# taz.de -- Saisonfinale im College-Basketball: Immer noch verrückt genug?
> In den USA kämpfen die besten Collegeteams um die Meisterschaft. Das
> fasziniert viele, doch einige trauern vergangenen Außenseitergeschichten
> nach.
(IMG) Bild: Favorisiert: Die Duke Blue Devils, hier mit Cameron Boozer, sind vor dem Korb sehr erfolgreich
Wenn man einem echten amerikanischen Basketballfan den Namen George Mason
sagt, dann werden sich seine Gesichtszüge aufhellen und die Jahreszahl 2006
wird ihm über die Lippen rollen. Die Chicago Bulls der 90er oder die
Lakers-Dynastien, die Splash Brothers aus Oakland – alles gut und schön.
Aber an die Story der Universitätsmannschaft aus der gleichnamigen
Kleinstadt in Virginia reichen diese NBA-Legenden nicht heran.
Die George-Mason-Truppe hatte 2006 nicht einmal das Finale ihrer eigenen
Collegekonferenz erreicht und sich nur durch die Gnade der Oberen [1][des
Collegesports] für die nationale Endrunde qualifiziert. Doch dann
schalteten die Nobodys vom Land einen Favoriten nach dem anderen aus und
erzeugten eine US-weite Euphorie. Sie gewannen am Ende das Turnier nicht,
doch an den Gewinner erinnert man sich heute kaum noch. Aber George Mason
ist in die Geschichte eingegangen.
Die George-Mason-Story ist einer der Hauptgründe dafür, warum das nationale
College-Basketballturnier auch „March Madness“ genannt wird. Die Endrunde
im Universitätssport [2][hat schon immer die Gemüter erhitzt,] jeder
College-Absolvent identifiziert sich ein Leben lang mit dem Team seiner
Alma Mater. Doch George Mason wurde der Inbegriff der „Cinderella Story“,
der Aschenputtel Geschichte, die dem Collegebasketball den Ruf einträgt, um
so vieles verrückter, ergo lebendiger, ehrlicher und schöner zu sein, als
der Profisport.
Am kommenden Wochenende geht das K.-o.-Turnier in die Runde der Sweet 16 –
der letzten 16 Mannschaften. Doch darunter befindet sich kein einziges
Aschenputtel. Die einzige Überraschungsmannschaft, High Point aus North
Carolina, ist in der zweiten Runde gegen den Favoriten Arizona
herausgeflogen. Alle topgesetzten Teams sind noch dabei und alle
Mannschaften kommen aus den sogenannten „Power-Konferenzen“ – den
College-Ligen mit großen Budgets und einer langen Basketballtradition.
Nun tobt auf den Sportseiten und Portalen, an den Moderatorenmikros, in den
Podcasts und auf den Rängen die Diskussion, ob die March Madness ihre Seele
verloren habe. Das winzige College, dessen Name man erst mal googeln muss
und das gegen große Namen wie Duke, Arizona oder Michigan durchmarschiert –
das, so die Puristen, sei das Salz in der Suppe der March Madness.
Der Schuldige am Seelentod ist auch schnell ausgemacht – der schnöde
Mammon. Nach jahrzehntelangen Diskussionen ist das viele Geld, das mit dem
Collegesport schon immer verdient wird, [3][auch bei den Spielern
angekommen]. Seit 2021 dürfen sie sich vermarkten. Seit 2024 dürfen sie
beliebig und jederzeit an eine größere Uni wechseln, wo sie mehr TV-Zeit
und somit größere Verdienstmöglichkeiten erhalten.
Das Ergebnis ist vorhersehbar. Ein talentierter Spieler wird, so schnell er
kann, von einer kleinen Universität an einer große, bekannte wechseln. Die
Zweiklassengesellschaft im Collegebasketball wird immer ausgeprägter. Das
Turnier immer vorhersehbarer. Die March Madness immer weniger Mad.
Nun gibt es allerdings auch Stimmen, die argumentieren, dass die
abgegriffene Erzählung des Seelenkillers Kapitalismus auf den Collegesport
nicht zutrifft. Zum einen sei es geradezu sozialistisch, dass die Spieler,
die den Wert schaffen, auch daran beteiligt werden. Zum anderen sei die
Faszination der March Madness ungebrochen: Die kleinen muffigen Hallen
voller fanatischer Fans, die rohe Körperlichkeit des Studentenspiels, die
Dramatik des K.-o.-Modus – all das gebe es noch immer. Alleine das
Irrsinnsspiel zwischen Vanderbilt und Nebraska am vergangenen Sonntag, das
die Fans beider Teams in Euphorie versetzte, sei Beweis dafür.
Und das mit den Aschenputteln? Nun ja, das Phänomen habe sich abgenutzt,
seit George Mason habe es geradezu eine Inflation an
Aschenputtel-Geschichten gegeben – VCU 2011, Wichita 2013, Loyola 2018,
Florida Atlantic 2023. Und Siege von Underdogs kann es immer noch geben,
auch wenn diese nicht von Zwergenunis kommen. Sollte etwa St. Johns aus New
York kommende Woche gegen Favorit Duke gewinnen, wäre das durchaus
verrückt. Und die Zeit lässt sich eben nicht einmal auf 2006 zurückdrehen.
25 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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