# taz.de -- Gestaltung von Golfplätzen: Von Menschen, Bällen, Stöcken und Löchern
       
       > Wer die gut gemähten Golfanlagen öde findet, kann das Klubgelände auch
       > verlassen. Denn: Golfen geht überall.
       
 (IMG) Bild: Abschlag vor Industriekulisse. Crossgolf in Duisburg
       
       Es kam also mein wahrscheinlich erster Leserbrief aus Luxemburg, von einem
       Chrëscht, was, wie eine Suche ergab, übersetzt aus dem Lëtzebuergischen so
       viel wie Christian heißt. Chrëscht also merkte zu meiner April-Kolumne an,
       Golfplätze seien weltweit so langweilig ähnlich, lauter grüne, fein gemähte
       Wiesen, als wollten alle die schottischen Originale imitieren. Ein durchaus
       gerechtfertigter Hinweis. Und: Ob es keine Alternativen gebe?
       
       Ja, als es noch Schnee gab, spielte man etwa in der Schweiz winters auf
       zugefrorenen Seen so was wie Schneeschichtengolf. Und als unser Planet noch
       kalt genug war, fand Ende der 90er Jahre viermal eine Eisgolf-WM in
       Grönland statt. Dann fror der sicherheitshalber notwendige halbe Meter Eis
       auf dem Nordmeer nicht mehr zusammen. Das Klima-Aus für
       Eisgolf-Weltmeisterschaften.
       
       Bisweilen fallen Bäume dem Bau einer Spielbahn zum Opfer. Dabei könnte man
       Bäume auch mal stehenlassen als natürliche Hindernisse. Es gibt Bahnen, da
       spielt man in einer großen Schleife um einen hohen und dichten Wald herum,
       Wegstrecke rund 500 Meter. Oder man spielt die Risikovariante, direkt über
       den Wald, vielleicht gut 150 Meter weit. Aber wehe, du triffst den Ball
       nicht perfekt! Wie sagt man zu „Tschüss, Ball!“ in Luxemburg?
       
       Man kann auch hohe Hecken direkt vor einem Grün stehenlassen oder neu
       pflanzen. Mit solchen Hindernissen ist mehr strategisches Spiel gefordert,
       statt den Ball wie so oft geradeaus [1][möglichst weit zu prügeln.]
       Inmitten der Pferderennbahn in Krefeld gibt es annäherungsweise einen
       solchen Platz.
       
       ## Golf am Golf
       
       In der Türkei oder in Andalusien, regte Chrëscht an, könne man die
       Landschaft nehmen, wie sie ist, also auf Schottergestein spielen oder in
       Steppenlandschaften. In den verwüsteten Golfstaaten gab es – trotz des
       Namens, tataaa – lange gar keine Golfplätze. Dann baute man die ersten, und
       jedeR SpielerIn nahm mangels grünem Untergrund ein Stück Grassode mit, um
       es vor jedem Schlag auf den Stein- und Wüstensandboden zu legen. Ball
       aufnehmen, drauf damit und weiterschlagen. Das ist mehr als 30 Jahre her.
       Heute haben Emirate, Oman & Co die edelsten und eben künstlichst
       konstruierten Plätze der Welt. Mit großzügigem Wasserverbrauch.
       
       Geputtet wurde auch schon an Bord einer Concorde. Länge: 14,86 Kilometer,
       bis der Ball nach ein paar Sekunden ins Loch fiel: Weltrekord! – weil sich
       die Maschine per Überschall inzwischen so weit bewegt hatte. Und auf dem
       Mond hat auch schon mal ein Astronaut ein paar Schläge gemacht ([2][Alan
       Shepard, Apollo 14, angeblich Eisen 6]). Elon Musk spielt, soweit bekannt,
       kein Golf. Wenn er denn mal als strotzstolzer erster Mensch auf dem Mars
       landet und der Rückflug nicht klappt, wäre Marsgolf für das Restdasein eine
       hübsche Idee.
       
       Es scheint dem Menschen in der DNA zu liegen, kleine Kugeln mittels eines
       Stocks in ein Ziel zu befördern. Es gibt Minigolf und Bürogolf, wo um
       Tischbeine, Abfallkörbe und Chefsessel herumgeputtet wird. Beim Crossgolf
       geht es auf ungemähte Wiesen, in Industriebrachen, auf Schulhöfe, sogar in
       Fußgängerzonen kreuz und quer mit Leichtbällen zum Ziel. Das kann mal ein
       Schuss gegen eine Tür sein, in ein Mauseloch oder in eine schräg
       hingehängte Mülltonne. In Aachen ging es zum Abschlag mal hoch auf die
       Tribüne des Fußballstadions Tivoli, um von dort ins Ziel Torraum zu
       schlagen. Spektakulös.
       
       In diesem August findet die Crossgolf-WM in Winterthur statt. Womit wir
       wieder in der Schweiz sind. Die ist übrigens Titelverteidiger [3][nach dem
       Sieg 2025 in Straßburg], als rund ums Europaparlament crossgegolft wurde.
       
       Golf, der universelle Sport, [4][geht wirklich überall].
       
       19 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.golfclub-stadtwald.de/
 (DIR) [2] https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kalenderblatt/alan-shepard-golf-mond-raumfahrt-102.html
 (DIR) [3] https://crossgolf.org/2026/02/03/crossgolf-europameisterschaft-2025-in-strasburg/
 (DIR) [4] /Unabhaengigkeit-des-Crossgolfens/!5694330
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Müllender
       
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