# taz.de -- taz🐾thema: Kollektiv in die Provinz 
       
       > Auch abseits der Metropolen kommen Jazzfreunde auf ihre Kosten –
       > mancherorts kostenlos
       
       Bundesweit gibt es mehr als 70 Jazzfestivals. Zu den größten gehören die
       Jazz Open Stuttgart im Juli und das Enjoy Jazz Festival an 26 Orten in
       Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Schwetzingen im Oktober. Dort treten
       internationale Größen wie Nick Cave & The Bad Seeds (80 bis 330 Euro) und
       Gregory Porter (110 bis 165 Euro) auf, bei den meisten Konzerten zahlt man
       rund 30 Euro aufwärts.
       
       Es müssen aber nicht immer nur die großen Namen sein und man kann auch mit
       kostenlosen Jazz-Konzerten Menschen erreichen – das sagen sich die
       Kulturämter in Idar-Oberstein und Regensburg. Die Jazztage Idar-Oberstein
       laden vom 5. bis zum 7. Juni zu Gratis-Open-Air-Konzerten auf vier Bühnen
       mitten in Oberstein zu mehr als 20 Auftritten ein. Mit dabei sind der
       französische Akkordeonist Vincent Peirani und das Klaviertrio Triosence,
       aber auch Newcomer wie die achtköpfige Funk- und Soulband Fatcat.
       
       In Regensburg findet vom 2. bis zum 5. Juli derweil das 45. bayrische
       Jazzweekend statt, mit 100 kostenfreien Konzerten in Bars, Innenhöfen,
       belebten Plätzen und an der Donau. Die Musiker kommen zum Teil aus
       bayrischen Städten, aber auch anderswo her. Modern Jazz, Dixieland,
       Jazz-Rock, Free Jazz, Afrobeat, HipHop, Elektro, Funk und Soul – vielen
       Geschmäckern wird hier etwas geboten.
       
       Eine besondere Tradition hat die preisgekrönte Jazzwerkstatt Peitz vom 14.
       bis zum 16. August in Südbrandenburg. 1973 fand die Premiere statt – der
       Name Werkstatt war dabei Programm, weil es seinerzeit nicht genügend
       Jazzbands in der DDR gab und die Musiker in Peitz in immer wieder neuen
       Formationen miteinander improvisierten. 1982 wurde das jährliche Treffen
       verboten. „Nicht das Verbot ist das Erstaunliche, sondern wie lange es
       gutging“, lautet der Kommentar der Macher.
       
       Seit 2011 findet die Werkstatt wieder statt – ein Wochenende mit viel Musik
       und Austausch für Jazzfans, die auf dem örtlichen Zeltplatz übernachten
       können. Neben der Musik unter anderem vom Trio Ivoire um Hans Lüdemann sind
       auch die Spielstätten wie eine alte Hochofenhalle als Kulisse für
       Freiluftkonzerte außergewöhnlich.
       
       In Schwerin stellt das Jazzkollektiv Mecklenburg-Vorpommern erstmals ein
       eigenes Festival auf die Beine. Am 19. September wird ein Quartett der
       Gründer Christoph Möckel (Saxofon), Henning Schiewer (Bass) und Constantin
       Krahmer (Piano) selbst auf der Bühne stehen. Außerdem präsentieren sie auf
       ihrem zweitägigen Node-Festival sechs weitere Auftritte, darunter eine
       Tanzperformance, Nachwuchsmusiker aus der Region (Landesjugend Jazz
       Orchester MV) wie auch internationale Größen wie den dänischen Gitarristen
       Jakob Bro mit einem Soloauftritt.
       
       Das Jazzkollektiv sieht sich als Interessenvertretung zur Vernetzung der
       regionalen Jazzmusiker wie auch zur Jazzförderung im Nordosten. Der
       Echo-Preisträger Möckel hat lange in Berlin und Köln gelebt und arbeitet
       nun wieder in seiner Geburtsstadt Schwerin. Möckel: „In den Metropolen gibt
       es viel mehr Orte für den Jazz, aber hier in Mecklenburg erleben wir ein
       großes Interesse.“ Joachim Göres
       
       30 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joachim Göres
       
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