# taz.de -- Versuchter Amoklauf in den USA: Schüsse beim Korrespondenten-Dinner
       
       > Bei einem Dinner mit US-Präsident und Pressevertretern dringt ein
       > Bewaffneter in das Hotel ein. Trump nutzt den Vorfall umgehend für
       > Propaganda.
       
 (IMG) Bild: Aufgehalten: Sicherheitsbeamte beim Medien-Dinner in Washington
       
       Gäste, die unter Tischen Schutz suchten und Politiker:innen, die von ihren
       Leibwächter:innen Hals über Kopf in Sicherheit gebracht wurden. Es
       waren Szenen des Chaos, die sich am Samstagabend in einem Hotel in der
       US-Hauptstadt Washington abspielten. Mittendrin war auch US-Präsident
       Donald Trump.
       
       Dieser sollte bei der [1][alljährlichen Dinner-Veranstaltung der White
       House Correspondents’ Association (WHCA)] eine Rede halten. Es war Trumps
       erster Besuch der Veranstaltung als amtierender Präsident und sein erster
       überhaupt seit 2011. Doch nur kurze Zeit nach Ankunft von Trump und First
       Lady Melania Trump sorgte ein Vorfall für ein jähes Ende des Abends.
       
       Doch der Reihe nach. Die Gala-Veranstaltung der Korrespondenten-Vereinigung
       ist der krönende Abschluss einer Woche, in der sich Washingtons
       Politiker:innen, Medienvertreter:innen und Lobbyist:innen selbst
       feiern. Es gibt unzählige Veranstaltungen auf denen getanzt, getrunken und
       genetworkt wird.
       
       Den Gästen des diesjährigen Korrespondenten-Dinners wurde gerade eine
       Vorspeise serviert, als mehrere laute Knallgeräusche zu hören waren. Diese
       waren auch den Videoaufnahmen der Veranstaltung zu entnehmen. Sekunden
       später riefen Mitglieder des amerikanischen Secret Service: „Shots fired,
       heads down“. Den Gästen sollten sich ducken. Trump, First Lady Melania und
       Vizepräsident J. D. Vance sowie andere Vertreter der US-Regierung wurden
       gleichzeitig in Sicherheit gebracht.
       
       ## Kein Mord in der Lobby
       
       „Wenn man etwas bewirkt hat, dann haben sie es auf einen abgesehen. Wenn
       man nichts bewirkt hat, dann lassen sie einen in Ruhe“, sagte Trump zwei
       Stunden später im Weißen Haus. Trump, wie auch alle anderen Besucher der
       Veranstaltung, blieben unverletzt. Obwohl der Saal des Washington Hilton
       Hotels mit unzähligen hochkarätigen Journalist:innen besetzt war, blieb
       die Nachrichtenlage zunächst unübersichtlich.
       
       Der mutmaßliche Amokläufer, der von mehreren US-Medien als 31-jähriger Cole
       Tomas Allen identifiziert wurde, stürmte die Hotel-Lobby um kurz nach 20:30
       Uhr Ortszeit. Bewaffnet war er mit mehreren Schusswaffen sowie Messern.
       Sicherheitskräfte zogen daraufhin ihre Dienstwaffen und ein Schusswechsel
       folgte.
       
       „Ein Beamter wurde angeschossen, überlebt aber – offensichtlich dank der
       sehr guten schusssicheren Weste, die er trug. Er wurde aus nächster Nähe
       mit einer sehr leistungsstarken Waffe angeschossen, und die Weste erfüllte
       ihren Zweck. Ich habe gerade mit dem Beamten gesprochen, und es geht ihm
       hervorragend“, sagte Trump später.
       
       Der US-Präsident teilte auf der Social-Media-Plattform Truth Social auch
       ein Foto des angeblichen Schützen. Darauf zu sehen ist ein Mann, der
       gefesselt mit dem Bauch auf dem Boden liegt.
       
       ## Trump spricht von Einigkeit
       
       „Heute Abend versuchte ein Feigling, eine nationale Tragödie
       herbeizuführen. Er unterschätzte jedoch die Fähigkeiten des US-Secret
       Service und wurde beim ersten Kontakt gestoppt“, sagte der stellvertretende
       Secret Service Direktor Matthew Quinn in einer Erklärung.
       
       Über das Motiv des Schützen war bis Redaktionsschluss noch nichts bekannt.
       Sowohl die Bundesbehörden als auch die lokale Polizeibehörde in Washington
       gehen davon aus, dass es sich bei dem angeblichen Schützen, Cole Tomas
       Allen, um einen Einzeltäter gehandelt habe. Er soll ein Gast des Hotels
       gewesen sein. Allen soll aus Kalifornien stammen und einen
       Ingenieursabschluss von der renommierten California Institute of
       Technology, auch bekannt als Caltech, besitzen.
       
       Zuletzt soll er als Lehrer und Videospiel-Entwickler tätig gewesen sein. Ob
       er vorbestraft ist, war zuletzt ungewiss. Laut der Bundesstaatsanwältin der
       US-Hauptstadt, Jeanine Pierro, wird sich der Verdächtige zu zwei
       Anklagepunkten verantworten müssen, darunter wegen Angriffs auf einen
       Polizeibeamten mit einer tödlichen Waffe. Am Montag soll er zur
       Anklageverlesung vor Gericht erscheinen. „Er ist ein kranker Mensch – ein
       sehr kranker Mensch“, sagte Trump über den Schützen.
       
       Sollte sich herausstellen, dass der US-Präsident das Ziel des versuchten
       Anschlags gewesen sei, dann wäre dies bereits der dritte Attentatsversuch
       gegen Trump. Vor etwas weniger als zwei Jahren entkam er nur knapp mit dem
       Leben, als die Kugel eines Attentäters ihm während einer
       Wahlkampfveranstaltung knapp seinen Kopf verfehlte und sein Ohr touchierte.
       
       ## Angriff kam Trumps Angriff zuvor
       
       „Dies war eine Veranstaltung, die der Meinungsfreiheit gewidmet war und
       Mitglieder beider Parteien mit Vertretern der Presse zusammenbringen sollte
       – und in gewisser Weise ist ihr das auch gelungen, denn sie haben sich
       schlichtweg zusammengeschlossen. Ich sah einen Raum, der vollkommen geeint
       war“, behauptete Trump.
       
       Nicht jeder teilt diese Meinung. Dutzende Journalisten und Medienvertreter
       hatten die Einladung zum diesjährigen Korrespondenten-Dinner ausgeschlagen,
       da sie Trumps anhaltende Attacken gegen Journalisten und die Pressefreiheit
       nicht verharmlosen wollten.
       
       Laut Medienberichten hatte Trump geplant, die versammelte Medienprominenz
       während der Veranstaltung anzugreifen. Besonders im Visier hatte er die
       Medien, die negativ über seine Regierung und seinen Krieg mit dem Iran zu
       berichten. Trump selbst bezeichnete seine geplante Rede als die
       „unangemessenste Rede“, die er jemals gehalten hätte.
       
       Die Veranstaltung soll laut Trump innerhalb der nächsten 30 Tage neu
       angesetzt werden. Er habe jedoch vor, beim nächsten Mal „sehr nett“ und
       „sehr langweilig“ zu sein.
       
       26 Apr 2026
       
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