# taz.de -- Tagesreingung in öffentlichen Gebäuden: Gute Idee, schleppende Umsetzung
       
       > Reinigung im laufenden Betrieb gilt als Schlüssel zur Verbesserung der
       > Arbeitsbedingungen in der Branche. Doch der Senat hadert mit der
       > Umsetzung.
       
 (IMG) Bild: Putzen, wenn andere Feierabend haben: Für viele Reinigungskräfte in Berlin ist das auch in öffentlichen Gebäuden Arbeitsalltag
       
       Um 5 Uhr morgen beginnt die erste Schicht, erst um 21 abends endet der
       Arbeitstag – und trotzdem kein Lohn, der zum Leben reicht. Der
       Arbeitsalltag für viele Gebäudereiniger:innen ist hart. [1][Das
       Modell der Tagesreinigung] soll die Arbeitsbedingungen in der
       Gebäudereinigung enorm verbessern. Statt frühmorgens und spätabends putzen
       Reinigungskräfte darin im laufenden Betrieb.
       
       Eine gute Idee, die vom Land Berlin leider nur schleppend umgesetzt wird,
       wie die Antwort auf eine Anfrage des linken Abgeordneten Damniano Valgolio
       zeigt.
       
       So ist in den meisten Bezirken die Gebäudereinigung zu den
       Arbeitnehmerunfreundlichen Randzeiten die Regel. Lediglich die Bezirke
       Kreuzberg-Friedrichshain und Treptow-Köpenick gehen mit gutem Beispiel
       voran. So werden in Treptow-Köpenick 91 Prozent der Flächen zwischen 7.30
       Uhr und 18 Uhr gereinigt. Dazu gehören neben Büros für die Verwaltung auch
       Kulturobjekte, Jugendfreizeiteinrichtungen und Friedhöfe.
       
       Erstaunlich ist, dass der Senat gar keine Daten darüber erfasst, nach
       welchem Modell die Liegenschaften des Landes gereinigt werden. Dabei
       bewirtschaftet die landeseigene Unternehmen Berliner Immobilien Management
       GmbH (BIM) rund 4 Millionen Quadratmeter zu reinigende Fläche – das sind
       deutlich mehr als die insgesamt 1,2 Millionen Quadratmeter der Bezirke.
       
       ## Randzeiten immer noch die Regel
       
       Trotz der fehlenden Daten geht Valgolio davon aus, dass auch bei der BIM
       die Tagesreinigung in den meisten öffentlichen Gebäuden eher die Ausnahme
       ist. „Die Reinigung zu den Randzeiten ist immer noch überwiegend, obwohl es
       keinen Grund dafür gibt“, sagt der Linken-Politiker.
       
       Dabei dürften dem Senat die Probleme in der Reinigungsbranche bekannt sein.
       Die von der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales geförderte
       Netzwerkstelle für Gute Arbeit bezeichnet die Arbeitsbedingungen als
       „belastend und unattraktiv“.
       
       Die Arbeit während der „Randzeiten“ vor oder nach dem Büroarbeitstag führe
       dazu, dass Beschäftigte oft zwei Schichten am Tag übernehmen müssen – eine
       frühmorgens, eine nach regulärem Feierabend. Trotzdem kommen sie damit
       selten auf mehr als 6 Stunden am Tag. „Trotz allgemeinverbindlichem
       Tarifvertrag können die Beschäftigten oft kein Einkommen erzielen, das zum
       Leben reicht“, [2][heißt es in einem Dossier der Netzwerkstelle.] Der
       Anteil der Beschäftigten in Berlin, die in der Branche in Teilzeit
       arbeiten, liegt laut der Netzwerkstelle bei 71 Prozent.
       
       Auch führen die geteilten Dienste zu doppelten Arbeitswegen und Freizeit
       mitten am Tag, die die Beschäftigten selten sinnvoll nutzen können. Die
       Netzwerkstelle empfiehlt seit 2017 die Tagesreinigung in öffentlichen
       Gebäuden als effektive Stellschraube zur Verbesserung der
       Arbeitsbedingungen.
       
       ## Völlige Strategielosigkeit
       
       Seitdem gab es viele Modellprojekte, aber keine einheitliche Strategie.
       [3][2019 wurde die Tagesreinigung an den Berliner Schulen umgesetzt] - mit
       guten Erfahrungen. Trotzdem gibt es Berlinweit immer noch rund 180 Schulen,
       bei denen zu den Randzeiten gereinigt wird, [4][wie eine weitere Anfrage
       aus dem vergangenen Jahr ergab.]
       
       Und dabei soll es erst einmal bleiben. So plant die BIM einen weiteren
       Modellversuch für Tagesreinigung an Oberschulzentren, der 2027 starten
       soll, heißt es in der Anfrage. Arbeitspolitiker Valgolio fordert hingegen
       eine „konzertierte Aktion“ vom Senat, um die Tagesreinigung flächendeckend
       einzuführen. „Die Erfahrungen etwa in Treptow-Köpenick und
       Friedrichshain-Kreuzberg zeigen, dass Tagesreinigung funktioniert“, sagt
       Valgolio. In den meisten Gebäuden sei es kein Problem, auch tagsüber zu
       reinigen.
       
       Einfach Umzusetzen wäre das durch angepasste Ausschreibungen. So bekämen
       nur noch Firmen den Zuschlag, die während der regulären Arbeitszeit mit
       einer Mindestanzahl an Reinigungskräften reinigt. Derzeit bekomme häufig
       das günstigste Unternehmen den Zuschlag, sagt Valgolio. Da die Unternehmen
       den Landesmindestlohn zahlen müssen, müssen die Beschäftigten [5][immer
       mehr Flächen in der gleichen Zeit reinigen]. „Gerade bei
       Reinigungsunternehmen gibt es sehr viele unseriöse Angebote“.
       
       Eine Anpassung der Vergabevorschriften hält der Senat aber nicht für
       notwendig. „Aus der Sicht des Senats besteht derzeit kein Bedarf für
       gesetzliche Änderungen“, heißt es in der Anfrage.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Putzgipfel-in-Berlin/!5593671
 (DIR) [2] https://netzwerkstelle-gute-arbeit.de/gebaudereinigung
 (DIR) [3] /Problembaer-Berliner-Schulreinigung/!5959910
 (DIR) [4] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-22217.pdf
 (DIR) [5] /Outsourcing-von-Reinigungskraeften/!5618052
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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