# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn an einem stillen Ort heftig debattiert wird
       
       Der beste Ort, um innerlinke Debatten zu verfolgen, ist eine Uni-Toilette.
       Idealerweise eine bei den Geisteswissenschaften.
       
       „Stalin did almost nothing wrong!“ steht da, in fetten, roten Buchstaben
       auf der Innenseite der Klokabine, dass Stalin also fast nichts falsch
       gemacht habe. Ich wollte eigentlich nur schnell pinkeln, aber jetzt bin ich
       interessiert. „Bist du dumm?! Stalin steht für Zwangsarbeit, für die
       Verfolgung von Anarchist*innen, für Queerfeindlichkeit“, hat jemand in
       Schwarz daruntergeschrieben. „Dumm als Schimpfwort zu benutzen ist
       ableistisch“, steht daneben, aber nur mit blassem Kuli geschrieben, weshalb
       ich mich anstrengen muss, um es entziffern zu können. Ein Sticker zeigt
       Wolfgang Weimar, der von einem Buch geohrfeigt wird. Auf der Wand neben mir
       wird der Nahostkonflikt diskutiert, aber es ist mir viel zu viel Text,
       deshalb verlasse ich die Klokabine lieber und gehe zum Waschbecken.
       
       „Fußball, Ficken, Feminismus“ klebt auf dem Spiegel, der Sticker wurde
       durchgestrichen. Irgendjemanden hat das wütend gemacht: „Fußball &
       Feminismus schließen sich nicht aus?!“ „Doch“, steht daneben. Ich wüsste
       gerne warum. Ich muss wiederkommen. Amanda Böhm
       
       6 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amanda Böhm
       
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