# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Erinnerung keine Familiensache ist
       
       Die Sonne brennt auf den Waldfriedhof in Rotenburg. Einweihung: Vor zwei
       Informationstafeln stehen zwölf frisch gebackene Abiturient*innen. Sie
       wirken ein bisschen verloren zwischen den Ehrengästen. Eine Schülerin wird
       gefragt, wie es ihr ergangen sei mit den Dokumenten, den Todeslisten, den
       Patientenakten. Sie überlegt kurz. „Es war schon sehr schwer, was man da
       aufnimmt“, sagt sie. Eine Pause. Mehr kommt nicht. Ob das in ihren Familien
       ein Thema gewesen sei, diese Geschichte, direkt vor Ort, frage ich.
       Schulterzucken. Das KZ-Neuengamme, die Todesmärsche, die verscharrten 375
       Toten: Stoff für ein Seminarfach, siebte Stunde, Dienstagnachmittag. Nicht
       für den Küchentisch bei Oma und Opa, die womöglich näher dran sind am
       Thema.
       
       Der Landrat lobt „kritisches Geschichtsbewusstsein“. Der Volksbund spricht
       von Mahnung. Die Tafeln glänzen neu in der Mittagssonne. Die Schüler*innen,
       die recherchiert, kondensiert und formuliert haben, lächeln für ein Foto
       und gehen in die Sommerferien.
       
       Die Erinnerungskultur lebt. In der Schule. „Vorläufig“, zeigt sich der
       Volksbund-Vertreter optimistisch. Daniela Barth
       
       27 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniela Barth
       
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