# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn bei einer OP der Patient ins Koma fällt
Vor dem Eingang zum Reggaekonzert riecht es nach Dope, an den
Absperrgittern sind hünenhafte Securitymänner damit beauftragt, den Massen
in der Zitadelle Spandau den Weg zu weisen: nach links, nein, Sie nach
rechts. Es ist der ideale Treffpunkt hier, hier muss jeder vorbei. Es
bilden sich Grüppchen, die Leute reden.
„Ja, und dann mussten wir ihn in die Klinik bringen, es ging so nicht mehr
weiter!“ – „Ja echt, so schlimm?“ – „Na ja, er konnte gar nicht mehr
richtig laufen.“ – „Wo seid ihr denn dann hin?“ – „Na, da gibt’s so ’ne
Spezialklinik.“ – „Und hat es was gebracht?“ – „Nicht so richtig, er läuft
jetzt so“, der Sprecher macht eine eingezwängte Laufbewegung. – „Das ist ja
blöd!“ – „Ja, schon. Und dann hat er bei der OP auch noch einen Herzinfarkt
bekommen.“ – „Das gibt’s doch gar nicht!“ – „Doch, und er ist ins Koma
gefallen. Zum Glück ist er wieder aufgewacht.“
Irritierend ist der beiläufige Ton, in dem diese Geschichte vorgetragen
wird. Entspannt steht der Sprecher da, er sieht erholt aus, als käme er
direkt aus dem Urlaub. Die Empathie lässt nach, damit muss man sich
vielleicht abfinden. „Und, wie geht es deinem Kater jetzt?“ – „Ach, so weit
ganz gut.“ Daniel Wiese
20 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Daniel Wiese
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