# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn einem ein Zuruf noch mal Beine macht
Um 11.10 Uhr geht es los. Zumindest für die Läufer*innen aus Gruppe G,
die das Ziel in maximal zwei Stunden und dreißig Minuten erreichen wollen.
Über 40.000 Läufer*innen haben auf diesen Tag gewartet. Sie tragen
Kostüme und Glitzer im Gesicht, laufen in Gruppen oder allein und doch
gemeinsam. Sie ziehen vorbei an der Siegessäule, am Ku’damm und Potsdamer
Platz. Ist das der Berliner Halbmarathon oder doch eine Sightseeing-Tour?
Nach einer Stunde sind die ersten 10 Kilometer geschafft. Keine Chance für
einen Durchhänger: Vom Streckenrand schallt Musik, es wird getrommelt und
gerufen. Tausende Zuschauer*innen stehen stundenlang an der Straße, sie
haben Schilder gebastelt und feuern ihre Liebsten an – oder völlig Fremde.
Wer hier wen kennt, spielt für einen Augenblick keine Rolle.
Die letzten 5 Kilometer führen vorbei am Fernsehturm und der Museumsinsel.
„Los Martha, du schaffst das!“, ruft jemand vom Rand der Strecke. Wir sind
uns noch nie begegnet, aber mein Name steht direkt über der Startnummer,
die an meinem Oberteil befestigt ist. Wie beflügelt laufe ich schneller.
Martha Lippert
4 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Martha Lippert
## ARTIKEL ZUM THEMA