# taz.de -- taz panternetwork: Arbeitsmethode der Zukunft
> Wie man Grenzen überwindet und kritische Stimmen im Journalismus bündelt,
> während die Pressefreiheit weltweit unter Druck steht wie nie zuvor.
(IMG) Bild: In der Sonne Perugias: Team panterstiftung nach einer Woche Networking beim Journalismus Festival
Sich für einen grenzüberschreitenden, kollaborativen Journalismus zu
engagieren, der die Gesellschaft und ihre realen Probleme mit Recherchen
verbindet, der Lösungen in verschiedenen Formaten anbietet. Darum ging es
im Kern bei der Vorstellung des neuen taz panternetworks beim
Internationalen Journalismus Festival (ijf) in Perugia im April.
Gegründet worden war das Netzwerk kurz vorher in Berlin, wo die taz
panterstiftung seit 2008 ihren Sitz hat. Es besteht aus derzeit rund 500
unabhängigen Journalistinnen und Journalisten sowie kritischen Stimmen aus
aller Welt, die als Praktikant:innen, Teilnehmer:innen an lokalen
Jugendprojekten der panterstiftung, als internationale Journalisten:innen
im Programm Rest & Resilience (Refugium) und in einem der Workshops mit
Kolleg:innen aus der MENA-Region, aus Afrika, Lateinamerika, Asien und
Osteuropa teilgenommen haben – oder mit dem taz panterpreis für
zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet wurden.
In Perugia, im Herzen der italienischen Region Umbrien, wuchs das
panternetwork in nur wenigen Tagen rasch an. Viele Journalist:innen und
Organisationen, die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzen, sind
sich einig: Netzwerke und Kollaborationen sind heute wichtiger denn je.
## Medien im Exil
Einmal für journalistische Recherchen und Veröffentlichungen, weil wir in
einer globalisierten Welt leben. Zum anderen, weil immer mehr
Journalist:innen aufgrund von Repressionen ihre Heimat verlassen müssen –
viele von ihnen setzen ihre Arbeit im Exil fort, zum Teil mit eigenen
(digitalen) Medien. Aufgrund der Einschränkungen der freien
Meinungsäußerung, selbst in Europa, wird das Überwinden von Grenzen zur
Arbeitsmethode für den Journalismus der Zukunft.
Das Team der panterstiftung hat in Perugia viel gelernt – bei Gesprächen
und Panels mit Kolleg:innen aus Ländern wie Russland, der Ukraine, Myanmar,
China, Vietnam, Indien, europäischen und amerikanischen Staaten. In der
Veranstaltung „Transnationale Repression“ ging es etwa darum, wie
autoritäre Regime Dissident:innen auch im Ausland unter Druck setzen, um
kritische Meinungsäußerungen zu unterdrücken. Anderswo ging es um Fälle, in
denen weiter berichtet wird, nachdem Journalist:innen für heikle Recherchen
mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Ein Beispiel: Die „Malta Forbidden Stories", eine Recherche, die das
Konsortium Forbidden Stories nach der Ermordung der maltesischen
Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017 fortführte. Das Projekt
brachte Fälle von Korruption auf höchster Ebene ans Licht, darunter
Geldwäsche über die Pilatus Bank, dubiose Geschäfte im Zusammenhang mit
Kraftwerken und Handel mit Reisepässen, in den Regierungsbeamte verwickelt
waren.
## Pressefreiheit unter Druck
Das gesellschaftliche Umfeld für unabhängigen Journalismus ist und bleibt
schwierig – auch das war eine kollektive Erkenntnis in Perugia. Neue
„Content-Creator:innen“ auf Social Media machen den traditionellen Medien
Konkurrenz, und in der Weltrangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne
Grenzen (RSF) sind zum ersten Mal mehr als die Hälfte der Länder der Welt
in einer „schwierigen" oder „sehr ernsten" Lage.
Noch nie in den 25 Jahren des Rankings sei der Durchschnittswert so niedrig
gewesen, schreibt RSF. „Immer restriktivere Gesetzgebungsarsenale, die sich
fast immer hinter der nationalen Sicherheitspolitik verstecken, höhlen seit
2001 das Recht auf Information aus, selbst in Demokratien.“
Zunehmend werde Journalismus kriminalisiert – wobei es regionale
Unterschiede gibt. Eine deutliche Verschlechterung erlebt der amerikanische
Doppelkontinent – die USA sind sieben Plätze abgerutscht, während mehrere
lateinamerikanische Länder „in einer Spirale aus Gewalt und Repression
versinken“, heißt es im jüngsten RSF-Bericht.
## Gemeinschaftlicher Journalismus
Weitere Herausforderungen: Der von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken
generierte Datenverkehr nimmt drastisch ab. Die Ausbreitung von
KI-Systemen, die Inhalte zusammenfassen, ohne ausreichend auf die Quellen
zu verlinken, verändert den Nachrichtenkonsum und zwingt die Medien, neue
Wege zu finden, um Mehrwert zu schaffen.
Eine der neuen Partner:innen des panternetzwerks ist das Medium Conecta
Arizona, das 2020 während der Pandemie auf WhatsApp gestartet wurde. Seine
Gründerin, die mexikanisch-amerikanische Journalistin Maritza Félix,
erzählt in Perugia, dass es ihr Ziel war, gegen Desinformation und Fake
News vorzugehen. „Wir wollten darum dorthin, wo die Menschen sind“ – und
die seien nun mal auf WhatsApp. „Wir haben kein schickes Gebäude, wir haben
keine Redaktion mit großen Bildschirmen.“ Stattdessen verbinde man die
Gemeinschaft allein über ihre Handys.
Conecta Arizona ist ein grenzüberschreitendes Medium, das ein Publikum von
mehr als 100.000 Menschen in Arizona und dem angrenzenden mexikanischen
Bundesstaat Sonora erreicht und vor allem die vor Ort lebenden
Migrant:innen mit verifizierten Informationen versorgt. Félix spricht von
der Chance, Brücken zu bauen und sich bei der Arbeit von den Bedürfnissen
der Gemeinschaft leiten zu lassen. Wobei Gemeinschaft, ein Begriff ist, der
wie das taz panternetwork keine geografischen Grenzen kennt.
Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz.
8 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Vania Pigeonutt
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