# taz.de -- Kampfsport als Spektakel: Preisboxen vor Pyramiden
       
       > Der ungeschlagene Box-Weltmeister Usyk und Kickbox-Champ Verhoeven
       > kämpfen um mehr als die goldene Ananas. Es geht um einen echten WM-Titel.
       
 (IMG) Bild: Pharaonen des Kampfsports: Oleksandr Usyk und Rico Verhoeven vor ihrem Kampf in Ägypten
       
       Understatement ist selten bis nie im Spiel, wenn im globalen
       Profiboxgeschäft große Kampftage erfunden werden. Darum kann die Begegnung
       zwischen Oleksandr Usyk und Rico Verhoeven auch nicht in einer ordinären
       Großarena, sondern nur vor einem geschichtsträchtigen Hintergrund steigen.
       Pyramiden sind da am besten, weil [1][der einhellige Boxchampion aus der
       Ukraine] (24 Siege in 24 Kämpfen) und [2][der einhellige Kickbox-Champion
       aus den Niederlanden] (65 Siege in 75 Kämpfen) dann um „Glory in Giza“
       streiten können. Das ist das gewollt pathetische Motto für den sogenannten
       Crossover-Fight, der am späten Samstag ägyptischer Zeit etwas
       Entscheidendes beweisen soll – wenn man nur wüsste, was genau das sein
       könnte.
       
       „Crossover“ bedeutet schließlich, dass einer der beiden Kontrahenten in
       eine Kampftechnik wechselt, die ihm nicht besonders vertraut ist. Was in
       aller Regel einen Nachteil darstellt, der gegen einen echten Champion kaum
       auszugleichen ist. Aber solche grundsätzlichen Überlegungen lässt der
       37-jährige Verhoeven für seinen besonderen Fall nicht gelten.
       
       Er glaubt an die 20 Kilo mehr, die im Vergleich zu seinem gut zwei Zentner
       schweren Gegner in seinen Fäusten stecken. Wenn die treffen, so die
       Ankündigung, werde Usyk zu Boden gehen. Außerdem stelle er mit seinen
       unorthodoxen Bewegungsmustern „eine andere Art von Puzzle“ für den noch
       unbesiegten Boxprofi dar. Der sei am Ende auch nur „ein Mann mit zwei Armen
       und zwei Beinen.“
       
       Darüber schmunzelt der 39-jährige Usyk nicht mal im Ansatz. Er hat in dem
       unerschrockenen Quereinsteiger, der seinen bisher einzigen Boxkampf vor
       zwölf Jahren in Darmstadt gewonnen hat, „eine Herausforderung“ ausgemacht.
       Für die habe er sich ebenso umfassend und konsequent vorbereitet wie eh und
       je.
       
       ## Der Wille des Boxers
       
       Weitere skeptische Nachfragen ließ der gewiefte Weltmeister von drei der
       vier maßgebenden Verbände frühzeitig ins Leere laufen. „Ich will einmal das
       machen, was ich will“, betonte er auf dem ersten Medientermin in London,
       „nicht das, was nötig ist.“ Das klang nicht zufällig wie die innige Bitte
       eines Ausnahmesportlers, der nichts mehr zu beweisen hat: Fury, Joshua,
       Dubois und andere Brocken hat der Olympiasieger von 2012 doch alle jeweils
       zweimal aus dem Weg geräumt, mit überlegener Technik und kluger Strategie.
       
       Trotzdem soll es in Gizeh nicht um einen reinen Showkampf gehen. Der World
       Boxing Council (WBC) hat das ungleiche Match tatsächlich als offizielles
       Duell um seinen WM-Titel anerkannt. Damit wagt er sich weiter vor als die
       World Boxing Association (WBA), die das Treiben nur für den Fall seines
       Sieges als Usyks Titelverteidigung registrieren will. Und auch weiter als
       die International Boxing Federation (IBF): Sie will ihren WM-Titel für
       vakant erklären, falls Herausforderer Verhoeven ein veritables Boxwunder
       gelingt. So glänzen die Governing Bodies in dem unübersichtlichen
       Sportbusiness einmal mehr mit obskuren, locker aus dem Stand getroffenen
       Entscheidungen.
       
       Den Schaden trägt in erster Linie Agit Kabayel davon. [3][Der 33-jährige
       Interims-Champion des WBC aus Wattenscheid] muss sich weiter gedulden, bis
       er Usyk zu einem ernsthaften WM-Duell herausfordern darf. Das wurde ihm im
       Prinzip zugesagt. Nur hat sein englischer Manager Spencer Brown gerade
       anderes zu tun. Dessen Unternehmen Goldstar veranstaltet zusammen mit Eddie
       Hearn, Chef von Matchroom Boxing, eben jenen Kampf in Gizeh.
       
       Der bringt weltweit im Zweifel einfach mehr Geld ein, und das ist auch
       fünfzig Jahre nach Muhammad Alis ödem Crossover-Kampf mit dem japanischen
       Catcher Inoki (Juni 1976) natürlich das schlagende Argument.
       
       23 May 2026
       
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 (DIR) [1] /WM-Triumph-im-Schwergewichtsboxen/!6055466
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Rico_Verhoeven
 (DIR) [3] /Aufstiegschancen-im-Sport/!6144901
       
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