# taz.de -- „Only Margo“ auf Apple TV: Dann eben digitale Sexarbeit
> Margot wird schwanger und gerät so in Geldnot. Also zieht sie sich online
> aus. Die Serie inszeniert sich zwar nicht sozialkritisch, besticht aber
> anders.
(IMG) Bild: Michelle Pfeiffer und Elle Fanning in einer Szene der achtteiligen Serie „Only Margo“
Margo hat Geldprobleme. So nüchtern lautet der Originaltitel der Serie, die
bei uns „Only Margo“ heißt. Gerecht werden der Serie beide Versionen nicht.
Denn einerseits geht es hier thematisch doch um mehr als bloß einen
finanziellen Engpass und andererseits doch nicht so reißerisch zu, wie die
Anspielung auf den für nicht jugendfreie Inhalte bekannten [1][Onlinedienst
OnlyFans] vermuten lässt.
Wohlstand ist Margo (Elle Fanning) – aufgewachsen als Tochter einer
alleinerziehenden Hooters-Kellnerin im wenig glamourösen Teil von Orange
County – seit jeher fremd. Das Creative-Writing-Studium am örtlichen
College finanziert sie sich mit Arbeit in einer Pizzeria, von Eliteunis
wagte sie nie zu träumen – trotz eines beträchtlichen schriftstellerischen
Talents, das ihr verheirateter Professor ihr attestiert, mit dem sich Margo
prompt auf eine Affäre einlässt. Als sie dann ungeplant schwanger wird und
sich entscheidet, das Kind zu behalten, werden die ganz normalen Geldsorgen
allerdings spürbar größer.
Der Alltag mit Baby ist beglückend und anstrengend gleichermaßen, aber vor
allem teuer: Kinderwagen kosten fast so viel wie ein Gebrauchtwagen, der
Erzeuger distanziert sich, der Nebenjob ist ohne feste Kinderbetreuung
nicht zu halten, und die halbe WG zieht angesichts des kleinen Schreihalses
bald aus. Margos Mutter Shyanne (Michelle Pfeiffer), inzwischen Verkäuferin
im Einkaufszentrum und auf eine Ehe mit Pastor Kenny (Greg Kinnear)
hoffend, ist aus verschiedensten Gründen nicht die enthusiastischste Hilfe.
Doch dann steht irgendwann ihr bis dato weitestgehend abwesender Vater
(Nick Offerman) vor der Tür, frisch aus dem Entzug kommender Ex-Wrestler,
der sowohl ein Zimmer als auch eine Beschäftigung gut gebrauchen kann. Und
mithilfe ihrer Freundin Susie (Thadea Graham) kommt Margo schließlich
darauf, dass sich mit einem OnlyFans-Account auch als übermüdete Mutter
ohne verlässliche Arbeitszeiten Geld verdienen lassen könnte.
Wer das Schaffen von Serienurgestein David E. Kelley kennt, der hier einen
Roman von Rufi Thorpe adaptiert, wer vertraut ist mit seinen Werken von
[2][„Ally McBeal“] bis [3][„Big Little Lies“], ahnt: In „Only Margo“ geht
es kaum um das Ausleuchten echter sozialer Nöte und Existenzängste.
Wirklich etwas zu sagen über gesellschaftliche Herkunft oder die
strukturelle Benachteiligung der Arbeiterklasse hat sie Serie letztlich
nicht.
Auch im Umgang mit dem Thema Sexarbeit ist sie ein wenig halbherzig. Zwar
geben sich die acht Folgen für eine US-Mainstreamproduktion in Wort und
Bild vergleichsweise offenherzig und verwahren sich nicht zuletzt die
Figuren immer wieder gegen jede Herabwürdigung. Letztlich wird dann aber
doch der Fokus eher auf die skurrilen Seiten von Margos Tätigkeit gelegt
als auf Sex.
Womit die Serie dennoch besticht, ist ihre enorme Menschlichkeit. „Only
Margo“ setzt, auch mittels exzellenter Schauspielleistungen, auf die
Komplexität und Glaubwürdigkeit der Figuren, dank derer sowohl der Humor
als auch die dramatischeren Momente der Geschichte überzeugen.
Wie diese unperfekte, schräge und mit den Umständen ringende
Patchworkfamilie sich zusammenrauft und das Leben meistert, geht ehrlich zu
Herzen – und steht in angenehmem Widerspruch nicht nur zu glatt polierten
Insta-Narrativen, sondern auch zum stressigen Zynismus, der in anderen
Serien über den Alltag junger Menschen aktuell oft vorherrscht.
17 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Patrick Heidmann
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