# taz.de -- Abhängig von amerikanischer Technik: Warum digitale Souveränität jetzt zählt
       
       > Deutschland und Europa wollen die einseitige Abhängigkeit von
       > US-Technologien reduzieren und setzen dafür künftig auf digitale
       > Souveränität. Kann das gelingen?
       
 (IMG) Bild: Um Erpressbarkeit zu vermeiden, wollen Deutschland und Europa mehr auf digitale Souveränität setzen
       
       [1][taz lab] | Was wäre, wenn Donald Trump von einem auf den andern Tag
       entscheiden würde, dass amerikanische Tech-Infrastruktur nicht länger in
       Europa genutzt werden darf? Wenn es plötzlich keinen Zugang mehr auf die
       Rechenkapazitäten gäbe, die Amazon Webservices weltweit zur Verfügung
       stellt? Wenn weder Gmail-Konten erreichbar wären, noch Google-Maps die
       schnellste Route zur Arbeit anzeigte?
       
       Genervt käme man viel zu spät ins Büro, in dem man aufgrund ausbleibender
       Windows-Updates ohnehin nicht arbeiten könnte. Doomscrolling auf Instagram?
       Fehlanzeige. Selbst das ansonsten um keine Antwort verlegene Chat GPT
       bliebe auf die drängende Frage „Was tun?“ stumm. Kurzum, das gesamte
       Alltagsleben vieler Millionen Menschen in Politik, Medien und Wirtschaft
       wäre massiv gestört.
       
       ## Bittere Realität
       
       Man kann dieses Gedankenexperiment getrost als unrealistisches Szenario
       verwerfen. Doch wie gefährlich die einseitige Abhängigkeit von bestimmten
       Ressourcen in einer sich im Umbruch befindlichen Weltordnung ist, zeigen
       eindrücklich der russische Überfall auf die Ukraine sowie [2][der jüngste
       Irankrieg].
       
       Um einer potenziellen Erpressbarkeit, wie im Falle der Gas- oder
       Erdölversorgung, zuvorzukommen, will man in Deutschland und Europa daher
       verstärkt auf digitale Souveränität setzen. Doch was ist damit überhaupt
       gemeint?
       
       ## Dem Begriff „Digitale Souveränität“ nachspüren
       
       Julia Pohle ist Co-Leiterin der Forschungsgruppe „Politik der
       Digitalisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
       Die Verwendung des Begriffs der „digitalen Souveränität“ in Deutschland,
       hat ihren Beobachtungen nach, mit den Snowden-Enthüllungen 2013 ihren
       Anfang genommen.
       
       „Politische und gesellschaftliche Akteur:innen forderten mit ihm
       zunächst hauptsächlich mehr Sicherheit für digitale Infrastrukturen und
       Daten sowie mehr Unabhängigkeit von ausländischen Anbietern.“ Obwohl die
       politischen Forderungen nach digitaler Souveränität über die letzten zehn
       Jahre stetig zunahmen, sei auf der politischen Ebene lange Zeit wenig
       Konkretes passiert.
       
       Erst mit Trumps zweiter Amtszeit zeige sich in Deutschland und Europa ein
       stärker politischer Wille, die digitale Autonomie zu fördern, auch durch
       zum Teil kostspielige und unbequeme Maßnahmen. Daher stellt sie die Frage:
       „Ist digitale Souveränität nur ein politisches Buzzword oder ein ernst zu
       nehmendes digitalpolitisches Ordnungsprinzip?“
       
       ## Politische Umsetzung
       
       Schleswig-Holstein hat bereits 2017 den Weg geebnet, um seine Verwaltung
       [3][auf Open-Source-Software umzustellen]. So konnten im vergangenen Jahr
       etwa 44.000 Mailpostfächer von Microsoft in das neue System „Open-Xchange“
       überführt werden.
       
       Als Digitalisierungsminister treibt Dirk Schrödter (CDU) diesen Prozess
       weiter voran. Er sagt: „Staatliche Souveränität entscheidet sich heute
       nicht mehr allein an militärischer Stärke oder der Fähigkeit, Recht und
       Ordnung im Innern durchzusetzen, sondern auch daran, im digitalen Raum
       souverän handeln zu können.“ Die Dominanz globaler Tech-Konzerne begrenze
       „unsere Gestaltungsmacht und Flexibilität, gefährdet unsere Sicherheit und
       treibt die Softwarekosten in die Höhe“.
       
       Wie aus einer Anfrage der Grünen hervorgeht, zahlte die Bundesverwaltung
       allein im vergangenen Jahr fast eine halbe Milliarde Euro Lizenzgebühren
       nur an Microsoft.
       
       ## Auftrag: Wahlfreiheit schaffen!
       
       Markus Beckedahl ist langjähriger Netzaktivist und Gründer des Zentrums für
       Digitalrechte und Demokratie. Er betont, dass es bei digitaler Souveränität
       nicht um „völlige Unabhängigkeit von globalen Lieferketten, sondern um
       Wahlfreiheit unter verschiedenen Angeboten“ geht. Als zentrales politisches
       Problem bezeichnet er die [4][strategische Abhängigkeit von
       außereuropäischen Anbietern, insbesondere aus den USA und China].
       
       „Da es die EU versäumt hat, eigene Angebote und Märkte zu stärken, sind
       IT-Produkte derzeit Mangelware, die,by Design‘ europäische Vorstellungen
       von Daten- und Verbraucherschutz, digitalen Freiheitsräumen und
       demokratischer Kontrolle integrieren“, beklagt er. Und fordert: „Das muss
       sich endlich ändern.“
       
       🐾 Dazu diskutieren auf dem taz lab 2026 Julia Pohle, Dirk Schrödter und
       Markus Beckedahl. Blaue Bühne, 13 Uhr
       
       10 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /taz-lab/kongress-fuer-debatte-streit-verstaendigung/!v=2f2702df-3697-433e-9d1d-48f733c77d1c/
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joel Schmidt
       
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