# taz.de -- Gen-Z und der Arbeitsmarkt: Letzte Hoffnung Bundeswehr?
       
       > Die Gen-Z konkurriert auf dem Arbeitsmarkt irgendwo zwischen Boomern und
       > KI. Führt die letzte Ausfahrt in die Bundeswehr? Ruth Fuentes über die
       > Verzweiflungen einer ganzen Generation.
       
 (IMG) Bild: Wer noch eine Festanstellung möchte, müsste zur Bundeswehr gehen, meint unsere Autorin
       
       [1][taz FUTURZWEI] | Wenn eine von uns wieder einmal am Leben verzweifelt,
       erzählen eine Freundin und ich uns diesen Witz. Wir glauben, es liegt ein
       Fluch über Berlin. Von den drei Dingen, die Menschen im Leben suchen –
       einen festen, gutbezahlten Job, eine unbefristete Wohnung (mit Anmeldung)
       und eine funktionierende Liebesbeziehung – bleibt eines immer unerfüllt.
       
       Als wäre es ein Naturgesetz. An irgendeiner Stelle ist man immer im
       Bewerbungs- oder Kennenlernmodus, voller Hoffnungen in die Zukunft und wird
       am Ende doch geghostet. Obwohl wir der [2][Gen Z] angehören, also der
       vermeintlichen Work-Life-Balance- und [3][Homeoffice]-Generation, belastet
       uns tatsächlich auch das Thema Arbeit. Meine Freundin erzählt mir schon
       wieder von einer Freundin, die seit Monaten verzweifelt nach einem festen
       Job in ihrem Bereich sucht. Mittlerweile ist die Jobsuche selbst zu ihrer
       Arbeit geworden.
       
       ## Flexibilität, Festanstellung und Friedrich Merz
       
       Jungen Menschen bräuchten ja so viel Flexibilität, heißt es immer wieder.
       Aber sind es vielleicht doch die Unternehmen, die sich alles offenlassen,
       indem sie oft nur befristete Stellen ausschreiben oder Projektarbeit?
       
       Unser Gefühl scheint jedenfalls nicht zu trügen. „Die Gen Z findet keine
       Arbeit“, meldete kürzlich das [4][ZDF]. Ich kann mich glücklich schätzen,
       dass ich meine Arbeit als freiberufliche Journalistin habe, dachte ich da.
       
       Wobei: Was zählt denn überhaupt als Arbeit? Darf ich von richtiger Arbeit
       erst sprechen, wenn ich einen Vollzeitstellen-Vertrag auf Lebzeit
       unterschrieben habe? Oder wenn ich davon auch richtige Schwielen an den
       Händen bekomme? Oder wenn ich richtig viel Geld verdiene? Und wie viel?
       
       Neben [5][Friedrich Merz] gibt es in meinem Leben noch mindestens drei
       weitere Leute, die fest davon überzeugt scheinen, dass ich nicht „richtig“
       arbeite. Mein Vater („Und hast du jetzt endlich einen Job, also einen mit
       Vertrag?“), meine Sparkassenberaterin („Kommt da diesen Monat eigentlich
       noch was auf Ihr Konto? Brauchen Sie Hilfe?“) und die Besitzerin einer
       freien Mietwohnung, die ich letztens am Telefon hatte. („Ich brauche da
       leider Nachweise, dass Sie auch wirklich arbeiten. Haben Sie denn wirklich
       keinen Arbeitsvertrag? Das ist leider sonst total unsicher für uns.“)
       
       Und für mich nicht, oder was? Vor Kurzem habe ich gelesen, dass junge
       Menschen so viel arbeiten wie seit den Neunzigern nicht mehr. Kein Wunder,
       vielleicht haben es die Eigenheimbesitzer, die sich über die faule Gen Z
       echauffieren, noch nicht bemerkt, aber: Ohne Arbeit kann man sich by the
       way in den meisten Städten Deutschlands die Miete leider gar nicht mehr
       leisten.
       
       Dazu kommen die Kosten für das Internet, die Stromrechnung, die
       Krankversicherung, die Rentenversicherung, die Rundfunkgebühren,
       Lebensmittel, [6][ÖPNV].
       
       Nein, das ist nicht voll chillig, wenn man das alles vom Jobcenter bezahlen
       lässt, um dann die arbeitsfreie Zeit rumzuhängen, weil es nicht mal mehr
       fürs Kino reicht. Und nein, es haben auch nicht alle reiche Eltern. Und
       selbst die mit reichen Eltern suchen vielleicht auch nach einer sinnvollen
       Tätigkeit.
       
       Surprise: Die meisten Menschen in ihren Zwanzigern wünschen sich einen Job,
       von dem sie gut leben können, in dem sie Wertschätzung erfahren und eine
       sinnvolle Tätigkeit sehen – jedenfalls stand das letztens so in einem
       Artikel. Und ich fand das jetzt nicht so verkehrt, oder?
       
       Ein Freund sagte in seiner Verzweiflung kürzlich mal zu mir: „Nur noch ein
       paar Jahre warten, dann gehen die ganzen Boomer in Rente und dann werden
       endlich richtig viele gute Stellen frei.“ Also natürlich nur, wenn diese
       nicht von einer KI übernommen werden oder aus „Kostengründen“
       wegrationalisiert werden.
       
       Und wer jetzt wirklich dringend eine Festanstellung möchte, der kann
       einfach bei der [7][Bundeswehr] anfragen.
       
       🐾 Lesen Sie weiter: Dieser Artikel erschien zuerst in der neuen Ausgabe
       unseres taz-Magazins FUTURZWEI N°36 mit dem Titelthema „Die AfD
       interessiert uns nicht“. Jetzt bestellen im [8][taz Shop].
       
       28 Apr 2026
       
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