# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Auster wichtiger ist als das Pferd
       
       Es riecht nach Crêpes und nassem Rasen. Der Boden ist matschig und
       gezeichnet von Hufabdrücken. „Der nächste Starter ist André Thieme mit DSP
       Chakaria“, ertönt es durch die Lautsprecher. Durch das Gewusel hindurch,
       hinter Pommesbuden und Reitsattel-Verkäufer*innen, erscheint das große
       Springstadion in Klein Flottbek. Auf dem Springplatz stehen bunte
       Hindernisse.
       
       Mit gespitzten Ohren und wehendem Schweif trabt ein Pferd in das Stadion.
       Es ist Chakaria, eine Fuchsstute mit weißer Nase. Sie trägt schwarzes
       Zaumzeug, die Mähne ist geflochten. Imposant schüttelt die Stute den Kopf,
       als könnte sie es kaum erwarten, durch den Parcours zu galoppieren. Der
       Reiter trägt Jackett und Krawatte. Schick. Er grüßt die Richter. Ding. Die
       Startglocke ertönt und das Pferd fliegt über die Hindernisse, die so hoch
       sind, dass es sich darunter stellen könnte.
       
       Einige Menschen stehen am Rand, trinken Weißwein und essen Erdbeeren mit
       Sahne. Musik ertönt, die Runde war fehlerfrei. Ein Mann mit Federhut steht
       mit dem Rücken zum Springplatz. Er würdigt Reiter und Pferd keines Blickes,
       schlürft eine Auster und sagt: „Immerhin ist hier das Essen gut.“ Tomke
       Blohm
       
       23 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tomke Blohm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA