# taz.de -- tazđŸlage: Offen gesagt
Es kommt einem kaum noch in den Kopf, dieses tĂŒckische kleine Virus, das
vor gar nicht so langer Zeit die ganze Welt halb lahmgelegt hat. In manchen
Situationen fÀllt es einem aber wieder ein.
Zum Beispiel in Redaktionskonferenzen: Dass so gut wie jede Konferenz in so
gut wie jedem Medienhaus im Regelfall âhybridâ, also halb in echt und halb
per Videoschalte ausgerichtet wird, darf als postpandemischer Effekt
bezeichnet werden.
âHört ihr mich?â, âSeht ihr das?â sind nun Fragen, die in einer
durchschnittlichen Zusammenkunft dieser Art hÀufiger gestellt werden als
sagen wir mal âStimmt das?â oder âSpinnst du?â. Jahrelang in Schule und
Studium eingeĂŒbte Techniken der verdeckten Kommunikation greifen auĂerdem
nicht mehr, weil ein Mikrofon ungĂŒnstig positioniert oder der berĂŒhmte
âStummâ-Knopf nicht gedrĂŒckt wurde.
Das musste auch ein nicht nÀher benannter Mitarbeiter eines nicht nÀher
benannten Ressorts der taz am DonnerstagfrĂŒh erfahren, als er einer
Kollegin in knappen, womöglich unvollstÀndigen, unter UmstÀnden sogar
frech-verkĂŒrzten Worten erklĂ€ren wollte, wo der Kollege aus Oldenburg, der
gerade spricht, politisch zu verorten sei. Durch die prÀzisen
Tischmikrofone gelangten die vertraulich gemurmelten Vokabeln in die
Kopfhörer der Heimarbeitenden. Der Fauxpas wurde prompt angesprochen. Wer
was wie verstanden hat, blieb aber unklar.
GlĂŒck gehabt, Kollege. Nicht auszudenken, wenn eine mutmaĂlich
despektierliche ĂuĂerung unbedarft an die HeimarbeitsplĂ€tze gefunkt worden
und da sogar verstanden worden wĂ€re. Ein âSpinnst du?â wĂ€re das Mindeste
gewesen. knw
17 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Konstantin Nowotny
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