# taz.de --
Zu Hause – wo ist das? Sehnsuchtsort oder Gedankenkonstrukt? Wer und was
definiert das?
Ein erster Impuls wäre meine Wohnung, da wo ich meine Tür abschließen kann,
für mich alleine bin, wann immer ich will. Berlin. Klar, hier bin ich
aufgewachsen, zur Schule gegangen, hab mich hier zum ersten Mal verliebt,
mein Kinn aufgeschlagen, die ersten Enttäuschungen und Erfolgserlebnisse
gehabt. Kenne mich aus, hab hier „meine Ecken“.
Wenn mich jemand fragt – egal, in welcher Gegend der Welt –, woher ich bin,
dann antworte ich immer: „Aus Berlin.“ Die Stadt, die so viel mehr ist als
das. Nicht das Land drumherum.
Aber ist das zu Hause? Ein Freund von mir sagte letztens, „zu Hause ist
Sprache“. Das fand ich schön, weil es so viel beschreibt. Sprache als
Erklärer, Seelendraht, Ventil. Das kann nur diese eine, die Muttersprache.
Ich spreche wohl gut Englisch, aber wie zu Hause fühlt sich das nicht an.
Ich kann so ziemlich alles verstehen, mich erklären, kann mich
zurechtfinden, Filme sehen, Bücher lesen, mich gut unterhalten. Aber zu
Hause ist das nicht. Der kommunikative Zweitwohnsitz sozusagen. Auch schön
– und Luxus. Die zusätzliche Sprache kann ein Zuhause werden – wenn sie
soll oder muss. Mit viel Arbeit in beiden Fällen.
Aber zu Hause ist mehr. Das sind meine Menschen, wichtige Menschen,
Familie, Freunde, Nachbarn, die etwas zusammen formen. Der Typ vom Späti an
der Ecke, der Postmann, die Kassiererin im Supermarkt die Straße runter
…Vielleicht ist es nur ein Gegenstand. Mein Zeichentisch, ein Blatt Papier,
ein Stift, ein Gefühl. Ankommen. Rauslassen können. Also wieder ein Ventil.
Wenn’s ein Ventil ist, dann bin ich selbst mein Zuhause. Das beruhigt, weil
dann kann ich es nicht so leicht verlieren. Hab’s immer dabei. Schön, so
was sagen zu können. Schön, ein Zuhause zu haben.
Christian Rothenhagen
31 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Christian Rothenhagen
## ARTIKEL ZUM THEMA