# taz.de -- Die Macht in der Stadt
       
       > Viel zu schalten und zu walten: Das Bürgermeisteramt verleiht in
       > Baden-Württemberg den Amtsinhabern reichlich Gewicht
       
       Von Benno Stieber
       
       Ein kleiner Sonnenkönig ist der Oberbürgermeister in Baden-Württemberg. Er
       wird direkt von den Bürgern gewählt, bleibt mindestens acht Jahre im Amt
       und kann nicht abgewählt werden. Damit wird er in der Regel nicht gemeinsam
       mit dem Gemeinderat gewählt. Denn der wird alle fünf Jahre gewählt. Mit so
       viel Macht ist kaum ein anderes Amt ausgestattet.
       
       In vielen anderen Bundesländern wählt der Rat den Bürgermeister, Amtszeiten
       sind kürzer, die Macht damit stärker verteilt. Im Südwesten dagegen
       dominiert die Exekutive. Baden-Württemberg setzt auf Kontinuität durch den
       starken Oberbürgermeister. Der oft mehrfach wiedergewählt wird. Eine
       Altersgrenze gibt es seit 2023 nicht mehr.
       
       Auch deshalb sind OB-Wahlen Persönlichkeitswahlen, bei denen mehr noch als
       bei anderen Wahlen Charisma wichtiger ist als das konkrete Programm. Weil
       sie sich auf wechselnde Mehrheiten im Rat stützen können, sind die
       Kandidaten in der Regel parteiunabhängiger, oft treten sie heute ganz ohne
       Parteibuch an.
       
       Ihre Macht ist umfangreich: Oberbürgermeister bestimmen die Tagesordnung
       und leiten die Ratssitzungen. Sie stimmen als Letzte ab und sind so bei
       Stimmengleichheit im Rat ausschlaggebend. Zudem ist die Oberbürgermeisterin
       auch Chefin der Verwaltung. In dringenden Fällen kann sie ohne den
       Gemeinderat entscheiden. Experten sprechen deshalb von einem
       „präsidentiellen Zuschnitt“ des Oberbürgermeisteramts. Mit dem Risiko, die
       Macht zu stark zu konzentrieren.
       
       In den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Bürgermeister vor
       allem kleinerer Gemeinden wegen ihrer Amtsführung in die Kritik geraten
       sind. Im badischen Appenweier etwa wirft der Gemeinderat seinem
       Bürgermeister vor, Whiskey, der als Geschenk der Gemeinde angekauft wurde,
       selbst getrunken zu haben. Der Rat beschwerte sich beim Landratsamt als der
       Aufsichtsbehörde und forderte auch wegen Mobbings gegen Mitarbeiter den
       Rücktritt. Doch der Bürgermeister blieb im Amt. Wegen solcher Fälle fordert
       der Verein Mehr Demokratie die neue Stuttgarter Landesregierung auf, die
       Abwahl der kleinen Sonnenkönige bei schweren Verstößen zu ermöglichen.
       
       18 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Stieber
       
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