# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn ein Fahrgast in eine gedruckte Zeitung schaut
       
       Wir sitzen in der Hamburger U-Bahn-Linie 2, es ist Mittwochmorgen, kurz vor
       9 Uhr. Es ist still in der U-Bahn, alle schauen auf ihr Handy, niemand
       redet ein Wort. Je näher die U-Bahn der Innenstadt kommt, desto voller wird
       es. Da steigt ein Herr ein, grau meliertes Haar, gut frisiert, schwarze
       Brille, blaues Hemd, Typ Abteilungsleiter. Der Herr setzt sich, holt eine
       FAZ aus der Aktentasche und fängt an zu lesen.
       
       Der Mann ist etwas Besonderes: Im ganzen Waggon schaut sonst niemand in
       eine gedruckte Zeitung. Bestimmt schaut im ganzen Zug niemand in eine
       gedruckte Zeitung. Ziemlich sicher auch nicht in den anderen Zügen, nicht
       auf dieser Linie und nicht auf den anderen Linien des Hamburger
       Nahverkehrs.
       
       Eine gedruckte Zeitung in der U-Bahn! Noch dazu eine FAZ, von deren
       überregionalem Glanz früherer Zeiten so wenig übriggeblieben ist, dass man
       sich in Hamburg fragt, ob es sie eigentlich noch gibt. Und die liest
       einfach so dieser Herr, der durch seine Alleinstellungsmerkmale „gedruckte
       Zeitung“ und „FAZ“ automatisch zum Abteilungsleiter wird. Wir wagen einen
       Seitenblick, was genau er liest in der FAZ. Es ist – das Fernsehprogramm.
       Klaus Irler
       
       30 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Irler
       
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