# taz.de -- Pionierin des Vielseitigkeitsreitens: Ein paar Hindernisse zu viel
> Sheila Willcox war eine der ersten und eine der besten
> Military-Reiterinnen. Doch die ganz großen Erfolge wurden ihr nicht
> vergönnt.
(IMG) Bild: Sheila Willcox reitet 1968 vor den Augen der königlichen Familie
Die erste Frau, die das berühmte [1][Vielseitigkeits]-Event „Badminton
Horse Trials“ gewann, war Sheila Willcox zwar nicht, aber die jüngste und
die bis heute erfolgreichste. Im Alter von 21 Jahren war ihr 1957 bei der
dreitägigen Veranstaltung sozusagen ein Start-Ziel-Sieg gelungen, der nicht
zu ungeteilter Freude bei den anderen Reitern gesorgt hatte. In einem
Interview schilderte sie die Reaktionen auf ihren ersten Sieg damals so:
„Die Männer waren entsetzt, dass ein Mädchen gewonnen hatte.“ Details
nannte sie nicht, sondern beließ es bei einem kurzen Satz, der dennoch
deutlich macht, wie ablehnend die männliche Konkurrenz auf ihren Erfolg
reagiert hatte: „Es war ziemlich übel.“
Sheila Willcox ließ sich allerdings nicht beirren, sondern nahm die Chance,
bei den Military-Europameisterschaften in Kopenhagen im selben Jahr zu
starten, wahr. Dort gewann sie auf dem von ihr selbst ausgebildeten Pferd
„High and Mighty“ gleich zwei Goldmedaillen in der Einzel- und der
Mannschaftskonkurrenz. Damit und nach zwei weiteren souveränen Siegen bei
den Horse Trials 1958 und 1959 wäre sie eigentlich schon fast automatisch
für die [2][Olympischen Sommerspiele in Rom] qualifiziert gewesen.
Mehr olympische [3][Männerdomäne] als Military, heute Vielseitigkeit, ging
aber damals nicht: Die Sportart war aus den Pferdeausbildungsprogrammen der
Kavallerien hervorgegangen, die dreitägigen Veranstaltungen umfassten die
Disziplinen Dressur, Springen und Geländeritt. 1912 war Military olympisch
geworden, allerdings mit strengen Teilnahmebedingungen: Wer mitmachen
wollte, musste nicht nur männlich, sondern auch Offizier sein. Erst
[4][1952] bei den Spielen in Helsinki wurden diese Kriterien gelockert,
erstmals durften auch Zivilisten und Unteroffiziers- oder
Mannschaftsdienstgrade um Medaillen reiten. Bis Frauen zugelassen wurde,
sollte es dagegen noch 12 weitere Jahre dauern.
Keine Chance also für Sheila Willcox. Und nicht nur das: Der britische
Military-Verband übte mehr als nur subtilen Druck auf die junge Reiterin
und ihre Familie aus, „High and Mighty“ an einen der bei Olympia
startberechtigten Männer zu verkaufen. Sie gab schließlich nach und obwohl
sie deswegen 1959 in Badminton mit einem jungen und unerfahrenen Pferd
starten musste, gelang ihr dort der dritte Sieg in Folge – das hat bis
heute niemand mehr geschafft.
## Nicht einmal ihr Pferd durfte gewinnen
„High and Mighty“ gewann dagegen keine olympische Medaille, er habe gelahmt
und sei deswegen nicht einsatzfähig gewesen, wurde Willcox mitgeteilt. Ob
das stimmt, ist unklar. Als sie das Pferd kurze Zeit zurückkaufte, war es
jedenfalls vollkommen gesund.
Auch nach der Heirat mit dem Unternehmer John Waddington gab Sheila den
[5][Pferdesport] nicht auf. Dazu schrieb sie beliebte Fachartikel und sogar
ein Buch über die Ausbildung von Military-Pferden, das bis heute nicht nur
als sehr kenntnisreich, sondern auch als elegant formuliert und humorvoll
bezeichnet wird. Sie galt dazu als sehr gute, wenn auch ehrgeizige
Ausbilderin. Die Silbermedaillengewinnerin von 2012, Mary King, schilderte
ihre Zeit als Jugendliche bei Willcox als hart – zumal wenn sie bei einem
Nachwuchswettbewerb nicht Erste wurde. King betonte aber auch: „Ich habe
ihr alles zu verdanken.“ In einem Nachruf fasste ihr Ex-Mann es so
zusammen: „Sie konnte ungemein herzlich sein – aber wehe dem, der es wagte,
ihr beim Gewinnen in die Quere zu kommen.“
1971 endete Sheilas Military-Karriere mit einem Sturz, der dazu führte,
dass sie teilweise gelähmt war. Das Reiten gab sie trotzdem nicht auf,
sondern verlegte sich auf die Disziplin [6][Dressur], wo sie einige Erfolge
erzielte. Sheila Willcox starb am 9. Juni 2017 im Alter von 81 Jahren nach
einer längeren Demenz-Erkrankung.
29 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Elke Wittich
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