# taz.de -- Umstrittener Gedenktag in Malawi: Tränengas am Mausoleum des Staatengründers
> Malawis 2025 abgewählter Ex-Präsident Chakwera darf für Staatengründer
> Banda keinen Kranz niederlegen. Das politische Klima wirkt zunehmend
> vergiftet.
(IMG) Bild: Lilongwe, Malawi, 13 September 2025: der frühere Präsident Lazarus Chakwera bei einer Wahlkampfveranstaltung
„Kamuzu Day“ ist in Malawi ein besonderer Tag. Der 14. Mai als Geburtstag
des ersten Staatschefs [1][Hastings Kamuzu Banda], der Malawi ab der
Unabhängigkeit 1964 dreißig Jahre lang bis 1994 autoritär führte, ist ein
nationaler Gedenktag, an dem die Nation eigentlich zusammenkommen soll.
Aber dieses Jahr wurde es ein Chaostag.
Tränengas hing in der Luft, als Ex-Präsident [2][Lazarus Chakwera] am
[3][Mausoleum des Staatengründers] einen Kranz niederlegte. Die Polizei
wollte Chakwera und seine Partei MCP (Malawi Congress Party), die Partei
Bandas, mit Gewalt daran hindern, überhaupt die Gedenkstätte zu erreichen.
Sie erklärte die MCP-Kundgebung für rechtswidrig und blockierte die Straßen
mit der Begründung, die Partei habe die Demonstrationsgesetze nicht
eingehalten.
Die MCP sagte, sie habe sehr wohl eine Genehmigung dafür erhalten, als
Partei eine Prozession vor dem Mausoleum abzuhalten, das gegenüber vom
Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Lilongwe im Kamuzu Park liegt. Sie war
vom offiziellen staatlichen Gedenkakt ausgeschlossen worden und hatte
daraufhin ihren eigenen Aufmarsch organisiert.
Es ist unüblich, bei einer solchen Gedenkfeier einen ehemaligen
Staatspräsidenten mit Tränengas zu beschießen, und es gab eine breite
Verurteilung des polizeilichen Vorgehens.
## Zwei Politiker, die sich an der Macht abwechseln
Chakwera regierte Malawi von 2020 bis 2025 und [4][verlor dann die
Präsidentschaftswahlen] an [5][Peter Mutharika] von der jetzt regierenden
DPP (Democratic Progressive Party), der damit zurück an die Macht kam, die
er 2020 nach sechs Jahren im Amt an Chakwera und die MCP verloren hatte.
Der Polizei wird jetzt vorgeworfen, ähnlich parteilich zugunsten der
heutigen Regierungspartei vorzugehen wie unter Chakwera zugunsten der
damaligen.
Atupele Muluzi, der bei den Wahlen vom September 2025 hinter Mutharika und
Chakwera auf dem dritten Platz landete und selbst der Sohn eines ehemaligen
Präsidenten ist, nämlich Bakili Muluzi, nannte den Tränengasvorfall
„zutiefst unglücklich“ und erklärte, friedliebende Malawier könnten das
nicht akzeptieren. „Jedes amtierende oder ehemalige Staatsoberhaupt
verdient Würde, Anerkennung und Respekt bei der Erfüllung seiner nationalen
Pflichten“, sagte Muluzi.
Der politische Kommentator Hopewell Chin’ono äußerte sich ähnlich. „Ein
Land kann Würde, Stabilität und Fortschritt nicht aufbauen, wenn sogar
Momente der Würdigung der Landesgeschichte in Chaos und Feindseligkeiten
münden“, sagte er. Mehrere Kommentatoren mahnten, es sei nicht gut für das
politische Klima, wenn die beiden größten Parteien des Landes an einem
nationalen Gedenktag getrennt feiern.
## „Keine Partei steht über dem Gesetz“
Mutharika und der regierenden DPP werden schon länger vorgeworfen, einen
Rachefeldzug gegen Chakwera und der MCP zu führen, indem [6][ehemalige
Minister verhaftet] werden. Die Regierungspartei rechtfertigt sich damit,
dass sie vor 2025 Opfer ähnlicher Vorgänge war.
Peter Mukhito, Minister für innere Sicherheit, stellte sich hinter die
Polizei, die völlig zu Recht eine illegale „politische Prozession“ gestoppt
habe, was nötig gewesen sei, um die öffentliche und nationale Sicherheit zu
schützen. „Keine Partei, auch nicht die MCP, sollte sich über die
Versammlungsgesetze stellen“, sagte er. Die nötigen Genehmigungsverfahren
dienten nicht der Unterdrückung, sondern der Vermeidung von Gewalt und
Verkehrsbehinderungen. Man müsse die Polizei loben, die unter „schwierigen
Umständen“ mit Zurückhaltung und Professionalität gehandelt habe. „Unsere
Beamten operieren oft unter immensem Druck, die verfassungsmäßigen
Freiheiten und die Verpflichtungen der nationalen Sicherheit miteinander in
Einklang zu bringen“, so der Minister.
Der 14. Mai wird seit 1967 in Malawi gefeiert. Der damals noch junge Kamuzu
Hastings Banda ersetzte damals nach seiner Ausrufung der Republik Malawi im
Vorjahr mit einem Einparteiensystem und sich selbst als Präsident den
bisherigen „Queen’s Day“, übernommen aus der britischen Kolonialzeit, mit
seinem eigenen Geburtstag.
14. Mai 1906 ist Bandas offizieller Geburtstag, aber ob das stimmt, ist
nicht gesichert – es gibt auch die Version, dass er bereits 1898 geboren
wurde. Der Altherrscher, der nach Massenprotesten gegen seine Herrschaft
1994 Malawis erste freie Wahlen an Bakulu Muluzi verlor, starb 1997 in
Südafrika an Herzversagen. Der 14. Mai wurde danach als Gedenktag
beibehalten.
17 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Hastings_Banda
(DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Lazarus_Chakwera
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Kamuzu_Mausoleum
(DIR) [4] /Machtwechsel-in-Malawi/!6115797
(DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Mutharika
(DIR) [6] /Malawi-nach-dem-Machtwechsel/!6148813
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