín Reyna. Die Gesetzgeber hätten in den Verhandlungen aber „das
       Schlimmste verhindert“.
       
       Sie schoben weitergehenden Lockerungen einen Riegel vor: Ursprünglich hatte
       die EU-Kommission vorgeschlagen, dass Stoffe, die nur beim Einatmen oder
       Verschlucken schädlich wirken, gar nicht erst verboten werden sollen. Dies
       lehnten sowohl eine Mehrheit im Europaparlament als auch im Rat der
       EU-Länder ab.
       
       Kosmetikhersteller hatten sich für die Lockerungen eingesetzt und Vorwürfe
       zurückgewiesen, sie wollten Schadstoffe länger nutzen. Die Reform „macht es
       weniger wahrscheinlich, dass sichere Inhaltsstoffe verboten werden, und
       stellt zu hundert Prozent sicher, dass Inhaltsstoffe verboten werden, die
       verboten werden müssen“, erklärte der Branchenverband Cosmetics Europe
       schon im April.
       
       Das Europaparlament und der Rat der Mitgliedstaaten müssen die Einigung aus
       der Nacht noch offiziell verabschieden.
       
       17 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Verbotener-Weichmacher-DNHP/!5989465
 (DIR) [2] https://www.subsportplus.eu/DE/Stoffe/einzelne-Stofflisten/5_REACH_Authorisation
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Chemikalien
 (DIR) Kosmetik
 (DIR) Verbraucher
 (DIR) Chemikalien
 (DIR) Chemikalien
 (DIR) Chemie
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schadstoffe im Abwasser: Wie viele Pillen verträgt ein Fluss?
       
       Chemikalien aus Industrie und Pharmazie verschmutzen die Wasserreserven –
       die ohnehin belastet sind. Die EU arbeitet an einer neuen Richtlinie.
       
 (DIR) Gefährliche Stoffe in Alltagsprodukten: Frankreich verbietet Ewigkeitschemikalien weitgehend
       
       Die Nationalversammlung in Paris hat für ein Gesetz gestimmt, das
       sogenannte PFAS bald als Bestandteile von Kosmetik und anderen Waren
       ausschließt.
       
 (DIR) EU plant Überarbeitung: Chemie-Branche fürchtet neue Regeln
       
       Die EU-Kommission wollte Anfang 2023 die Chemikalien-Richtline
       überarbeiten. Doch nun fordert die Industrie einen Aufschub.