# taz.de -- Union Busting bei Thoughtworks: Frontalangriff auf den Betriebsrat
       
       > Eine US-amerikanische IT-Consulting-Firma will in Berlin drei
       > Betriebsräten kündigen. Mitarbeitende kritisieren Union Busting.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer:innen und Kolleg:innen protestieren vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung einer Betriebsrätin
       
       Ein Betriebsratsmitglied zu kündigen, ist in Deutschland aus guten Gründen
       keine leichte Sache. Die US-amerikanische IT-Consultant-Firma Thoughtworks
       versucht es dennoch. Gleich gegenüber drei ihrer Betriebsräte hat das
       Unternehmen in ihrer Berliner Niederlassung eine außerordentliche Kündigung
       ausgesprochen.
       
       Dass auch Thoughtworks kein leichtes Spiel haben wird, zeigte sich am
       Mittwochvormittag am Landesarbeitsgericht. Aufgrund des besonderen Schutzes
       benötigt die Kündigung eines Betriebsrates die Zustimmung des gesamten
       Gremiums. Da dieser ablehnte, versucht das Unternehmen die Zustimmung vor
       dem Arbeitsgericht zu erzwingen. Zu der Güteverhandlung einer Betriebsrätin
       [1][rief dieses Mal die Tech-Workers-Coalition zum Protest auf.]
       
       Mit Erfolg – der kleine Sitzungssaal war restlos gefüllt. Kolleg:innen, die
       gegen die Kündigungen protestieren, stehen vor der Tür. „Hände weg von
       unserem Betriebsrat“, steht auf einem Schild, „Wir lassen uns nicht
       einschüchtern“, auf einem anderen.
       
       „Es ist eindeutig, bei diesen Kündigungen geht es nicht um Fehlverhalten,
       sondern darum, uns zum Schweigen zu bringen“, sagt ein Mitarbeiter des
       Unternehmens, der aus Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen lieber
       anonym bleiben will, „Es ist Union Busting und [2][Behinderung von
       Betriebsratsarbeit.“]
       
       ## Abstruse Vorwürfe
       
       Die Anschuldigungen, die der Anwalt der Firma vorträgt, klingen
       konstruiert: Dem Betriebsratsmitglied sei gekündigt worden, weil sie massiv
       gegen den Datenschutz verstoßen haben sollen. Konkret beschuldigt das
       Unternehmen sie, eine interne Sicherheitslücke ausgenutzt zu haben, um
       Einsicht in sensible personalrechtliche Daten des Unternehmens zu bekommen,
       für die sie eigentlich nicht berechtigt waren.
       
       Die Darstellung der Anwält:innen der Betriebsräte ist naturgemäß anders:
       Bei den sensiblen Daten handelte es sich um sogenannte „Whiteboards“,
       virtuelle Arbeitsräume, in denen Mitarbeitende an Projekten arbeiten,
       Informationen und Dateien teilen.
       
       Da das Unternehmen auf einen anderen Anbieter umgestiegen sei, habe es eine
       Mail mit Links an alle Mitarbeiter:innen verschickt, mit der Bitte,
       die Inhalte zu überprüfen – darunter auch die sensiblen Inhalte, deren
       Aufgreifen der Grund für die Kündigung ist. Erst dadurch sei aufgefallen,
       dass viele der Boards nicht zugriffsbeschränkt waren. „Der Betriebsrat
       wollte verstehen, haben wir ein Problem mit den Daten?“, sagt die Anwältin
       der Betriebsrätin.
       
       Einem anderen Betriebsratsmitglied, dessen Fall am 10. Juni verhandelt
       wird, wirft das Unternehmen vor, mit politischen Postings in Firmenchats
       das Arbeitsklima geschädigt und Kolleg:innen diskriminiert zu haben.
       
       ## Kündigung für zwei Wikipedia-Links
       
       Konkret geht es um zwei Wikipedia-Links, die das Betriebsratmitglied als
       Kritik auf eine geplante Zusammenarbeit mit dem US-Militär gepostet hat,
       sagt eine weitere Mitarbeiterin des Unternehmens im Gespräch mit der taz.
       Der eine Link beinhaltete eine Auflistung der Kriegsverbrechen des
       US-Militärs, der andere den Folterskandal im US-Gefängnis Abu Ghraib
       während des Irakkrieges.
       
       Die Mitarbeiterin berichtet, politische Diskussionen seien in der
       Vergangenheit nichts Ungewöhnliches gewesen. Thoughtworks sei im
       Selbstverständnis ein Unternehmen, das sehr darauf geachtet habe, einen
       positiven Impact zu haben. Früher habe man sich nach politischen
       Diskussionen auch gegen die Zusammenarbeit mit Kunden entschieden. Doch das
       habe sich in den letzten Jahren geändert. „Der Chat ist ziemlich ruhig
       geworden“, sagt die Mitarbeiterin.
       
       Von Anfang an war klar: Zu einer außergerichtlichen Einigung, die ein
       Gütetermin ermöglichen soll, kommt es nicht. „Mir fehlt da die Fantasie“,
       sagt auch der Richter. Eine Hauptverhandlung gibt es wahrscheinlich erst im
       nächsten Jahr. Die Unterstützer:innen geben sich kampfbereit. „Wir
       werden jeden einzelnen Fall [3][vor Gericht anfechten], und wir werden
       gewinnen“, kündigt ein Redner auf der Kundgebung an.
       
       27 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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