# taz.de -- Neuer Betriebsrat der taz Berlin: Willkommen, Frischer Wind!
       
       > Lange galt der Betriebsrat der taz zumindest in der Redaktion als
       > randständig. Dann kam die Gruppe „Frischer Wind“ – und eroberte die
       > Interessenvertretung der taz-Belegschaft im Sturm.
       
 (IMG) Bild: Blick ins Büro: Zwei neue Mitglieder des taz-Betriebsrates in Berlin
       
       [1][Aus der taz] | Betriebsrat? Das ist der mit Gesetzen bewaffnete Arm der
       Arbeiter:innenbewegung im Kampf gegen die Ausbeutung des
       Proletariats. Absolut sinnvoll also. Aber braucht es so etwas in der taz?
       
       In einer ursprünglich komplett basisdemokratisch nichtregierten
       Belegschaft. Und seit 1991 in einer Genossenschaft, in der die
       mitarbeitenden Genoss:innen mehr zu sagen haben als alle anderen?
       
       Ja, unbedingt, meinte zumindest eine kleine Truppe von Mitarbeiter:innen.
       Und so tagt im Januar 1992 erstmals der neu gegründete taz-Betriebsrat.
       Nachlesen kann man das in [2][„taz – das Buch“], das zum 40-jährigen
       Jubiläum erschienen war.
       
       Warum genau, erfährt man durch die Sätze davor und danach. „Einheitslohn
       und Basisdemokratie sind seit Einführung des neuen Verlagsmodells
       Geschichte“, heißt es im Satz davor. Dass es erstmals eine Chefredaktion
       gab, im Satz danach. Anders gesagt: Es gab mehr Hierarchien. Und damit auch
       Verteilungskämpfe. Da ist ein Betriebsrat schon sinnvoll.
       
       ## Auf fast 400 Seiten kaum Betriebsrat
       
       Dass er in den folgenden Jahrzehnten zumindest in der Redaktion dennoch
       eher als Randphänomen wahrgenommen wurde, erfährt man auch durch das
       taz-Buch. Denn außer in diesem einen Satz in der Chronik auf der vorletzten
       der fast 400 Seiten, findet er keine Erwähnung.
       
       Für den Betriebsrat galten im Laufe der Jahrzehnte mit wenigen Ausnahmen
       stets zwei Konstanten. Mehrheitlich war er ein von den
       Mitarbeiter:innen des Verlages geschätztes und besetztes Gremium.
       
       Und Wolf Vetter war der Chef. Der Hausmeister der taz hatte in mehr als
       drei Jahrzehnten im Betriebsrat gesessen, ihn lange Jahre geleitet und
       geprägt. Er hat viele Kämpfe hier im Haus geführt, sich sicherlich nicht
       immer Freunde gemacht, schon gar nicht in der Geschäftsführung, in den
       Chefredaktionen oder unter Betriebsratskolleg:innen. Viele haben sich sehr
       an ihm gerieben. Aber das ist ja auch die Aufgabe eines Betriebsrats:
       unbequem sein.
       
       Aber unbequem sein, das können auch andere. Zum Beispiel die Belegschaft
       der taz, die Wolf bei der turnusgemäßen Neuwahl nicht mehr in den
       Betriebsrat wählte.
       
       ## Gründung einer Tarifkommission!?
       
       Das wiederum lag vor allem an einer Truppe meist jüngerer Kolleg:innen, die
       frischen Wind in das so staubig klingende Gremium bringen wollten. Sie
       wollten einen Betriebsrat, der zugänglich und im Alltag der taz präsent
       ist.
       
       Sie kündigten an, sexistische Strukturen und alle Formen von
       Diskriminierung taz-weit zu bekämpfen. Zudem sollte die digitale
       Transformation in der taz vor allem mit Blick auf die Arbeitsbelastung der
       hier Arbeitenden im Auge behalten werden. Und selbst vor
       betriebsratistischen Begriffen wie „Gründung einer Tarifkommission“ scheute
       die Truppe nicht zurück.
       
       Das alles verkündeten sie nicht nur taz-typisch per Mail an alle, sondern
       bei einer Wahlarena im großen Konferenzraum. Wahlkampf um
       Betriebsratsposten? Das war selbst für alteingesessene tazler:innen mal
       was wirklich Neues.
       
       So überraschte es kaum, dass die Frischer-Wind-Gruppe den Betriebsrat im
       Sturm eroberte. Seit Anfang Juni besetzen sie dort fast alle der neun zu
       vergebenden Sitze. Auch neu: Mehr als die Hälfte der Mitglieder kommt aus
       der Redaktion.
       
       Erste Arbeitsgruppen sind gegründet. Eine solle sich zum Beispiel um die
       Begrüßung neuer Mitarbeiter:innen kümmern, erklärt die jetzt
       stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Aber das erste herzliche
       Willkommen gebührt den neuen Betriebsrät:innen.
       
       24 Jun 2026
       
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