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1 Gerhard Schröder ist nicht neutral
Wer hätte das gedacht: Der frühere Nord-Stream-Lobbyist und noch frühere
Bundeskanzler Gerhard Schröder kommt für die meisten Europäer nicht als
garantiert unparteiischer Vermittler zwischen Russland und der Ukraine in
Betracht. Aber schön, dass wir mal wieder darüber geredet haben – für
Wladimir Putin. Glückwunsch an den Kremlchef, der mit seinem „Vorschlag“
die immer gleichen Reflexe auslöste (Ralf Stegner und die Berliner Zeitung
dafür, Agnes Strack-Zimmermann und Kaja Kallas dagegen), womit Putin erneut
erfolgreich von seinen Verbrechen ablenkte, die er, wenn er denn wollte,
sofort beenden könnte.
2 Donald Trump ist unberechenbar
Es wäre durchaus interessant zu wissen, was der US-Präsident im Nahen Osten
plant, schließlich hängen davon nicht weniger als das Schicksal einer
Region und die Weltwirtschaft ab. Doch während sein Militär in der
Sackgasse von Hormus feststeckt, erklärte Trump: „Ich lege die Iraner mal
zur Seite, und wir haben ein kleines Dinner“ – bei dem er seinen Vize J. D.
Vance zum Wunschnachfolger ausrief. Also drehen sich die Weltnachrichten
weiter ratlos im Kreis um Trumps widersprüchliche Andeutungen zwischen
einem Totalrückzug und Irans Totalvernichtung.
3 Friedrich Merz ist unbeliebt
Für große Aufregung in Deutschland sorgten in dieser Woche die Buhrufe für
den amtierenden Kanzler Friedrich Merz beim DGB, obwohl es viel
überraschender gewesen wäre, wenn die GewerkschaftsbündlerInnen den schon
immer verhassten Blackrocker gefeiert hätten. Aber anders als
Vorvorvorgänger Schröder hat es Merz geschafft, sich schon vor konkreten
Sozialkürzungen komplett unbeliebt zu machen. Nur für die taz bleibt der
Kanzler unersetzlich, gerade weil er nicht aalglatt ist. Nichts kommt so
gut an wie der x-te Merz-Scherz auf dem Titel. Ohne ihn gäb’s nur noch
Trump, und das kann niemand wollen.
4 10 Downing Street ist ein Schleudersitz
Keir Starmer, der fünfte britische Premierminister seit dem Brexit vor zehn
Jahren, ist bis Redaktionsschluss noch nicht zurückgetreten. Aber es sieht
alles danach aus, dass sich nach den Tories auch Labour selbst zerfleischt
und ausgerechnet dem Brexit-Erfinder Nigel Farage das Feld überlässt. Oh,
Lord!
5 Der FC Bayern ist unschlagbar
Nichts ist langweiliger als der deutsche Fußball. Nach der Meisterschaft
der Männer und der Meisterinnenschaft der Frauen hat der FC Bayern jetzt
auch den DFB-Pokal der Frauen gewonnen. Doch es gibt Hoffnung: wenn
Hannover 96 aufsteigt, also wieder gegen die Bayern spielt, und Gerhard
Schröder als garantiert unparteiischer Schiedsrichter eingeteilt wird.
(lkw)
16 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Lukas Wallraff
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