# taz.de -- Coachin über Pflege der eigenen Stimme: „Gähnen ist super“
       
       > Luisa Schillig hilft, die eigene Stimme politisch einzusetzen, ohne dass
       > sie dabei überlastet wird und Schaden nimmt.
       
 (IMG) Bild: Üben schützt: drei Frauen beim Stimmtraining
       
       taz: Was hat die Stimme mit politischem Aktivismus zu tun? 
       
       Luisa Schillig: Die Stimme ist ein Instrument der Beteiligung. Durch
       öffentliches Sprechen und Diskutieren leben wir Demokratie. Meinungsbildung
       wird überhaupt erst möglich, wenn Positionen hörbar sind. Nicht ohne Grund
       werden im Bundestag Reden gehalten. Auch auf Demos gibt es laute Stimmen.
       Aktivismus auf der Straße ist ein wichtiger Bestandteil von Demokratie.
       
       taz: Wie sind Sie darauf gekommen, sich auf Aktivismus zu spezialisieren? 
       
       Schillig: Ein großer Teil meiner Ausbildung zur staatlich geprüften Atem-,
       Sprech- und Stimmlehrerin war das Erleben der eigenen Stimme. Auch als
       Ausdruck von Persönlichkeit und Meinungen. Für mich war die Stimme schon
       immer ein wichtiges Instrument, um mich auszudrücken und politisch aktiv zu
       werden. Das eigene Interesse und die Ausbildung haben mich zur Expertin auf
       dem Gebiet gemacht. Ich erlebe nun, dass viele politisch Aktive gar nicht
       wissen, wie sie ihre Stimme effektiv einsetzen können, ohne danach belastet
       zu sein, und möchte das gerne ändern.
       
       taz: Wie geht das denn? 
       
       Schillig: Es ist wichtig, ohne viel Druck zu sprechen. Gerade wenn große
       Emotionen oder Meinungsverschiedenheiten im Spiel sind, sprechen wir häufig
       mit Druck. Dann ist Spannung im Halsbereich, die, wenn sie länger anhält
       oder oft passiert, dazu führen kann, dass die Stimme heiser wird. Zu
       schnell sprechen kann auch belasten – oder gegen andere laute Geräusche
       anreden zu müssen. Auch das veranlasst den Organismus, mit viel Druck zu
       arbeiten oder höher zu sprechen, als man es eigentlich tut. Bei Stress oder
       Aufregung passiert all das leicht: dass man höher, lauter, schneller oder
       druckvoller spricht, als es gut ist.
       
       taz: Gilt das für alle Geschlechter gleichermaßen? 
       
       Schillig: Stimmen sind unabhängig vom Gender individuell zu betrachten.
       Allerdings sind Frauenstimmen tendenziell höher und damit nicht ganz so
       tragfähig wie viele männliche Stimmen. Zudem existieren gesellschaftlich
       auch nach wie vor Rollen, die dafür sorgen, dass weiblich gelesene Personen
       eher zurückhaltender und nicht so aktiv sprechen. Aber wenn wir die Stimme
       erheben, brauchen wir auch eine Unterstützung vom Rest des Körpers!
       
       taz: Was passiert denn, wenn ich anders rede, als es eigentlich gut ist? 
       
       Schillig: Im schlimmsten Fall kann eine Überbelastung der Stimme zu
       Knötchen auf den Stimmlippen führen. Das sind Verdickungen, die zu einem
       Druckgefühl im Hals führen können, zu einem heiseren Stimmklang oder zu
       einer weniger leistungsfähigen Stimme. Umwelt- und Klimakrise können sich
       im Übrigen auch auf die Gesundheit und die Stimme auswirken. Durch
       Luftverschmutzung, Allergene und Hitze können Entzündungsreaktionen und
       Ödeme auf Stimmlippenebene entstehen.
       
       taz: Wie arbeiten Sie im Workshop? 
       
       Schillig: Jede Stimme ist willkommen. Ich teile mein Stimmwissen und
       eröffne einen Raum zum Erleben und Erheben der eigenen Stimme. Der Workshop
       ist präventiv für Menschen, die noch keine großen Probleme mit der Stimme
       haben und sie einfach besser kennen- und regenerieren lernen wollen. Wir
       schauen, was die Stimme unterstützen kann, was vielleicht noch unentdeckt
       ist. Das ist immer sehr individuell. Wir lernen, die [1][Atmung und den
       Körper] einzusetzen, um die Stimme zu unterstützen. Und wir schauen: Wie
       ist überhaupt meine mittlere [2][Sprechstimmlage], mit der ich
       normalerweise spreche – und wie kann ich lauter werden, ohne meiner Stimme
       zu schaden.
       
       taz: Was können Sie Menschen für zu Hause mitgeben? 
       
       Schillig: Gähnen ist super. Aus vollster Seele, ohne den Ton zu
       unterdrücken. Und dann schauen, was die Stimme mit sich bringt! Das ist ein
       richtiger Entspannungsmoment im Alltag. Man kann sich auch beim Sprechen
       selbst zuhören und beobachten, wie sich die Stimme verändert. Etwa durch
       [3][hormonelle Veränderungen], durch Umwelteinflüsse wie Pollen und Hitze
       oder Stress. Wenn ich angespannt bin, kann ich schauen, wie ich
       Anspannungen loswerde, die sich auch auf meine Stimme auswirken. Strecken
       und Recken ist auch immer gut für die [4][Stimmgesundheit].
       
       29 May 2026
       
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