# taz.de -- 
       
       ## Söder, seriöser, aber öder
       
       Es gibt dieses Buch, das ich in letzter Zeit öfter mal aus meinem Regal
       hervorkrame: „Power – Die 48 Gesetze der Macht“ von Robert Greene, der mal
       Drehbuchautor in Hollywood war. „Erschaffe dich neu“ lautet da das Gesetz
       Nummer 25. Neuerfindung, da denkt man natürlich sofort an Markus Söder. Der
       bayerische Ministerpräsident hat schließlich den Ruf, sich ständig neu zu
       erfinden. Und derzeit sucht die halbe Medienlandschaft der Republik nach
       Indizien für eine neue Ernsthaftigkeitsinszenierung bei Markus Söder. Denn
       da scheint sich was zu tun. Am Sonntagabend saß er bei Caren Miosga im
       Fernsehstudio. Ohne Bart, nicht leger im Jankerl, sondern mit Krawatte.
       Klingt nach Oberflächenbetrachtung, aber Söder ist nun mal ein Mann, der
       gern auf Bildsprache setzt. Stichwort: Bäume umarmen. Auf eine Bildsprache
       verzichtet er inzwischen allerdings, er postet keine Essensbilder mehr in
       den Sozialen Medien. Kommt halt nicht so gut an, wenn überall gespart wird,
       die Menschen den Gürtel enger schnallen sollen und ein Spitzenpolitiker
       derweil exzessiv in Würste, Schnitzel und Döner beißt. Da denkt man
       irgendwann unweigerlich, hat der Mann nichts Wichtigeres zu tun, als Fotos
       von Würsten zu knipsen? Nach den desaströsen CSU-Ergebnissen bei den
       bayerischen Kommunalwahlen murrten denn auch CSU-Landtagsabgeordnete. Die
       Frage ist aber, wie oft kann man sich eigentlich neu erschaffen, ohne
       Glaubwürdigkeitsverlust? Das Leben ist schließlich kein Kinofilm.
       
       Als Hollywood-Darsteller könnte Söder zwar glatt durchgehen, zumindest an
       Fasching. Er wählte mal ein Shrek-Kostüm, als Horst Seehofer ihn unbedingt
       als Kronprinz verhindern wollte. Fasching ist ideal, um machtpolitische
       Botschaften zu senden. Falls was schiefgeht, kann man später sagen, das war
       doch nur Spaß. Solche Gelegenheiten lässt Söder ungern aus. Dieses Jahr
       ging er als Freiheitskämpfer William Wallace, die optische Ähnlichkeit mit
       Braveheart-Darsteller Mel Gibson war frappierend, politisch allerdings eine
       sehr fragwürdige Entscheidung. Gibson wurde von Trump zum
       Hollywood-Botschafter gekürt. Und die Sache mit dem Freiheitskämpfer ist
       auch schwierig, in Zeiten, in denen lauter autoritäre Rechtslibertäre
       behaupten, es gehe ihnen um Freiheit. Wenn der Chef einer Regierungspartei
       im Widerstandskämpferkostüm posiert, was natürlich den Widerstand gegen die
       da oben impliziert, dann ruft das durchaus Erinnerungen an Christian
       Lindners Agieren in der Ampel hervor. Für Söder sind das harte Zeiten.
       Inzwischen hat die FAZ Wolfgang Kubicki in den Rang des Volkstribunen
       gehoben. Aber vielleicht ist diese Rolle bei der FDP auch besser
       aufgehoben. Martina Mescher
       
       23 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Mescher
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA