# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es im Untergrund gemütlich zugeht
Ein ungeduldiger Blick in den dunklen Schacht am Ende des Bahnsteigs, dabei
ist klar: Es dauert noch zwei Minuten, bis die U-Bahn an der Haltestelle
Marienplatz ankommt. Als sie schließlich einfährt, öffnen sich die Türen,
alles wie gehabt.
Einmal eingestiegen, kann man in Stuttgart allerdings fast vergessen, dass
man in einer U-Bahn ist.
Runde, geschwungene Formen und Farbkombinationen, die an die 70er Jahre
erinnern: kastenförmige, helllila Sitze vor eierschalenfarbenen Wänden, und
auch die großen runden Griffe sind in diesem Fliederton. Ich halte mich an
ihnen fest und schaue mich um nach einem geeigneten Platz. Links und rechts
vom Gang lauter Vierer, jeder Sitz darin so breit wie ein Sessel. Fettes
Polster, in das ich einsinke, kein Krümel stört, kaum ein Fleck irritiert.
In der Mitte jeder Sitzgruppe ein hohes Fenster und darunter ein kleiner
Wandtisch. Ist das ein Wohnzimmer oder was?
An der nächsten Haltestelle steigt eine Familie ein. Die zwei Kinder
stürmen vor in einen der Vierer. Kaum auf dem Platz, ruft der vielleicht
neunjährige Junge: „Mama das ist voll gemütlich hier!“ Marisa Haug
11 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Marisa Haug
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