# taz.de -- Nominiert für den panterpreis 2026: „Erste freie Zeitung der DDR“
       
       > Zum Mauerfall gegründet wird die Studierendenzeitung UnAufgefordert von
       > der Berliner Humboldt Universität bis heute von einem engagierten Team
       > Ehrenamtlicher herausgebracht.
       
 (IMG) Bild: Zu viert statt allein: die Chefreaktion der UnAuf-Studierendenzeitung
       
       [1][taz panterpreis] | Die Chefredaktion wird jedes Jahr neu gewählt und
       verantwortet drei bis vier gedruckte Ausgaben. Keine:r der Autor:innen hat
       eine journalistische Ausbildung. Ständig kommen neue Leute dazu oder
       verlassen das Blatt. Geld gibt es auch keins. Kann man unter solchen
       Bedingungen guten Journalismus machen? [2][UnAufgefordert, die
       Studierendenzeitung der Humboldt-Universität in Berlin], kann es.
       
       Ein Kollektiv von Nachwuchsjournalist:innen, das sich ständig erneuert,
       berichtet über Hochschulpolitik, studentisches Leben und Kultur. Und das
       seit Jahrzehnten: Die erste Ausgabe der „UnAuf“ erschien an der HU eine
       gute Woche nach dem Mauerfall – als „erste freie Zeitung der DDR“, wie sie
       sich selbst bezeichnet. Aktuell bereitet die Chefredaktion mit Felicitas
       Hohmann, Thordis Schreiber, Emely Stache und Andreas Stein die 275. Ausgabe
       vor. Seit zehn Jahren ist UnAufgefordert außerdem online zu lesen.
       
       Jedes Heft kreist um ein Thema. Im Schönheits-Heft berichtete das Team etwa
       über African Fashion und Rassismus in der deutschen Modebranche und
       beschrieb die Ästhetisierung von Gewalt in Filmen. In der Großstadt-Ausgabe
       ging es etwa um die Politik der Straßennamen und die Frage, warum in Berlin
       ein Volksentscheid zu Klimaneutralität gescheitert ist, in Hamburg dagegen
       nicht.
       
       Für die 272. Ausgabe reisten im vergangenen August sechs
       Redaktionsmitglieder nach Serbien. Sie berichteten über die Proteste, die
       sich am Einsturz eines Bahnhofsdachs entzündet hatten und bald das ganze
       Land erfassten. Das UnAuf-Team besuchte besetzte Fakultäten, wagte sich bei
       einer Gedenkveranstaltung unter Nationalist*innen, sprach mit Profs und
       Studierenden. Heraus kam ein Heft, das die Situation in Serbien
       ausführlicher und tiefgehender beschreibt als viele professionelle
       Zeitungen in Deutschland dies taten.
       
       ## Unterstützung durch ein großes Netzwerk
       
       Bei der Vorbereitung bekam die UnAuf erfahrene Unterstützung:
       ZDF-Journalist Wolf-Christian Ulrich erklärte, worauf man bei der Arbeit im
       Ausland achten muss. Ulrich war während seines Studiums an der HU selbst
       UnAuf-Redakteur. Über die Jahrzehnte haben Generationen von Studierenden
       hier ihre ersten journalistischen Schritte gemacht. Für viele wurde daraus
       ein Beruf. Deshalb habe man bei Bedarf „ein großes Netzwerk“, sagt Thordis
       Schreiber.
       
       Redaktion und Layout-Team arbeiten komplett ehrenamtlich. Von der Uni oder
       der Studierendenschaft bekommt UnAuf kein Geld, seit das
       StudentInnenparlament die Finanzierung 2008 nach einem Streit einstellte.
       Herausgeber ist seit 2009 der „Freundeskreis der UnAufgefordert e. V.“ „Die
       Druckkosten finanzieren wir über Werbung“, sagt Andreas Stein. „Wir
       brauchen vier bis fünf Anzeigen, um sie zu decken.“ Die Serbien-Recherche
       finanzierte die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Bundesmitteln.
       
       Als Nächstes plant die Redaktion eine Ausgabe über Ungarn. „Nach dem
       Machtwechsel wollen wir vor allem erfahren, wie die jungen Menschen darüber
       denken,“ sagt Felicitas Hohmann. Auch um die Inhaftierung der deutschen
       nicht-binären Person Maja T. und die künftige Rolle Ungarns in der EU soll
       es gehen. Vor 15 Jahren war die UnAuf übrigens schon einmal in Ungarn.
       Thordis Schreiber: „Wir haben die damaligen Beteiligten schon angesprochen
       und nach ihren Erfahrungen gefragt.“
       
       2 Jun 2026
       
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