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> Der Deutsche Filmpreis feierte Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“,
> der Abend gehörte aber weißen alten Männern
Von Jenni Zylka
Man müsste sagen: Es ging auch um Filme beim Deutschen Filmpreis am
Freitag. Denn was im Berliner Palais am Funkturm zu sehen war, das war
etwas anderes als die übliche Dramaturgie. Man bekam nämlich die
Gelegenheit, die gesamte Bandbreite des alten weißen Mannes live zu erleben
– und zu verstehen, wie dieser abstrakte Typus mit allem zusammenhängt. Die
Aussagen, die Frauen tätigten, werden in diesem Bericht somit nicht
vorkommen – an ihnen gab es schlichtweg nichts auszusetzen.
Und auch nicht an sämtlichen Männeräußerungen: Der Produzent Ingo Fliess
hielt eine brillante Rede über künstlerische Freiheit in einer Demokratie.
Er sei glücklich darüber, in einem Land leben zu können, in dem nicht nur
die Förderstruktur diese Freiheit garantiert, sondern man einen
Kulturstaatsminister kritisieren dürfe. Fliess’ von [1][İlker Çatak
inszenierter Film „Gelbe Briefe“] (Silberlola „Bester Film“) ist ein
hochpolitisches Werk über die Einflussnahme auf die Kunst. Ebendas, was
Weimer vorgeworfen wird. Vorher wurde Weimer mehrfach kritisiert, auch
bezüglich dessen versuchter Abberufung der Berlinale-Leiterin Tricia
Tuttle.
Zusätzlich zur durch Agenden geprägten Personalpolitik ging es auch um
Gender. Und dazu ließ Ehrenpreisträger Wim Wenders aufhorchen: Vielleicht
aufgrund Nastassja Kinskis öffentlich gemachter Bemühungen, eine von ihr
mit 13 gespielte Nacktszene aus einem [2][Wenders-Film von 1975
herausschneiden zu lassen, vielleicht wegen seiner vielkritisierten
Formulierung über „politische Filme“ bei der Berlinale], brachte er das
Thema eigenmächtig aufs Tapet. Er sagte, dass er derlei Szenen heute so
nicht mehr drehen würde, und rief zur Diskussion über sich wandelnde
„Moralfragen“ und Umschnitte auf. Seinem jüngeren Ich würde er allerdings
„keinen Vorwurf machen“. Damit öffnete er eine Tür zum Diskurs, schloss sie
aber direkt wieder. Denn das sind keine sich wandelnden Fragen – das
Sexualisieren von Kindern war noch nie okay. Und auch ein junger Wenders
muss deren Unversehrtheit als Priorität begreifen. Seinem jüngeren Ich ist
also absolut ein Vorwurf zu machen. Ob man Filme umschneiden oder
kontextualisieren sollte, ist eine andere Frage.
Der dritte alte weiße Mann bescherte kurz zuvor einen Fremdschämmoment:
Laudator Leander Haußmann mäanderte und kreiste nicht nur minutenlang um
sich selbst, sondern sprach İlker Çataks Namen mehrfach falsch aus und
patzte bei der Entschuldigung. Vielleicht wurde er spät verpflichtet oder
hatte einen sitzen. Aber wie kann es sein, dass ein solcher Regisseur
Çataks Namen noch nie ausgesprochen hat?
Der bezeichnende Schluss, kurz bevor [3][Mascha Schilinskis „In die Sonne
schauen“] seinen Triumphzug mit 10 Lolas beendete, gehörte dem letzten
alten weißen Mann: Wolfram Weimer brachte es fertig, bei seiner Rede die
Kritik an sich nicht zu thematisieren. Er tat so, als ob nichts gewesen
wäre. Aber beschwerte sich, so wurde kolportiert, später beim
Akademiepräsidenten über Fliess. Was den Eindruck verstärkt, dass der
Kulturstaatsminister der Kultur und den Menschen weder zuhört noch
kulturelle Unabhängigkeit als elementar ansieht. Ein bedrückendes Fazit.
1 Jun 2026
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(DIR) Jenni Zylka
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