# taz.de -- Wo bleibt die Rettung für Absteiger?: Gestrandete Fußballvereine
> Trotz ihres Rettungseifers vergessen die Deutschen ihre Klubs in
> Abstiegsnot. Es fehlen Konzepte. Influencer und Menschenketten könnten
> helfen.
(IMG) Bild: Noch zu retten? Der FC St. Pauli wirkte nach dem Remis gegen Köln sehr niedergeschlagen
Ganz allgemein wird in Deutschland viel und gern gerettet. Lebensmittel,
zum Beispiel, [1][Banken], Entenküken, man kennt das. Fußballklubs werden
dagegen selten vor schlimmen Schicksalen, namentlich Abstiegen, gerettet.
Was vermutlich daran liegt, dass verlässlich in jedem Frühling pro Liga –
und es gibt sehr, sehr viele Ligen im Land – drei bis fünf Teams das
Publikum und die Politik mit schwerem Punktemangel ermüden. Teure
Rettungsaktionen kommen aber auch deswegen meistens nicht infrage, weil das
Konzept „absteigen, um gleich wieder aufzusteigen“, nicht aufgeht.
Und so kann man fast schon froh sein, dass noch kein [2][abstiegsbedrohter
Bundesligaverein] auf die Idee kam, dem Elend ein Ende zu bereiten und in
die Nord- oder Ostsee zu steigen. Und sich dort dann eine hübsche, flache
Sandbank [3][in einer idyllischen Bucht zu suchen], auf der in aller Ruhe
auf Rettung gewartet werden kann – untermalt von traurigen Fangesängen.
## Ein Volk aus 75 Personen
Gut, mit dem dafür erforderlichen Volkszorn über „die da oben“, die lieber
mündigen Bürgern Vorschriften machen, statt den armen Verein zu retten,
dürfte es zunächst schwierig werden. Aber irgendein Influencer wird sich
schon finden, der Tag und Nacht in Livestreams Influencerdinge tut und das
Volk zu Widerstand und Menschenketten aufruft. Zumal in Fällen großer
moralischer Empörung schon rund 75 demonstrierende Leute mit Pappschildern
als Volk gelten, entsprechend werden bereits aus ungefähr 25 Personen
bestehende Menschenketten als vollwertiger Protest gewertet.
Dass es bislang noch kein erprobtes Rettungskonzept für gestrandete
Fußball-Erstligisten gibt, spielt dabei keine Rolle, irgendjemand mit Geld
und Geltungsdrang wird sicher eine tolle Idee haben und dann kann losgelegt
werden. Vor den Augen der Weltpresse, natürlich, und noch dazu risikolos,
denn wenn es schiefgeht sind natürlich „die da oben“ schuld, klar, wer auch
sonst.
Aber nein, natürlich wird das nicht passieren, und das nicht nur, weil
Heidenheim sehr, sehr weit weg vom nächsten Meer liegt, sondern auch, weil
der Fußball mit so neumodischem Killefiz nichts zu tun haben will. Sondern
lieber auf Bewährtes setzt: Durchhalteparolen, Trainerentlassungen, „die
Hoffnung stirbt zuletzt“ sagen und schließlich absteigen und, natürlich,
den sofortigen Wiederaufstieg ankündigen. Plus einen Mäzen vorstellen, der
aber nach zwei Jahren zweiter Liga sein Geld zurückfordern wird. Immerhin
verlässlich, das Ganze.
19 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Elke Wittich
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