# taz.de -- Nominiert für den panterpreis 2026: Newsletter statt Zeitung
> Lange gab es in Münster zwei konservative Lokalzeitungen, die im selben
> Verlag erschienen. Dann gründete eine Gruppe von Journalist:innen im Jahr
> 2020 das unabhängige Lokalmedium RUMS.
(IMG) Bild: Konzentriertes Nachdenken: Was wird ausführlich behandelt - und was nicht?
[1][taz panterpreis] | Münster ist, politisch gesehen, eine geteilte Stadt,
zur Hälfte rotgrün mit mehreren großen Hochschulen und 65.000 Studierenden,
zum anderen konservativ mit einem traditionell starken katholischen
Bürgertum. In den Lokalzeitungen hätte sich das aber nicht widergespiegelt,
sagt Marc-Stefan Andres. Damals wie heute gibt es zwei, ziemlich
konservative Zeitungen in Münster. „Beide sind wort- und bildgleich“,
erklärt Andres. Das liegt daran, dass sie vom gleichen Verlag herausgegeben
werden.
Da ist mehr drin – dachten sich Andres und eine Gruppe von
Journalist:innen. 2020 gründeten sie das [2][unabhängige Lokalmedium RUMS].
Seitdem versendet RUMS mehrmals pro Woche einen Email-Newsletter mit
journalistischen Recherchen, Analysen und Einordnungen. Die Themen:
Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtleben. „Wir wollen ganz klassisch die
vierte Gewalt in unserer Stadt sein und möglichst objektiv den jeweils
Mächtigen auf die Finger schauen“, sagt Andres. Der Slogan von Beginn an:
„Neuer Journalismus für Münster“.
Andres, der 25 Jahre als Journalist gearbeitet hat, ist heute
Produktmanager bei RUMS, sieht sich als Bindeglied zwischen Redaktion und
dem Geschäftlichen. Bezahlnewsletter, erklärt er, hätten eine ganze Reihe
von Vorteilen: „Man muss die Leserinnen und Leser nicht auf eine Website
locken. Sie bekommen ihre Nachrichten, wie bei der klassischen
Lokalzeitung, in den Briefkasten. Nur eben in den elektronischen.“
## Ausführliche Artikel mit Links
Und da es im Newsletter auch keine Platzbegrenzung gibt, bringt die
Redaktion regelmäßig lange, ausführliche Stücke. „Wir sprechen dann auch
gerne mit mehreren Personen, um ein Thema breit und gründlich abzubilden“,
sagt Andres. Jeder Newsletter hat ein Hauptthema, und das kann gerne einmal
auf bis zu 15.000 Zeichen ausgebreitet werden – das wäre bei der taz
ungefähr eine Doppelseite.
Zu vielen Stücken finden die Leser:innen eine lange Reihe von
weiterführenden Links und Quellenangaben. Auch das gehört zur Idee der
Transparenz, der sich die Redaktion verschrieben hat. Im News-Strudel will
sie sich dabei nicht verlieren. „Nachrichten brauchen wir auch gar nicht“,
sagt Andres. „Die ganz schnellen Meldungen hat ohnehin schon jeder. Wir
bringen dann eben etwas später eine gründliche Einordnung.“
Das erste halbe Jahr hat RUMS gratis gearbeitet. „Wir haben transparent
angekündigt: Bald kostet es“, sagt Andres. Die Anfangsfinanzierung stemmten
die Gesellschafter – mittlerweile 24 –, die Anteile erwarben. Seitdem hat
RUMS sich ein Stammpublikum aufgebaut und beschäftigt sieben
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teilzeit, die sich zusammen fünf
Stellen teilen. Dazu kommen rund 15 freie Kräfte. 14,99 kostet das
Standard-Abo derzeit. In diesem Jahr, so Andres, wolle RUMS zum ersten Mal
eine schwarze Null schreiben.
## Direkte Beteiligung der Leser:innen
Mittlerweile hat sich RUMS als dringend benötigte zweite Stimme in der
publizistischen Landschaft Münsters etabliert. Andres und sein Team sind
auf Stadtfesten präsent, nutzen Dialogformate und bieten direkte
Beteiligungsmöglichkeiten. „Wir würden gern eine noch breitere Leserschaft
erreichen“, sagt er. Das Potenzial sei da. „Bislang ist sie noch sehr
akademisch. Aber wir wollen ein Medium für alle sein.“
Und auch was die Informationskanäle angeht, will sich RUMS
weiterentwickeln. Andres: „Eine Idee für die Zukunft ist ein morgendlicher
Kurz-Podcast, in dem wir in ein paar Minuten einen Überblick geben, was
aktuell passiert ist in der Stadt.“
6 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /taz-panterstiftung/taz-panter-preis/!v=4269299f-23bb-40f2-a4ea-2b1b1ae40192/
(DIR) [2] https://www.rums.ms/
## AUTOREN
(DIR) Martin Kaluza
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