# taz.de -- Nominiert für den panterpreis 2026: Eigensinnige Vielfalt
> Seit dem Jahr 2000 macht Radio CORAX von Halle aus als freies Radio ein
> Rundumprogramm. Die AfD möchte dem Sender am liebsten „den Geldhahn
> zudrehen“.
(IMG) Bild: Alltag bei Radio CORAX: Sendung läuft!
[1][taz panterstiftung] | Jeder Tag klingt bei Radio CORAX anders. Wer
Samstagmittag einschaltet, hört manchmal die Sendung Tipkin über
Feminismus, Punk und Queer Politics. Wer sonntags Radio CORAX wieder
aufdreht, kann Jazz, Lyrik und „anderen Ungereimtheiten“ im Magazin
Serendipity lauschen. An anderen Tagen läuft manchmal die mehrsprachige
Redaktion Common Voices und das Kinder- und Jugendradio. Manchmal auch
nicht. Aber irgendwas läuft immer.
Während kommerzielle Radios versuchen, einen gewissen Sound als Marke zu
etablieren, lebt CORAX von eigensinniger Vielfalt. Rund um die Uhr läuft
das freie Radio in Halle an der Saale seit dem Jahr 2000. Derzeit gestalten
etwa 400 Mitglieder 175 verschiedene Sendungen. Fast alle, die Musik
auswählen, Reportagen produzieren oder Sendungen moderieren, arbeiten
ehrenamtlich.
Mitzumachen, das gehe im Prinzip ganz einfach, erklärt Programmkoordinator
Alex Körner. Er ist seit seiner Jugend dabei, nächstes Jahr wird er 40.
„Wer eine Idee hat, stellt sie in der Redaktionskonferenz vor und nach
einem Einstiegsworkshop unter anderem zur Mikrofontechnik kann es
losgehen.“ Nicht immer klingt alles glatt, aber der technische Anspruch ist
hoch.
## Mehr als ein Radiosender
Was dann inhaltlich im Radio läuft? Das entscheiden die Leute selbst. Ob
Kinder, Queere oder Geflüchtete, alle gestalten eigene Sendungen. Für die
anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wollen zum Beispiel mehrere
temporäre Redaktionen im ländlichen Raum O-Töne bei den Leuten sammeln, die
sich vor Ort engagieren.
Doch CORAX funkt nicht nur aus Lautsprechern. Unter den Studios in Halle,
in einem großen Raum mit Theke, werden Filme gezeigt, öffentliche
Diskussionen geführt, Workshops für angehende Radiomacher:innen
organisiert. CORAX ist auch ein Treffpunkt. Zurzeit entstünden mehrere
Kooperationen mit Kultureinrichtungen, erzählt Programmkoordinator Körner.
Außerdem engagiert sich CORAX international etwa beim Verband AMARC für
nichtkommerzielle Radios.
Verglichen mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder kommerziellen
Sendern bleibt CORAX ein kleines Medium. Dass es in Sachsen-Anhalt
wahrgenommen wird, hat unter anderem die AfD mit ihrem Programm für die
Landtagswahl bestätigt. Die extrem rechte Partei möchte dem kleinen Sender
„den Geldhahn zudrehen“, weil er angeblich „allen Spielarten des linken
Fanatismus, der perversen Regenbogenideologie und des Genderismus" eine
Plattform biete.
## Spenden werden wichtiger
Finanziert wird das werbefreie Programm von CORAX aus mehreren Töpfen. Über
die Landesmedienanstalt bekommt das Bürger:innen-Radio etwa 200.000 Euro,
als Anteil des Rundfunkbeitrags. Hinzu kommen kommunale Förderung,
Projektgelder sowie vergangenes Jahr 17.000 Euro über den „Förder- und
Freundeskreis Radio CORAX“.
Zurzeit sei im Radio ein großes Thema, wie es künftig mit der Finanzierung
weitergehe, sagt Programmkoordinator Alex Körner. „Egal wie die
Landtagswahl ausgeht, Spenden werden für uns wichtiger.“ CORAX werde weiter
Radio machen, mit all der Vielfalt, die seit 26 Jahren das Programm prägt.
7 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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