# taz.de -- Weniger Stadt, mehr Land
> Auch Flächenländer wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen
> präsentieren sich mit Internationalen Bauausstellungen. Mit
> unterschiedlichem Erfolg
Lange haben sie in Weimar darüber nachgedacht, wie die Internationale
Bauausstellung ([1][IBA) in Thüringen] zu nennen sei. Große Städte, die mit
spektakulären Bauprojekten glänzen, gibt es nicht im Flächenland – also
wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Die IBA, die 2023 nach elf Jahren
abgeschlossen wurde, hieß kurzerhand wie diese Seiten in der wochentaz:
Stadtland.
Von Thüringen zu lernen, hat sich IBA-Chefin Marta Doehler-Behzadi
vorgenommen. „Wir wollen die Frage stellen, wie ein Bundesland, das
demografisch unter einem riesigen Druck steht, Wege in die Zukunft finden
kann.“ Vor allem in ländlichen Räumen fanden dann die Projekte statt.
Zum Beispiel im Schwarzatal, einer lieblichen Landschaft im Süden
Thüringens an der Grenze zu Bayern. Viele sind seit der Wende abgewandert.
Ein Nachwende-Zonenrandgebiet, in dem die Zivilgesellschaft aber noch
intakt war. [2][„Resilientes Schwarzatal“] hieß das Projekt und war der
Versuch der Dörfer und Städte, entlang der Schwarza und Saale die
gewachsene Landschaft zu erhalten und dennoch zukunftsfähig zu machen. Zum
Beispiel durch den punktuellen Aufbau einer touristischen Infrastruktur.
Also wurde der leer stehende Bahnhof in Rottenbach saniert. Im „Tor ins
Schwarzatal“ wird seit 2019 ein [3][Bahn-Hofladen] betrieben.
Landumbau statt Stadtumbau war 2010 das Thema der IBA Fürst-Pückler-Land in
Brandenburg. Noch bevor in der Lausitz vom sprichwörtlichen Strukturwandel
die Rede war und viel Geld floss, setzte [4][IBA-Chef Rolf Kuhn] darauf,
die Region auf das postfossile Zeitalter vorzubereiten, ohne ihren
industriellen Charakter zu leugnen.
Misst man eine IBA daran, ob es gelingt, die Menschen mitzunehmen? Oder
daran, früh schon Themen zu setzen, auch wenn sie erst mal schräg anmuten?
Letzteres ist in der Lausitz gelungen. Die F60 in Lichtenfels, einst größte
Förderbrücke der Welt, ist längst eine Attraktion. Nach dem Bergbau kommt
der Tourismus. Was nicht kam, sind die [5][schwimmenden Häuser in der
Lausitzer Seenlandschaft]. Rechtliche Probleme. Auch eine IBA, so
experimentell sie sein mag, kann die deutsche Bürokratie nicht außer Kraft
setzen.
Was tun, wenn so viele gehen und kaum mehr einer kommt? Wie reagiert eine
IBA auf eine schrumpfende Region? Das war das Thema der [6][IBA Stadtumbau
in Sachsen-Anhalt]. Ziel war es, bis 2010 dem Aderlass mit geschärften
Profilen der Schrumpfstädte zu begegnen – und so eine Art Markenkern
herauszuschälen.
In Magdeburg wandte sich die Stadt mit zahlreichen Projekten wieder der
Elbe zu. In Dessau wurden „Stadtinseln“ identifiziert, städtische Kerne,
zwischen denen auch gegärtnert werden durfte. Andere Städte wie
Aschersleben wurden bis auf den Kern zurückgebaut. Nimmt man so die
Menschen mit? Durchs Gesundschrumpfen? Oder bleibt am Ende die Erfahrung
von Veränderung als Verlust?
Diese existenziellen Fragen zu vermitteln, ist vielleicht mit einer
Land-IBA noch schwieriger als in Berlin oder Hamburg. Uwe Rada
2 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://iba-thueringen.de/
(DIR) [2] https://iba-thueringen.de/projekte/schwarzatal-resiliente-region
(DIR) [3] https://www.bahn-hofladen.de/
(DIR) [4] /!5818065&SuchRahmen=Print
(DIR) [5] http://www.iba-see2010.de/de/verstehen/projekte/schwerpunkte/schwimmarch/schwarchistorie.html
(DIR) [6] https://www.internationale-bauausstellungen.de/geschichte/2002-2010-iba-stadtumbau-weniger-ist-zukunft/
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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